1. Startseite
  2. Lokales (Donauwörth)
  3. 35 Jahre – und kein bisschen leise

Jubiläum

25.10.2018

35 Jahre – und kein bisschen leise

Ein Ensemble mit Stil, Können und 35-jähriger Tradition: Der Mertinger Musikverein, der jetzt wieder beim Publikum einen ausgezeichneten Eindruck hinterließ.
Bild: M. Fuchs

Der Musikverein Mertingen bietet aus gegebenem Anlass ein höchst unterhaltsames Herbstkonzert

Jetzt im Herbst beginnt wieder die große Zeit der Musikvereine, folgen reihum Herbstkonzerte, will man doch den Besuchern zeigen, was im Jahreslauf neu einstudiert, fleißig geprobt und aufführungsreif wurde.

Grade ein solcher Konzertabend war daher die Feier zum 35. Geburtstag des Mertinger Musikvereins, der unverzichtbarer Bestandteil dörflichen Lebens ist. Ein interessantes, kurzweiliges und sehr unterhaltsames Programm, gestaltet vom großen Blasorchester unter Leitung von Vasyl Zakopets (für sein zehnjähriges Dirigat geehrt) und dem Jugendorchester unter Kathrin Schweihofer zog die zahlreichen Zuhörer, darunter viele Mitglieder benachbarter Vereine, in seinen Bann.

Einleitend der von Timo Dellweg komponierte Marsch „Kaiserin Sissi“: schwungvoll, mit hübschen kleinen Motiven von Piccoloflöten und Klarinetten im dunkel-ruhigen Mittelteil, zügig im Marschrhythmus. Das folgende große Orchesterstück „Jericho“ (Komponist: Bert Appermont) aber zeigte mit den Sätzen „Years of Exile“, „The Battle of Jericho“, „Victory“, „Celebration“, wie großartig das Orchester aufgestellt ist, dass es schwierigste, sperrige und dabei sehr faszinierende Blasmusik auf einem ausgezeichneten Niveau zu präsentieren versteht.

Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.
Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.

Zakopets erklärte klug und interessant das Ouevre – wenige Takte nur spielte die Kapelle an, er erläuterte die Geschichte dahinter. Vom ersten eindringlichen, langen Tubaton an, dem Klang eines Shofar (erinnernd an die geplante Opferung Isaaks durch Abraham) ähnlich, war gespanntes Lauschen spürbar. Die Mauern des von den Jebusitern bewohnten Jerichos, das, so das Buch Josua, von den Israeliten bei der Eroberung Kanaans als erste Stadt westlich des Jordans erobert und zerstört wurde, stürzten durch den Klang von sieben Schofaren ein. Das darzustellen fordert sehr rhythmisches, sehr präzises Spiel in Brechungen, Reibungen, Dissonanzen, häufige rasche Registerwechsel, um die drängende, beklemmende Angst durch Belagerung und Erstürmung herauszuarbeiten, unterstützendes Volksgeschrei, und zuletzt jüdische Folklore: Da erklang große Musik von der Bühne! Entsprechend groß war auch die Zustimmung des Publikums.

Kurzweiliges spielte dann die Jugend – den „Beetle Boogie“ von Ravenal, den „Indian River“ von Kees Vlak, und aus „Orpheus in der Unterwelt“ von Jacques Offenbach „Barcarole“ und „Cancan“. Es war eine hoch erfreuliche Leistung der Youngsters. Sowohl zu den Musikern als auch zur Dirigentin kann man dem Verein nur gratulieren. Der „Bozener Bergmarsch“ als eindringlich geforderte Zugabe zeigte: Auch Marsch können sie bestens!

Der Vorsitzende Josef Brunner hatte den „Streifzug durch die Genres“ angekündigt. Zu erleben war die spritzige Konzertouvertüre „Chase the Sun“ des Engländers Rob Wiffin, mit fröhlich-ansteckender Fanfare beginnend, die Bravourpolka „Andi spielt auf“ von Alexander Pfluger mit einem großartig gespielten Solo der Tenorhornistin Anja Aumiller. Dann aber: Jugendlicher Überschwang tobte sich im Streifzug durch 80er-Jahre-Kult-Songs aus: „Skandal im Sperrbezirk/Ohne dich/1000 und eine Nacht/ Sternenhimmel/Rock me, Amadeus“ im Arrangement von Thiemo Kraas. Das klang schwungvoll, schräg, sentimental, rockig – bestens intoniert und dirigiert. In der „Bodensee-Polka“ mit der schönen, melodiösen Horn-Kadenz zu Beginn folgen raffinierte Wechsel der Register, Alphornklängen über den See ähnlich ziehen die Themen durch den Saal. Das begeisterte – vollkommen zu Recht!

Mit „Last Call“ – einem raffinierten „Zugaben“-Stück für Brass Bands von Otto M. Schwarz – durften alle Instrumentengruppen noch einmal mit einer hübsch eingängigen Melodie auftrumpfen, hervorragend akzentuiert von den dreifach besetzten Rhythmusinstrumenten: Es war ein großes Hörvergnügen zum Abschluss dieses Jubiläums-Konzerts.

Die vom sehr beifallsfreudigen Publikum eingeforderten Zugaben folgten denn auch, natürlich auch der Mitmach-Radetzkymarsch. Es war ein Konzertabend, auf den dank der großartigen Leistungen aller Beteiligter nur die Wertungsnote „mit ausgezeichnetem Erfolg“ passt.

Themen Folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren