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Tapfheim-Donaumünster

23.11.2016

Ein Schloss erwacht aus dem Dornröschenschlaf

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Schloss Donaumünster trägt innen wie außen noch die Spuren jahrelanger Vernachlässigung. Doch bald soll aus dem Anwesen wieder ein Schmückkästchen werden. Zwei Interessenten haben den Kauf so gut wie abgewickelt. Sie wollen das schmucke Gebäude zu einem Ort der Begegnung machen.

Zwei Männer wollen einem Kleinod in Donaumünster neues Leben einhauchen. Der Bürgermeister spricht von einem Glücksfall. Die künftigen Besitzer sind zwar noch ein wenig zurückhaltend, aber es gibt schon konkrete Pläne.

Die große Pfütze am morschen Eingangstor lässt sich nur mit einem beherzten Schritt überwinden. Auf dem Weg zum monumentalen Eingangsportal mit seiner wuchtigen Holz-Doppeltür gibt es dann nicht mehr so viele Hemmnisse zu meistern. Das mannshohe Gebüsch, das einem Dschungel ähnelte, ist seit zwei Wochen gerodet. Die Tür zum Gebäude, das 1720 entstanden ist, steht offen. Die Klingel funktioniert noch. Schloss Donaumünster ist gerade im Begriff, aus seinem Dornröschenschlaf zu erwachen.

Die Männer, die den Gast empfangen, sind dick eingepackt. Es ist kalt. Mehr als zehn Jahre haben die alten Gemäuer keine Luft bekommen. Eine Zentralheizung gibt es nicht. Ob der alte Bullerofen noch intakt ist, wissen die Männer aus Heidelberg nicht. In einem Schuber lagert noch die Asche. Wie alt mag die sein?

Hier ist die Zeit stehengeblieben

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Der Blick geht aus dem Foyer in einen der Räume. Stühle sind um einen großen Tisch gruppiert. Wäre da nicht der Staub, möchte man meinen, dass gerade jemand aufgestanden sei. Aber hier ist einfach nur die Zeit stehen geblieben. In einem offenen Buffetschrank ein Stapel voller Teller, dort eine Vitrine mit Resten von Porzellanfiguren, alles schon mehrfach geklebt, eigentlich nur noch Müll. In einem anderen Raum steht ein alter Herd. Auch dort nichts Wertvolles mehr. Und der Rundumblick zeigt: Wer hier anpackt, hat eine Herkulesaufgabe zu bewältigen.

Neues Leben wollen zwei Männer diesem alten Gemäuer einhauchen. Sie sind schon am Sortieren und Aufräumen. So recht ist es ihnen nicht, dass sie mit ihrem Tun Aufmerksamkeit erwecken. Denn der Kaufvertrag für das Schloss in Donaumünster ist noch nicht unterschrieben. Erst wenn die Immobilie auch vor dem Notar ganz offiziell den Besitzer gewechselt hat, wollen sie in der Öffentlichkeit über ihr Vorhaben berichten.

Aber dann lassen sie doch ein wenig durchsickern. Vater und Sohn haben durchaus eine Beziehung zur Familie von Bernus. Marianne Bernus gehört das Schloss. Der Großvater des künftigen Besitzers, ein Bildhauer, war mit dem großen Dichter und Alchemisten befreundet.

Alexander von Bernus (1888 bis 1965) fand auf Schloss Donaumünster, in der Weltabgeschiedenheit des Donaurieds, die Ruhe, die er für die Entwicklung seiner Heilkunst benötigte. Bernus war ein Wissender, Seher und Übersetzer. Er öffnet dem Menschen von heute den Zugang zu längst verlorenem Weltwissen und bietet nicht nur sprachliche, sondern auch geistige Auslegung. Eigentlich war Bernus seiner Zeit voraus. Das Donauried mit seiner eigentümlichen Schönheit der Landschaft und der Menschen, seine Frau Isa, und seine Freunde, die ihn besuchten, bildeten den Rahmen für den Ursprung eines Mythos.

Ein Schloss als Platz der Begegnung

Zurück in die Realität: Die beiden Männer deuten auf einen Platz vor der Treppe, die in die oberen Stockwerke führt. Dort sei Isa von Bernus aufgebahrt gewesen, als sie im Schloss im betagten Alter von 103 Jahren gestorben war. Es muss eine harte Zeit gewesen sein. Die Lebensbedingungen jedenfalls waren sicher nicht einfach.

Was die neuen Besitzer im Einzelnen planen, haben sie den Nachbarn schon erzählt. Das Schloss soll ein Platz der Begegnung werden: mit einem Atelier, mit Platz im Garten für den örtlichen Weihnachtsmarkt, kurzum ein Treffpunkt für die Menschen, die dort leben. Bis es so weit ist, wird viel Zeit vergeben, denn die neuen Besitzer wollen einen Großteil der Sanierung mit Unterstützung örtlicher Handwerker selbst bewältigen. Ein Zimmer nach dem anderen wollen sie in Angriff nehmen.

Dass der bauliche Zustand bedenklich ist, weiß auch Tapfheims Bürgermeister Karl Malz. „Aber jetzt kann das historische Gebäude noch vor dem Verfall gerettet werden“, sagt er. Er ist froh, dass sich Kaufinteressenten gefunden haben. Und er ist sicher, dass noch in diesem Jahr die Beglaubigung vor dem Notar über die Bühne gehen kann. „Für uns ist das ein Glücksfall“, sagt Malz. Er war in die Verkaufsgespräche von Anfang an eingebunden, „eine Art Vermittler“, nennt er seine Rolle. Die neuen Besitzer hätten ihm signalisiert, dass er nach der grundlegenden Sanierungen im Schloss auch Trauungen vornehmen könne. Malz ist wichtig, dass, wie er sagt, „das Vermächtnis von Alexander von Bernus wach gehalten wird“.

Die neuen Besitzer haben durchaus Erfahrungen damit, alte Gebäude wieder auf Vordermann zu bringen. In ihrer badischen Heimat haben sie auch schon einen alten Bauernhof durch eine Generalsanierung mit neuem Leben erfüllt. Sie träumen bereits von Hochzeiten, die im Schloss abgehalten werden, von Standkonzerten der örtlichen Blasmusik im Schlossgarten und von befreundeten Künstlern, die sie als Gäste beherbergen.

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