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"Zwölf Stämme" aus dem Donau-Ries-Kreis

20.05.2012

Bericht: Rassenkunde und Misshandlung in Sektenschule

Stockschläge und Rassenkunde sollen für die 32 Kinder der fundamentalistischen Glaubensgemeinschaft "Zwölf Stämme" im bayerischen Landkreis Donau-Ries zum Alltag ihrer Privatschule gehören. Hier ein Archiv-Bild aus dem Jahr 2004.
Bild: Jim Benninger, Archiv

Wirbel um die Glaubengemeinschaft "Zwölf Stämme" aus dem Donau-Ries-Kreis: Die Kinder sollen in der Schule geschlagen worden sein. Außerdem wurde Rassistisches gelehrt.

Stockschläge und Rassenkunde sollen für die 32 Kinder der fundamentalistischen Glaubensgemeinschaft "Zwölf Stämme" im Landkreis Donau-Ries zum Alltag ihrer Privatschule gehören. Das Nachrichtenmagazin Focus zitierte zudem Aussteiger, sie seien über Jahre hinweg mehrmals am Tag geschlagen worden.

Aus dem Lehrplan: "Neger müssen den Weißen dienen"

Im Unterricht der Privatschule werde gelehrt, dass "Afrikaner verflucht sind" und "Neger den Weißen dienen müssen", berichteten sie.

Das bayerische Kultusministerium kündigte eine konsequente Überprüfung an und erwartet auch von der Staatsanwaltschaft Augsburg eine Untersuchung. Allerdings habe das örtliche Schulamt die private Ergänzungsschule in Klosterzimmern etwa zehn Mal im Halbjahr besucht und bisher keine Hinweise auf Körperverletzung oder rassistische Äußerungen gefunden, sagte Ministeriumssprecher Ludwig Unger am Sonntag. Auch das Jugendamt sei tätig gewesen.

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Die Mitglieder der "Zwölf Stämme" in Klosterzimmern bei Deiningen waren bereits 2004 in die Schlagzeilen geraten, weil sie ihre Kinder nicht mehr in die staatlichen Schule schickten und dafür sogar Erzwingungshaft in Kauf nahmen. Nach einem Kompromiss verpflichteten sie sich, die Kinder in Anlehnung an die staatlichen Lehrpläne von Hauslehrern unterrichten zu lassen. Nach langwierigen Verhandlungen wurde auf dem Gut der Glaubensgemeinschaft eine Ergänzungsschule mit staatlich akzeptierten Lehrkräften eingerichtet, die Kosten trägt die Glaubensgemeinschaft.

Steht die "Zwölf Stämme"-Schule vor dem Aus?

Ausnahmen vom Lehrplan gebe es für die Fächer Religion und Biologie. Mehrere der Schüler hätten 2010 den qualifizierten Hauptschulabschluss bestanden, sagte Unger. Bei Misshandlungen oder grundgesetzfeindlichem Unterricht würde sich aber die Frage stellen, ob die Ergänzungsschule so zu halten wäre. Von den "Zwölf Stämmen" war auf Anfrage zunächst keine Stellungnahme zu erhalten.

Auf ihrer Homepage beschreiben sich die "Zwölf Stämme" folgendermaßen: "Wir sind eine Glaubensgemeinschaft. Unsere Liebe füreinander durchbricht die Barrieren von Nationalität, Rasse und Kultur." AZ/dpa

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