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Aichach-Friedberg

16.03.2019

Achtung Autofahrer! Die Kröten sind wieder unterwegs

Gemeinsam mit dem Kreisbauhof stellte Claudia Thomamüller den Krötenzaun an der Straße zwischen Mering und Altkissing auf.
Bild: Heike John

In Friedberg und Umgebung beginnt die Krötenwanderung. Naturschützer wollen die Kröten retten. Doch es fehlen Helfer.

Wenn der Boden auftaut und Regen für Feuchtigkeit sorgt, brechen Frösche, Kröten und Molche aus den Wäldern auf, um in ihren Laichgründen Eier abzulegen. Sicher ist die Reise nicht. Oft müssen sie Straßen überqueren, viele werden überfahren. Ehrenamtliche errichten dort deshalb mithilfe der Bauhöfe Schutzzäune. Bis Ende April kontrollieren sie die Strecken. Aber selbst mit den Schutzmaßnahmen ist die Gefahr für die Tiere noch nicht gebannt.

Im Landkreis Aichach-Friedberg wurden an neun Übergängen Krötenzäune errichtet, nämlich

  • zwischen Hofhegnenberg und Eresried,
  • zwischen Mering und Altkissing
  • zwischen Haberskirch und Bitzenhofen,
  • bei Sirchenried,
  • bei Obergriesbach,
  • bei Neßlach,
  • bei Blumenthal,
  • am Hieslinger Weiher bei Aichach
  • neu in Pöttmes am Kühnhauser und Schorner Weiher.

Der Aufbau ist anstrengend, denn die Folienstreifen werden mit Eisenhaltern am Boden befestigt. Zusätzlich graben die Helfer Löcher, in die sie Auffangkübel setzen. Die Amphibien fallen hinein und können später sicher auf die andere Straßenseite getragen werden.

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Georg Wenger von der Unteren Naturschutzbehörde im Landratsamt erklärt, dass beim Auf- und Abbau der Zäune oft die Bauhöfe helfen. Für die Aufsicht sind aber allein die Freiwilligen zuständig, die morgens und abends die Eimer kontrollieren. Die Maßnahmen werden staatlich bezuschusst.

Claudia Thomamüller vom Bund Naturschutz berichtet, die Zusammenarbeit laufe gut. Erst kürzlich hat sie zusammen mit dem Kreisbauhof den Zaun zwischen Mering und Altkissing aufgebaut. „Als ich 2006 hier anfing, haben wir noch als Einzelkämpfer einen einfachen Zaun aus Holzlatten aufgebaut“, erinnert sie sich. Bedenklich findet sie dagegen den Rückgang der Amphibien. 2011 wurde über 1000 eingesammelt, 2018 nur noch 330.

Martina Flörchinger, Vorsitzende der Ortsgruppe Merching im Bund Naturschutz, betreut die Straße zwischen Hofhegnenberg und Eresried. Mit zwei Kilometern ist das einer der längsten Zäune im Landkreis. Im vergangenen Jahr konnten die zwölf Ehrenamtlichen 300 Kröten retten. Bei ihrem Einsatz erhielten sie Unterstützung von den Kissinger Pfadfindern.

In Friedberg hilft der Bauhof den Kröten

Bemerkenswert ist auch die Zahl der Tiere auf der Strecke zwischen Haberskirch und Bitzenhofen. Fast 2000 Amphibien wurden 2018 gerettet. Während immer weniger Kröten beobachtet wurden, steigt die Zahl der Molche von 215 im Jahr 2015 auf 908 im Jahr 2018. Allerdings kritisiert Maria Voigt, Vorsitzende der BN-Ortsgruppe Friedberg, an, dass viele Übergänge im Landkreis nicht geschützt seien. Sie ist dankbar, dass der Bauhof Friedberg die Helfer unterstützt. Dies sollte ihrer Meinung nach Vorbild für andere Gemeinden sein. Auch seien immer weniger Menschen bereit zu helfen.

„Viele sagen, dass sie keine Zeit hätten“, erzählt Voigt. Ilona Schätzle von der BN-Ortsgruppe Eurasburg weist auf die Strecke zwischen Rinnenthal und Harthausen hin. Dort informiere nur ein Warnschild die Autofahrer.

Petra Hofberger, Vorsitzende der BN-Ortsgruppe Kissing, hat einen leichten Anstieg an Helfern festgestellt. Trotzdem seien es nicht genug und Nachwuchs werde immer gesucht. Schließlich werden die Freiwilligen immer älter, manche sind mehr als 20 Jahre dabei.

Zu den wanderlustigen Amphibien gehören Wasserfrösche, Grasfrösche und Erdkröten, aber auch Bergmolche und Teichmolche. Bei Temperaturen von über fünf Grad und bei hoher Feuchtigkeit begeben sich die Tiere auf die Reise. Vor allem bei Regen und in der Nacht können viele Kröten und Molche unterwegs sein. Während der Laichzeit brauchen die Amphibien sehr lange, um eine Straße zu überqueren, da zum Beispiel männliche Kröten häufig auf der Stelle verharren und nach Weibchen Ausschau halten. Autofahrer sollen deshalb den Fuß vom Gaspedal nehmen und achtsam fahren – auch der Helfer wegen.

Hier können Helfer aus dem Kreis Aichach-Friedberg sich melden

Es werden an allen derzeit vom BN betreuten Strecken mit Schutzzäunen Helfer gesucht. Wer Interesse hat, kann sich über mail@bn-aic.de oder 08233/849171 bei der BN-Kreisgeschäftsstelle in Kissing melden.

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