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Musik

12.01.2018

Ein fulminanter Auftakt ins Jahr 2018

Sopranistin Sonja Maria Westermann war einer der vielen Höhepunkte des Neujahrskonzertes im Donauwörther Tanzhaus. Die Philharmonie aus der ukrainischen Stadt Lemberg riss mit einem vielseitigen Programm und einer begeisternden musikalischen Aufführung das Publikum mit.

Das Donauwörther Neujahrskonzert begeistert das Publikum im Tanzhaus. Wer an diesem Abend ein optischer Höhepunkt ist.

Was verbindet Donauwörth mit Lemberg (Lwiw), einer Großstadt mit mediterranem Flair und rund 730000 Einwohnern in der Westukraine, deren Altstadtkern aus Renaissance, Barock, Klassizismus und Jugendstil Teil des Unesco-Weltkulturerbes ist? Es ist – das Neujahrskonzert!

Zum zweiten Mal konzertierte die kopfstarke Philharmonie Lemberg in Donauwörth, und wieder war es ein hinreißender Abend. Ein schwungvolles, kurzweiliges Konzert mit vielen „Schlagern“, von einem Orchester, das auf eine interessante Vergangenheit zurückblicken kann, reichen seine Wurzeln doch bis ins 19. Jahrhundert und zu einem berühmten Namen zurück: Franz Xaver Mozart, jüngster Sohn von Wolfgang Amadeus Mozart, selbst Musiker und Pädagoge, der über 30 Jahre in der Vielvölkerstadt Lemberg lebte und wirkte.

Dirigent Taras Krysa, international unterwegs in Europa und den USA, seit 2015 Chefdirigent des Orchesters – ein agiler, schwungvoller „Zuchtmeister“ seines Ensembles – überließ Oberbürgermeister Neudert, der sich sichtlich über die vielen Besucher freute, das erste Wort. Dieser warf einen optimistischen Blick in die Zukunft der Stadt; vor allem aber war es ihm ein Anliegen, denjenigen zu danken, die der „soziale Schmierstoff“ der Stadt sind – all den Bürgern, die durch ihr Engagement als Säulen des Gemeinwesens zu dessen Erhalt beitragen.

Französische Politikgeschichte

Mit Schwung und hinreißender Musikalität eröffnete die Philharmonie den unter dem Motto „Pariser Leben“ stehenden Konzertabend mit der Ouvertüre zu „Pariser Leben“ von Jacques Offenbach – dem deutschen Franzosen, Begründer der modernen Operette, der in Deutschland wie kaum ein anderer Komponist für französische Musik steht.

Und damit auch jeder verstand, dass es um Paris ging, unterhielt Moderator Patrick Rohbeck mit unterhaltsamen Geschichten Pariser Kultur, Geschichte, Bauwerken – wenn er nicht durch Zaubertricks das Publikum erheiterte, oder als eleganter, großer Bariton die Registerarie des Leporello aus „Don Giovanni“ von Wolfgang Amadeus Mozart vortrug.

Französische Politikgeschichte trat durch Madame Pompadour auf die Bühne. Der im heutigen Tschechien geborene Österreicher Leo Fall, einer der erfolgreichsten Komponisten der Silbernen Wiener Operetten-Ära, hatte „Madame Pompadour“ komponiert.

„Heut’ könnt einer sein Glück bei mir machen“ – die Sopranistin Sonja Maria Westermann, Ensemblemitglied am Theater Plauen-Zwickau und regelmäßig an der Staatsoperette Dresden konzertierend, versprach mit reichem Sopran viel für den Abend. Mit all ihren Roben war sie zudem ein Hingucker. Nicht zuletzt im „Verführungsduett“ mit Patrick Rohbeck „Joseph, ach Joseph“ führten die beiden die durchaus männeraffine Pompadour in Aktion, den scheuen „Joseph“ entblätternd, vor, zur großen Freude des Publikums. Von den 250 Werken des Elsässers Émile Waldteufel kamen der „Schlittschuhläufer-Walzer“ op. 183, und seine España Adaption, op. 236, der gleichnamigen Rhapsodie von Emmanuel Chabrier, in begeisternder, musikantischer Aufführung.

Oberbürgermeister als Dirigent

Die Österreicher Carl Millöcker mit „Ich schenk mein Herz“ und Richard Heuberger mit dem sehnsuchtsvoll gespielten „Komm mit mir ins Chambre séparée“ brachten wieder das ur-französische Sujet „Verführung“ ins Spiel und ins Gehör des Publikums. Auch drei französische Komponisten waren im Repertoire: aus Charles Gounods „Faust“ die Juwelenarie der noch unschuldigen Marguerite; Hector Berlioz’ „Ungarischer Marsch Nr. 5“ aus „La damnation de Faust“ op. 24 – das hinreißend und sehr konzentriert spielende Orchester steigerte sich hier, vor der Pause, zu einem furiosen Finale. George Bizet noch mit dem effektvollen Vorspiel zu seiner Oper „Carmen“ und der „Danse Boheme“ aus der „Carmen Suite“ mit den Kastagnetten-Rhythmen. Wie einleitend, so auch zum Programmende: Das wohl berühmteste Werk Offenbachs, der „Cancan“ aus „Orpheus in der Unterwelt“ beschloss, begeistert gefeiert, das Neujahrskonzert.

Die Lemberger Philharmonie weiß aber, was sie jubelndem Applaus schuldig ist – mit Johann Strauß, der vorgehend mit der Schnellpolka „Donner und Blitz“ op. 324 zu hören gewesen war, und seinem opus magnum – dem Walzer „An der schönen blauen Donau“, op. 314, der heimlichen Hymne Österreichs, wurden die Besucher verabschiedet. Zumindest fast, denn es folgte noch der Radetzky-Marsch samt einer Einlage des Oberbürgermeisters als Dirigent, sodass die Besucher seiner Umtrunk-Einladung und einem Neujahrsplausch folgten.

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