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Blindheim

17.04.2015

Hündin Cassy hilft dem kleinen Ben

Mit seiner Orthoprothese kann der Vierjährige aus Blindheim schmerzfrei spielen, die Ärzte sind mit der Heilung zufrieden. Trotzdem wurde er an seinem Babybein operiert

Von Simone Bronnhuber

Ben schnappt sich den kleinen bunten Ball, humpelt in Windeseile in den Garten und lacht. „Schau, was ich kann“, brüllt er und wirft den Ball im hohen Bogen in die Luft. Hündin Cassy rennt los und schnappt sich den Ball. Ben hinterher. Immer wieder machen die beiden das gleiche Spiel, das Lachen des Buben hören noch die Nachbarn. Mama Juliane sitzt im Gartenstuhl und beobachtet das Treiben. Ganz genau. Immer wieder ruft sie ihrem Sohn zu: „Vorsicht. Pass auf die Leine auf.“ Denn Ben muss vorsichtig sein. Sehr vorsichtig. Ein blöder Sturz könnte für ihn fatale Folgen haben. Denn, wie berichtet, hat der Vierjährige seit ein paar Wochen eine Orthoprothese. Mit der kann er zum ersten Mal in seinem Leben schmerzfrei laufen, spielen und eben auch mit Hündin Cassy toben. Wenn auch nur für kurze Zeit, wie Juliane Kirschke sagt. „Den Rollstuhl und die Krücken brauchen wir weiterhin. Wir müssen die Orthoprothese auch mehrmals am Tag wechseln und säubern. Aber es geht ihm gut“, sagt sie.

Ben ist am 20. Oktober 2010 mit der Diagnose „Proximal femoral focal deficiency (PFFD) mit Fibula-aplasie“ auf die Welt gekommen. Von Geburt an haben seine Eltern alles versucht, um ihm so gut wie möglich ein normales Leben zu ermöglichen. Denn aufgrund der Krankheit hat Ben schlimme Hüft- und Knieprobleme, einige Fehlstellungen, und sein linkes Bein – er nennt es „Babybein“ – ist stark verkürzt. Hatte. Denn heute hat Ben keine Schmerzen mehr und kann sich frei bewegen. So viel er sich eben mit seiner neuen Orthoprothese zutraut. Denn dank einer Operation im vergangenen Herbst mit einem amerikanischen Spezialisten, der extra für den Blindheimer Buben nach Augsburg eingeflogen ist, wurden einige wichtige Korrekturen vorgenommen. Wie berichtet, wurde diese schwierige Operation mit dem weltweit anerkannten Facharzt Dr. Dror Paley nur möglich, weil Menschen aus dem Landkreis Dillingen und darüber hinaus für den kleinen Ben gespendet haben. Denn die Operation war sehr teuer – rund 40 000 Euro. Als die Heimatzeitungen aber über das Schicksal des Buben berichtete, begann eine einzigartige Spendenwelle. Mit Erfolg. Bei dem sechsstündigen Eingriff wurden 50 verschiedene einzelne Schritte auf einmal gemacht. Mit dem bisherigen Heilungsverlauf sind die Ärzte, auch Dr. Paley, mit dem die Familie ständig im Kontakt ist, sehr zufrieden. „Es findet schon eine Verknöcherung statt“, erklärt Juliane Kirschke. Denn erst, wenn Bens Babybein stabil genug ist, kann die Familie entscheiden, ob sie anfangen wollen, das Bein zu strecken. Geld für solch eine zweite Operation mit dem amerikanischen Spezialisten ist da – dank der vielen Spenden. „Das Geld liegt auf dem Spendenkonto der Stiftung und ist für Ben reserviert.“

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Doch so weit denken Kirschkes noch nicht. „Schritt für Schritt“, sagt die Mama. Denn bereits am heutigen Freitag  musste der kleine Ben erneut operiert werden. Bei der ersten OP wurde eine X-Bein-Korrektur vorgenommen, dafür wurden zwei Platten fixiert. Eine davon ist nun schon zu klein und muss ausgewechselt werden. „Das ist ein Standardeingriff, der aber notwendig ist, damit sein Schienbein nicht wie eine Sichel verwächst“, erklärt Juliane Kirschke. Wenn die OP gut verläuft, darf Ben die Augsburger Hessing-Klinik nach ein paar Tagen wieder verlassen. Und dann schnell nach Hause.

Dort warten nämlich nicht nur alle seine Spielzeugsachen auf ihn. Sondern vor allem Hündin Cassy. Der fünf Monate alte Mix ist Bens ganzer Stolz. „Sie gehört mir“, plappert er und fügt hinzu: „Die kann schon voll viel. Bellen, schlafen, sitzen und sich tot stellen.“ Und mit Ben Ball spielen. Aber nicht nur deshalb ist Cassy Bens neue Freundin. Mama Juliane sagt: „Sie soll ihm vor allem helfen. Sie soll ihm die Türen aufhalten, wenn er mit Krücken läuft. Oder ihm seine Tasche hinterhertragen. Sie soll aber auch ruhig am Rollstuhl nebenherlaufen. Ben übt jeden Tag fleißig mit ihr. Am allerbesten ist sie aber für die Psyche.“ Mit Cassy an seiner Seite blühe er richtig auf.

Denn trotz der großen Fortschritte, die der Vierjährige in den vergangenen Monaten gemacht hat – es liegt noch eine anstrengende Zeit vor ihm. Und sein Alltag ist nach wie vor bestimmt von Krankengymnastik oder Schwimmtherapie. Eines hat Ben aber schnell gelernt. „Ich trickse mein Babybein jetzt aus. Das merkt gar nicht, dass es ein Babybein ist“, plappert er. Denn immer dann, wenn er seine knallgelbe Orthoprothese anzieht, kann er auf zwei gleich langen Beinen stehen. Wie ein normaler Bub.

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