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Lauingen

20.01.2021

Vor 150 Jahren: Die Gründung des Kaiserreichs im "Lauinger Anzeiger"

Ein bedeutender Moment in der deutschen Geschichte: Preußens König Wilhelm I. lässt sich am 18. Januar 1871 zum Kaiser proklamieren. Das Gemälde stammt von Anton von Werner. Es war ein Geschenk an Reichskanzler Otto von Bismarck (Mitte, weiße Uniform).
Foto: dpa (Repro)

150 Jahre ist es her, dass das deutsche Kaiserreich im Schloss Versailles gegründet wurde. Was damals über den Sieg über Frankreich und die Proklamation im Lauinger Anzeiger zu lesen war.

Große Feiern gab es nicht zum 150. Jahrestag der Reichsgründung und Kaiserproklamation vom 18. Januar 1871. Zu umstritten ist bis heute auch unter Historikern, ob der Tag von Versailles vorwiegend positiv zu bewerten sei, als – wenn auch kleindeutsche – nationale Einigung, oder ob er eine bedenkliche Entwicklung angestoßen habe, die in zwei Weltkriege mündete.

Wie wurde es seinerzeit in unserer Region gesehen? Der „Lauinger Anzeiger“ brachte erstmals in seiner fünf Tage später erschienenen Ausgabe einen Artikel darüber. Doch fiel dieser weder durch eine ungewöhnliche Aufmachung auf, noch durch besondere Ausführlichkeit oder eine überschwängliche Tonlage. Inhaltlich in den Vordergrund gerückt war in der weiteren Berichterstattung ohnehin eher der gleichzeitig erzielte Sieg über Frankreich. Dieser veranlasste das Journal zu Gedanken über „die Zukunft Europas“, die es den Lesern am 2. Februar 1871 unterbreitete.

"Das Kaiserreich, es ist der Frieden!"

Darin hieß es: „Die Durchführung des Sieges Deutschlands über Frankreich wird eine Umgestaltung der bisherigen politischen Verhältnisse Europas zur Folge haben. Drei große Völkergruppen stehen auf dem europäischen Continent gleichberechtigt nebeneinander. Es sind die drei Volksstämme der romanischen, germanischen und slavischen Raçe. (…) Derjenige der drei Stämme, dem man in den letzten Jahrhunderten das Recht politischer Selbstständigkeit verkümmerte, war der germanische. (…) Deutschland hat unter der Führung Preußens für die Zukunft die geschichtliche Bestimmung, der romanischen und slavischen Völkergruppe gegenüber den festen Mittelpunkt der freien Entwicklung des germanischen Volkslebens zu bilden.“

König Wilhelm von Preußen hatte in seiner „Proclamation an das deutsche Volk“ seinen Willen erklärt, „die seit mehr denn 60 Jahren ruhende Kaiserwürde zu erneuern und zu übernehmen“ und, verbunden damit, die Hoffnung, „daß es dem deutschen Volke vergönnt sein wird, den Lohn seiner heißen und opferwilligen Kämpfe in dauerndem Frieden und innerhalb der Gränzen zu genießen, welche dem Vaterlande die seit Jahrhunderten entbehrte Sicherheit gegen erneuerte Angriffe Frankreichs gewähren werde.“ Diese Verbindung von nationaler Gesinnung und Friedenswillen fasste ein Dr. L. Grobe in folgende Reime, die der „Anzeiger“ am 2. März des Jahres veröffentlichte:

„Das Kaiserreich, es ist der Frieden!“ Ein deutscher Kaiser sprach’s auf’s Neu, Gerühmet hat man stets hienieden. Der Deutschen Tapferkeit und Treu. Und darum woll’n wir sicher bauen. Auf unsres deutschen Kaisers Wort, auf Deutschland sollen Alle schauen. Als aller Völker Friedenshort!

Was dann tatsächlich folgte, ist bekannt und legt nahe, auf die Reichsgründung in aller Nüchternheit zurückzublicken.

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