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07.02.2015

Löchriges Breitbandnetz

Mancherorts gibt es sie gar nicht, woanders liegen wiederum drei, vier oder fünf Breitbandkabel nebeneinander. Der Breitbandausbau geschah bislang mitunter sehr uneinheitlich.
Bild: Widemann

In Donauwörth gelten vier Stadtteile als „ausgebaut“. Herauszufinden, wo das Netz sonst noch schnell ist, erweist sich als mühevoll

Von Thomas Hilgendorf

Man müsste ein sehr geduldiger Detektiv sein, um die Breitbandnetze in Donauwörth zu durchschauen. Viel Recherche ist jedenfalls vonnöten, um zu erkennen, wo es schon schnelle Leitungen gibt – und wo noch Löcher klaffen beim „schnellen Internet“. Keine Frage: Es gibt noch unterversorgte Gebiete, aktuell werden sie ermittelt. Und das ist ein bisweilen schwieriges Unterfangen.

Felix Späth ist der „Breitbandpate“ der Stadt Donauwörth. In seinem hellen Büro im Erdgeschoss des Rathauses nehmen die Leitzordner zum Thema „schnelles Internet“ mittlerweile einen breiten Raum im Aktenschrank ein. Doch warum ist der Breitbandausbau so kompliziert in einer Zeit, in der Daten doch auf Knopfdruck abrufbar sind?

Späth muss des Öfteren mit dem Kopf schütteln. Überhaupt zu ermitteln, welche Leitungen wo unter welcher Straße liegen, das sei eine recht nervenaufreibende Angelegenheit. Die Netzbetreiber seien nämlich bislang nicht verpflichtet, diese wichtigen Informationen zu den Datenkabeln (die meist unter öffentlichem Grund liegen) an die jeweilige Kommune von Anfang an weiterzugeben. Jene Daten unterlägen, so Späth, einer Geheimhaltung. Wegen des freien Marktes, wegen der Betriebe, die nicht schlechter dastehen wollen, weil man sehen könnte, wer eine gute Leitung aufweisen kann und bei wem der Datenstrom ruckelt. So will es auch die Bundesnetzagentur.

Eine Folge: Jeder Netzbetreiber verlegt seine eigenen Kabel. Es gibt aber eine ganze Reihe von Anbietern im lukrativen Donauwörther Stadtgebiet. Die kennen freilich ihre eigenen Leitungen; die Stadt, welche immerhin die Infrastruktur – ihren Grund und ihre Straßen – anbietet, weiß das nur rudimentär. Späth erklärt: „Die Anbieter müssen nur anzeigen, dass sie überhaupt Kabel verlegen – mehr Informationen müssen sie uns beim Bau nicht geben.“ Das sind zunächst einmal recht vage Voraussetzungen für eine Kommune, um rasch an die Gelder des aktuell zweiten Förderungsprogramms des Freistaats (wir berichteten) zu gelangen. Erst beim Markterkundungsverfahren müssen die Firmen dann exaktere Informationen weitermelden.

Felix Späth muss deshalb jetzt, zu Beginn der Planungen, allen Anbietern hinterhertelefonieren und in jenen Aktenordnern zusammentragen, wer wo welche Kabel vergraben hat. Er ist bis dato abhängig vom Entgegenkommen der Firmen. Dann werden jene gesammelten Erkenntnisse über die Straßen- und Häuserpläne der Ortsteile gelegt. Die Areale – diese können mitunter winzig sein –, die dann noch als weiße Flecken übrig bleiben, sie gelten letztlich als förderfähig. Das heißt: Die Leitungen dort weisen eine Leistungsfähigkeit von weniger als 30 MBit auf. Aber: Auch hier muss erst nachgeprüft werden, ob es bestehende Funklösungen gibt.

Die Stadt hat nun ein Planungsbüro beauftragt, welches die „Mosaiksteinchen“, wie es Späth ausdrückt, zu einem stimmigen Gesamtbild zusammenfügt. In der Stadtratssitzung am 26. März sollen die Ergebnisse vorgestellt werden. Danach kann das Prozedere der staatlichen Förderung beginnen.

Nicht selten erhalte er Anrufe, berichtet Späth, weil sich Bewohner über ihre langsamen Internet-Leitungen beschweren, obwohl die Nachbarn über schnelle Verbindungen verfügten. Dann rät Späth, man müsse sich selbst bei den konkurrierenden Betreiberfirmen kundig machen, ob diese am Wohnort bessere Netze haben – und gegebenenfalls den Anbieter wechseln. Späth dürfte diese Daten nicht herausgeben, selbst wenn er sie irgendwann allesamt im Schrank hätte. Wegen des Datenschutzes. Immerhin weiß man, dass die Stadtteile Riedlingen, Wörnitzstein, Felsheim und Auchsesheim als ausgebaut gelten. Will heißen: Es gibt dort mindestens einen Betreiber, der 30 MBit oder mehr anbietet. Das alles sieht ein wenig nach staatlich subventionierter Flickschusterei aus und Experte Späth gibt unumwunden zu, dass das nicht vonder Hand zuweisen ist.

Warum also gibt es kein einheitliches öffentliches Breitbandnetz, dessen sich die privaten Anbieter bedienen können – wie etwa beim Gas, bei Wasser und bei Strom? Späth kann auf diese Frage keine Antwort geben, auch weil er sie sich selbst immer wieder stellt: „Es wäre längst sinnvoll gewesen, die Netze zusammenzuführen. Die Situation ist doch, dass teils drei, vier, fünf Leitungen nebeneinander liegen – woanders hingegen gibt es gar keine.“ Nun agiert ein Privatbetrieb anders als ein öffentliches Unternehmen: Die einen müssen zunächst schauen, ob sich das Geschäft rechnet, die anderen müssen prüfen, ob die Versorgung der Allgemeinheit abgedeckt ist. So wird der Private freilich lieber dort tätig, wo sich der Netzausbau direkt auszahlt.

Doch den Firmen werde auch in den kleineren Kommunen bei nur einem oder zwei Anbietern nicht gänzlich das Preisdiktat überlassen, erklärt Thomas Gruber, Breitbandbeauftragter am Vermessungsamt Donauwörth. Das Breitbandzentrum in Amberg prüfe, ob Anbieter „Mondpreise“ oder tragbare Kosten veranschlagen. Im Falle Tapfheims etwa gab es zwei Anbieter, deren Preise zu hoch schienen – sie mussten „plausibilisiert“ werden, berichtet Gruber.

Als Fazit von Felix Späth steht, dass die bisherigen Förderprogramme eher mit heißer Nadel gestrickt als grundsätzlich durchdacht seien – man habe es von Anfang an beim Gesetzgeber versäumt, öffentliche Netze zu bauen. Das erschwere jetzt nachhaltig die Netzerweiterung in Deutschland.

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