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Heimatgeschichte

30.04.2015

Hand-Stafetten für Wasserkübel

Eröffnung der Ausstellung zum 150-jährigen Bestehen der Freiwilligen Feuerwehr in Donauwörth: (von links): Stadtarchivar Dr. Ottmar Seuffert, Bürgermeister Jörg Fischer, Sparkassenvorstand Michael Scholz, Stadtbrandinspektor Oskar Köhnlein und Sparkassendirektor Johann Natzer.
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Eröffnung der Ausstellung zum 150-jährigen Bestehen der Freiwilligen Feuerwehr in Donauwörth: (von links): Stadtarchivar Dr. Ottmar Seuffert, Bürgermeister Jörg Fischer, Sparkassenvorstand Michael Scholz, Stadtbrandinspektor Oskar Köhnlein und Sparkassendirektor Johann Natzer.
Bild: Helmut Bissinger

Seit 150 Jahren gibt es in Donauwörth eine Freiwillige Feuerwehr. Aber schon Jahrhunderte zuvor war Brandbekämpfung in der alten Reichsstadt ein Dauerthema

Für die meisten aktiven Feuerwehrmänner mutet das, was Donauwörths Stadtarchivar Dr. Othmar Seuffert aus den Chroniken zusammengetragen hat, wie das Szenario aus einer anderen Welt an. Lange Jahre bevor die Freiwillige Feuerwehr Donauwörth kurioserweise in einem Turnverein ihren Ursprung fand, waren Feuersbrünste in der mittelalterlichen Stadt Werd ein ganz wichtiges Thema.

Jeder, der sich seinerzeit um das Bürgerrecht bewarb, musste zunächst einmal einen Feuerkübel beisteuern – eine Art Feuerschutzabgabe. Im 14. Jahrhundert war der Brandschutz eine Bürgerpflicht. Angesichts des heute schwindenden Interesses am ehrenamtlichen Feuerwehrdienst könnte sich die Geschichte wiederholen.

Anlass zur Rückschau bot eine Ausstellung in der Schalterhalle der Sparkasse in Donauwörth. Die wiederum nahm eine Anregung gerne auf und wird nun drei Wochen lang zum 150-jährigen Jubiläum der Donauwörther Wehr exemplarisch den großen Wandel der Löschtruppe darstellen. Dass die Ausrüstung in den ersten Jahr karg war, ist zu sehen, ebenso wie ein Feuerwehrmann heute mit Atemschutz ausgerüstet ist, wenn er einen Brand in Innenräumen zu bekämpfen hat. An den veränderten Schutzkleidungen lassen sich heutige Herausforderungen erkennen: von Verkehrsunfällen bis hin zu atomaren oder chemischen Unglücken. In fünf Collagen, begleitet von einem Zeitstrahl, sind Foto-Dokumente aneinandergereiht. Und auch hier: Der Wandel ist augenfällig. „Von der Brandbekämpfung über die technische Hilfestellung bis hin zum Einfangen von Schlangen, wir müssen alles können“, meinte Stadtbrandinspektor Oskar Köhnlein bei der Vernissage, die durch die Big Band der Stadtkapelle einen ansprechenden Rahmen erhielt.

Mit den aus heutiger Sicht doch recht primitiven Hilfsmitteln bedeuteten gerade größere Feuersbrünste für die Wehr eine Herausforderung. Aber schon im Mittelalter bedrohte Feuer die Stadt. Die Wehr hat also eine weit ältere Traditionslinie als es ihr Alter vermuten ließe. Im 14. Jahrhundert war Donauwörth, wie Stadtarchivar Dr. Othmar Seuffert berichtete, in seiner Entwicklung immer wieder zurückgeworfen worden, beispielsweise von einem Großfeuer in der Reichsstraße (damals „Am Markt“), als vom Steinhaus Lauginger abwärts alle „Bürgerhäuser zu Aschen verbrannt waren“. Wenige Jahre später brachte ein Brand im Rathaus sogar die dortige Glocke zum Schmelzen. Die Konsequenz seinerzeit: zahlreiche Verfügungen. Den Schmieden wurde verboten, in der Reichsstadt die Pferde bei Nacht und mit Licht zu beschlagen. Später war es verboten, in der Stadt Pulver herzustellen. Nur im Zeughaus durften die Kramer aus feuerpolizeilichen Rücksichten Pulver verkaufen.

Es hat viele Schreckensnächte gegeben. Die Dacheindeckungen mit Stroh, Schilf oder Holzschindeln beschleunigten Brandherde. Wenn Feuer ausbrach, zeigten dies die beiden Türmer auf dem Turm des heutigen Münsters an. Drei Schläge an die Sturmglocke alarmierten die Bevölkerung. Eine rote Fahne symbolisierte die Gefahr, nachts hingen die Türmer eine Laterne mit brennendem Licht auf dem Turm auf. 258 Feuerkübel standen an verschiedenen Stellen parat. Nachdem sie aus dem am nächst gelegenen öffentlichen Brunnen mit Löschwasser gefüllt waren, wurden sie – wie Seuffert recherchierte – von Hand zu Hand weitergereicht.

Angesichts der großen logistischen Aufgaben mit der Bildung von Feuerwehrrotten war Bürgermeister Franz Förg „hocherfreut“, wie im Stadtarchiv nachzulesen ist, als sich in der Stadt ein Turnverein gründete. Kurioserweise hatte sich dieser nach seinen Statuten vorgenommen, eine Feuerwehr ins Leben zu rufen. „Der Donauwörther Turnverein hat zum Zweck, unter Männern und Jünglingen durch Förderung und Verbreitung von Leibesübungen die Stärkung und Hebung der Körpferkraft zu bewirken und tüchtige Steiger für die Feuerwehr heranzubilden“, ist in der Satzung nachzulesen.

Mehr und mehr übernahm die Feuerwehr städtische Aufgaben, schloss sich dem Distrikt an (in dem 16 Feuerlöschbezirke zusammengeschlossen wurden) und baute eine schlagkräftige Truppe auf. Der Zulauf war gut, die Begeisterung ebenso. Der Verein könnte mittlerweile aber dringend Verstärkung gebrauchen. „Wir wollen mit dieser Ausstellung auch für unseren Dienst werben“, sagte Stadtbrandinspektor Köhnlein. Auch und gerade Quereinsteiger „so um die 40“ seien gerne willkommen.

Sparkassendirektor Johann Natzer hob hervor, dass bei den Feuerwehren das Gemeinwohl im Mittelpunkt stehe. Die Tugend, für andere Verantwortung zu übernehmen, und bei schwierigen Einsätzen eine Verletzung in Kauf zu nehmen, sei gar nicht hoch genug einzuschätzen. Zum Jubiläum überreichte Natzer als Anerkennung einen 500-Euro-Scheck.

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