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Donauwörth

28.01.2019

Theatergruppe des Gymnasiums Donauwörth wird gefeiert

Im schlichten, aber prägnanten Bühnenbild agieren die Spieler der Theatergruppe des Gymnasiums Donauwörth mimisch überzeugend und mitreißend.
Bild: Foto: Walter Ernst

Die Schüler  wagen sich an ein literarisches Werk auf hohem Niveau. „Top Dogs“ ist verstörend wie auch belustigend und hält den Spiegel vor

„Leistungsdruck kann zu großartigen Ergebnissen führen“ – eine Auffassung, die sich vermeintlich nur im Sog von Managern gründet. Urs Widmer hatte wohl diesen Druck, denn zum Stück „Top Dogs“ verfasste er den Text gleichzeitig mit den Proben und in drei Monaten war alles fertig.

Die Theatergruppe des Gymnasiums Donauwörth schrieb am Vormittag eine Deutsch-Schulaufgabe, nachmittags war Generalprobe und am Abend boten die Mitwirkenden eine grandiose Premiere eben dieses Stückes. Nachvollziehbar, dass solche Leistungen seiner Schüler bei Schulleiter Karl Auinger schmunzelnd Begehrlichkeiten für den Schulunterricht wecken. Zuzuschreiben ist dies den schauspielerischen Leistungen der Protagonisten unter Leitung von Oberstudienrätin Katharina Bühler, die allesamt mit viel Applaus für eine gelungene Aufführung gefeiert wurden.

Der Aufführung vorgeschaltet war ein Einführungsgespräch der Darsteller, bei dem aufschlussreich über den Autor und sein wohl bekanntestes Werk informiert wurden. Und wer dem Spiel im gut gefüllten Theatersaal folgte, dem wurde in authentischem Spiel „der Spiegel vorgehalten“.

Ein Top-Manager ist plötzlich auf Stellungssuche

Für Herrn Deer mit typischem Managergehabe und von David Goeth überzeugend verkörpert, erschließt sich gar nicht, dass er nun plötzlich auf Stellensuche ist. Nur im geduldigen, aber eindringlichen Spiel von Corina Grueber als Frau Wrage gelingt es, ihm seine Situation aufzuzeigen. Um ihn wieder „in Gang“ zu bringen wird Deer von Tschudi optisch manipuliert, dreht später gegenüber Verena Kröner „den Spieß um“ und träumt als Tierpfleger im Gorillakäfig von einer Welt „die nirgends freier sein kann als im Zoo“.

Der Tausch der Rollenspiele zieht sich durch die ganze Tragödie im Outplacement-Center, der unternehmerischen Stellenvermittlung zur Wiedereingliederung entlassener Manager. Amelie Plaum und Leonie Soiderer verdeutlichen prägnant in einer Entlass-Szene, „dass Business Krieg, Blut und Tränen sind“. Zusammenhanglose Schlagwörter schwirren aus allen Richtungen des Theatersaales durch den Raum. Überhaupt nutzt die Truppe den ganzen Saal nicht nur über den in den Zuschauerraum gebauten „Laufsteg“, sondern auch Galerie und Gänge dienten der Darstellung schauspielerischer Fähigkeiten. Eine raffinierte Inszenierung.

Im Camp, einem Kernstück des in sich nicht geschlossenen Spiels, werden unter der psychologischen Leitung von Frau Jenkins (Selina Christ) die Entlassungen der Topmanager aufgearbeitet. Im „Stuhlkreis“ erzählen sie, was sie waren, wie es zu den Kündigungen kam und dass dies im Kreis von Millionen doch gar nicht so schlimm sei. „Alles kein Problem“, jetzt mal ohne Managerposten zu sein. Und doch entfliehen alle in Scheinwelten.

Lea-Sophie Mendel, Lena Lösch, aber auch Sina Inselmann und Corina Grueber erzählen, wie sie mit ihren Entlassungen umgegangen sind. Authentisch verkörperte Luca Uhl als Krause dessen psychosomatischen Probleme und verwirrte in einem gelungenen Rollentausch, während Neuenschwandner (Pauline Jahn) sich jetzt sogar einen Porsche 911 leisten könne. In der Aufarbeitung ihrer entstandenen Situationen entfliehen alle in Traumwelten und erfahren nicht nur dabei Szenenapplaus, den sich neben Psychologin Dr. Sommer (Magdalena Tommasi) beim vertauschten Rollenspiel des Ehepaares auch Noah Schramm und Verena Kröner redlich verdienten.

Die Waffe der Frau ist der Kopf

In „träumerischen“ Erzählungen berichten Krause, dass er das Internet als riesige Bereicherung entdeckt hätte, Wrage verrät Männern, dass die Waffe der Frau der Kopf sei, Tschudi verkündet aus dem Hintergrund, welche Wirtschaftszahlen wohl erreicht werden, Jenkins beweist ihrer Mutter, dass sie es doch „zu etwas“ bringen würde und Müller’s Bericht über die Bergwanderung mit seinem Chef ist zwar detailliert, belustigend, aber makaber zugleich („Der schöne Gletscher, völlig versaut – von Blut“).

Zu all diesen Träumereien verkörpern die Märchenerzähler im wirren Durcheinander mit wechselnden Darstellern (Katja Dreher, Alicia Keller, Sarah Bauer, Marco Stampfer, Celine Hamze, Francesca Glötzl, Anna Köpf und Marlene Schmid) zwischen den Zuschauerreihen die Erkenntnis, aus allen Lehren/Märchen nichts gelernt zu haben. Was bleibt ist die Utopie des Menschen, dass Harmonie und Frieden kommen wird, „wenn nicht jetzt, dann im nächsten Jahrtausend“. Im Outplacement-Center wird letztlich mit beeindruckendem Szenenbild die große Klage angestimmt. Börsenfirmen, Daxunternehmen und deren Notierungen führen zu lautem Wehklagen. Blitz und Donner beenden die ganze Szenerie in dunkelster Nacht. Stimmige Musik und passendes Licht lieferten von der Technik Dennis Macho und Bernd Mayinger.

Schauspielerisch verkörperten die Darsteller die unterschiedlichen Charaktere eindrucksvoll und glaubwürdig und erledigten sogar noch administrative Aufgaben zu den Vorstellungen. Mit ihrer großen Spielerschar inszenierte Katharina Bühler ein literarisches Werk auf hohem Niveau mit einfachem, aber aussagekräftigem Bühnenbild. Und dann gibt es doch tatsächlich noch ein Happy-End: Jenkins findet einen neuen Job. Bei Nestle in Asien. Immerhin! Der Rest wartet weiterhin auf die Integration in die Berufswelt. Ein ausgesprochen sehenswertes Stück, das begeistert!

Info Weitere Aufführungen: am 1. und 2. Februar, jeweils um 20 Uhr in der Aula des Gymnasiums.

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