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31.10.2009

Zur Auferstehung nah bei den Heiligen

Bissingen Seit Ende Mai war sie verstummt. Doch nun, rechtzeitig zu Allerheiligen, kann die Glocke der Friedhofskapelle in Bissingen wieder erklingen. "Und das sogar ferngesteuert", freut sich Mesnerin Marianne Heider. Es kostete doch immer einige Mühe, die Glocke mit dem Seil in Gang zu setzen.

Die Glocke der Lazaruskapelle stammt aus dem Jahr 1954, Josef Dauser, der ehemalige Gallenbauer, hatte sie damals gestiftet. Doch die Glocke war auf dem Dachreiter nicht mehr sicher verankert. Und so entschloss sich die Katholische Pfarrgemeinde zur Sanierung und technischen Aufrüstung. Weil das Gerüst schon stand, wurde die Kapelle außen renoviert. Dabei war ein Stamm von etwa zehn ehrenamtlichen Helfern zur Stelle. Sie mussten auch mit Muskelkraft zupacken, um die 43 Kilo schwere Glocke wieder nach oben zu hieven.

Die Kapelle selbst ist ein wahres Kleinod. Alois Sailer, Kreisheimatpfleger, gerät ins Schwärmen, wenn er Bau und Ausstattung aus dem frühen 17. Jahrhundert beschreibt. Es könnte sogar eine kleine Wallfahrt gewesen sein, Votivtafeln würden darauf hinweisen, meint er. Auf dem Altar sind von unten nach oben Szenen aus dem Fegefeuer, Auferweckung von Lazarus und Auferstehung Christi zu sehen. Besser sei nicht darzustellen, dass alle, die gestorben sind auferstehen, lobt Sailer.

Wichtiges Detail auf dem Altar ist ein Schrein mit Reliquien. Gegenstände oder Gebeine sind etwas, das die Seelen der Heiligen auf der Erde zurückgelassen haben und was sich am Tag der Auferstehung wieder mit den Seelen vereint. Und wer sich dann in der Nähe der Kirche befindet, komme schneller nach oben.

Zur Auferstehung nah bei den Heiligen

Im Glauben verwurzelt

Der Kreisheimatpfleger erinnert an einen Spruch des ehemaligen Pfarrers Nägele von Diemantstein. "Ich lass mich schräg an die Kirchenmauer hinlegen, denn wenn die Posaunen kommen, springen die Jungen hoch. Bis ich auf der Höhe bin, ist das Himmelstor schon wieder zu", zitiert er den Geistlichen.

Diese Vorstellung, ganz nah bei den Heiligen zu liegen, mag in der Theologie nicht mehr wichtig sein, sagt Sailer. Vielleicht werde sie belächelt, doch sie wurzelt im tiefen Glauben an die Auferstehung. Nicht ohne Grund seien früher Herrschaften nah bei der Kirche oder sogar im Altarraum beerdigt worden. An der Friedhofsmauer in Bissingen finden sich noch Grabtafeln, gleich bei der Kapelle wurden früher Geistliche und kleine Kinder begraben.

Regelmäßig Gottesdienste

Pfarrer Gerhard Krammer zeigt sich "froh und dankbar", dass die Friedhofskapelle in neuem Glanz erstrahlt und wieder eine Glocke hat. Für ihn sei die kleine Kirche am Ortsrand von Bissingen von Anfang an etwas Besonderes gewesen. Nach langer Pause ist er der erste Geistliche, der in der Kapelle wieder Gottesdienste feiert. Jeweils von Ostern bis Ende Oktober kommen die Gläubigen am Mittwoch zusammen.

Kreisheimatpfleger Alois Sailer freut sich über die Wiedererweckung, das Kirchlein sei es wert. "Es gibt ja nicht mehr viele solcher Auferstehungskapellen und leider werden auch Friedhöfe bei den Kirchen aufgelöst", bedauert er.

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