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Porträt

24.05.2017

Auf der Suche nach dem Ich

Mit ihren 27 Jahren hat Lela Hermann aus Wechingen bereits viele Länder gesehen. Die Erfahrungen, die sie während ihrer Zeit in Indien gesammelt hat, waren für sie prägend. Auf dem Foto ist Lela im traditionelle Saree vor einer indischen Hochzeit zu sehen.

Die Wechingerin Lela Hermann reist um die Welt. Was sie dabei über ihre eigene Persönlichkeit gelernt hat und wie Jugendliche ihre Stärken erkennen können.

Wechingen 7023 Kilometer liegen zwischen ihr und ihrer Heimat Wechingen im Ries. Lela Hermann feiert inmitten bunter Farben ihren 27. Geburtstag auf dem Holi-Festival in Indien. Auf dem Weg dahin hat sie schon einiges erlebt. Erfahrungen, die sie nachhaltig verändert haben.

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Shanti (übersetzt: Frieden) heißt die junge Frau aus Indien, die Lela besonders berührt hat. Sie macht sich für die Krankheit AIDS stark, rief eine Kampagne ins Leben und veränderte damit viel. Erlebnisse wie diese öffneten Lela in Indien die Augen. „In dem einen Gebiet stehen schöne, luxuriöse Wohnungen und nur drei Kilometer weiter wohnen die Menschen in Slums und haben nicht einmal eine Toilette“, erzählt sie.

Indien war Teil ihres Studiums: „Für mich war es die erste Reise außerhalb Europas und die Erfahrungen, die ich in Indien gemacht habe, waren prägend.“ Solche Erfahrungen lasse man nicht im Ausland, auch zu Hause beschäftige man sich damit. „Wir leben im Luxus.“ Doch viele Menschen vergessen oftmals, dankbar zu sein. „Unser Gehirn ist wie Google“, vergleicht Lea, „wenn wir nach Dingen suchen, die uns nerven, finden wir auch bloß Sachen, über die wir uns aufregen können.“ Nachdem sie 2010 ihr Abitur am Gymnasium in Oettingen absolviert hatte, entschloss sie sich, ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) zu machen. „Das war die beste Entscheidung, die ich hätte treffen können“, sagt Lela. „Etwa 80 Prozent der Abiturienten wissen meistens gar nicht, was sie überhaupt machen wollen. Die Jugendlichen sollten sich die Frage stellen, wofür man steht und was man kann.“

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Doch wie können wir herausfinden, was wir können? „Wenn du dir oft über andere Menschen denkst, warum sie manche Dinge nicht einfach machen, dann können das Anzeichen für eine Begabung sein“, erklärt Lela. „Auch die Dinge, die du als Kind schon gern gemacht hast, können ein Talent sein.“ Dass viele nicht wissen, was sie können, liege unter anderem auch am Schulsystem.

„Uns wird vermittelt, dass wir tolle Menschen sind, wenn wir in Deutsch, Mathe oder Englisch gute Noten schreiben.“ Doch jeder Mensch habe verschiedene Stärken und Schwächen und mehr Ressourcen, die er einsetzen kann und soll. „Wir leben heutzutage in dem Luxus, dass wir uns aussuchen können, was wir machen wollen“, sagt Lela.

Auch bei ihr dauerte es einige Zeit, bis sie ihren Weg gefunden hatte: ein Semester BWL, eine Ausbildung zur Physiotherapeutin, die sie jedoch aus gesundheitlichen Gründen abbrechen musste. 2013 begann die damals 23-Jährige Gesundheitsförderung zu studieren. Ein Studium, welches ihr viele Türen öffnete. Besonders das vierte Semester: ihr erster Auslandsaufenthalt in Schweden.

Einige kennen es vielleicht selbst von Bekannten, die schon einmal im Ausland waren und sagen, dass sie der Aufenthalt verändert habe. „Man denkt sich: So ein arrogantes Gerede! Doch niemand kann das nachvollziehen, der diese Erfahrung noch nie gemacht hat“, sagt Lela. Ihr Aufenthalt ließe sich ganz gut in einem W-Modell darstellen: „Am Anfang ist jeder total euphorisch. Dann kommt die Krise, in der man Heimweh bekommt, doch man lebt sich immer mehr ein und hat eine tolle Zeit.“

Wenn man zurückkomme, bekomme man einen Kulturschock: „Man kommt mit einem ganz anderen Blickwinkel wieder und betrachtet seine Heimat aus einer anderen Perspektive.“ Neben den Erinnerungen und schönen Erlebnissen, wie zum Beispiel, dass Lela die Nordlichter gesehen hat, ist für sie die größte Bereicherung, dass sie sich selbst viel besser kennengelernt hat.

Für den Master ging es für Lela wieder raus aus Deutschland: nach Maastricht. „Global Health“ heißt der Studiengang, den Lela in diesem Jahr absolviert. Während ihres Studiums hat Lela weitere wichtige Erfahrungen gesammelt: „Wir waren im Behindertenheim, in einer Schule für geistig behinderte Schüler, in Krankenhäusern oder in verschiedenen Organisationen, wie zum Beispiel Brot für die Welt“, erklärt Lela. Dort beschäftigten sie sich mit den unterschiedlichsten Menschen. „Die Erlebnisse waren berührend, erschreckend und wunderschön.“

Mittlerweile ist Lela wieder zurück in ihrer Heimat Wechingen und schreibt an ihrer Masterarbeit zum Thema Stress und wie wir ihn bewältigen können. Zukunftspläne? Die hat die 27-Jährige bereits. „Kurzfristig natürlich erst mal Fuß fassen und Geld verdienen, mittelfristig möchte ich eine Ausbildung als Coach absolvieren und mir eine Plattform aufbauen, um später für Unternehmen arbeiten zu können, und langfristig will ich auf jeden Fall Einfluss auf Menschen haben.“ Herauszufinden, wer man ist und wofür man da ist, ist Lelas Tipp für viele Jugendliche, die noch nicht wissen, wo ihr Platz auf dieser Welt sei. Vielleicht auch durch Reisen. Bei Lela war das erst der Anfang – wer weiß, wo sie ihren 28. Geburtstag verbringen wird.

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