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Asyl Kissing

02.05.2018

Asylhelferin besucht zurückgekehrte  Migranten in Afrika

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Marlene Weiss aus Kissing reiste mit ihrem Mann für zwei Wochen in den Senegal, um zwei Kissinger Flüchtlinge zu besuchen. Hier sitzt sie neben Kindern aus dem Dorf.

Marlene Weiss aus Kissing trifft im Senegal auf viel Armut. Mit ihrem Mann will sie sich für das Land einsetzen und ein Hilfsprojekt auf die Beine stellen. Warum die ehemaligen Asylbewerber zurück nach Deutschland wollen

 Die Ankunft war für Marlene Weiss ein Schock. Kaum im Senegal gelandet, dachte sie kurzzeitig, dass sie gleich wieder nach Hause will. Doch bei ihrer Rückreise zwei Wochen später stand der Entschluss fest, dass sie schon im nächsten Jahr erneut in das afrikanische Land fliegen wird. „Wer die Armut und Perspektivlosigkeit der Menschen erlebt hat, kann nicht sagen: Ich habe es gesehen und gut ist es. Ich fühle mich verantwortlich, weiterhin zu helfen“, sagt die 58-jährige Kissinger Asylkoordinatorin.

Seit September 2014 engagiert sie sich in ihrer Heimatgemeinde für Flüchtlinge. Sie plant ein Projekt, einem senegalesischen Dorf einen Traktor zu spenden. Auch ihr Mann Pedro möchte sich in seinem Reisebüro in Kissing für Menschen in dem westafrikanischen Land einsetzen. Im Senegal wollte das Ehepaar zwei ehemalige Kissinger Asylbewerber besuchen und eine weitere Woche in einem Hotel am Meer verbringen. Bei der Ankunft erlebten die beiden aber zunächst einen Kulturschock. „Ich kam mir teilweise wie in die Zeit vor 100 Jahren zurückversetzt vor, aber es besteht ein großer Kontrast zwischen der Millionenstadt Dakar mit hohem Verkehrsaufkommen und dem Leben auf dem Land“, sagt Weiss.

Bettelnde Kinder

Ihre Beobachtungen: Die Menschen halten sich auf der Straße auf, wo sie kochen und versuchen, Essen, Tee oder Kaffee zu verkaufen. Sie leben in kleinen Häusern, die oft keine Fenster haben, auf dem Land in primitiven Hütten. Da es sehr wenig Arbeitsmöglichkeiten gibt, versuchen die Leute, mit Verkaufsgegenständen aller Art Geld zum Überleben zu verdienen. Sie bieten Mandarinen, Bananen, Zitronen, Melonen oder Fleisch an. Manche nähen Tischdecken, Röcke und Kleider oder fertigen Schuhe und Pantoffeln an. Viele Menschen, vor allem Kinder, betteln.

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„Wir erlebten ein großes Fest in einem Dorf. Eine Frau lief mit ihrem Baby dorthin, um Essen für sich und das Kleine zu bekommen“, berichtet Weiss. Sie sagt, dass viele Eltern ihre Kinder nicht mehr versorgen könnten und sie in einer Koranschule abgeben müssten, wo sie Essen erhalten, aber auch zum Betteln gezwungen werden. Die Menschen im Senegal seien nicht krankenversichert und müssten Behandlung und Medizin selbst bezahlen.

Kein fließendes Wasser

Das Ehepaar aus Kissing erlebte aber auch die Gegensätze in dem Land: Als sie die erste Woche in privaten Quartieren übernachteten, gab es dort kein fließendes Wasser. Die zweite Woche verbrachten sie in einem Hotel in Mbour am Meer, wo Franzosen und Belgier Urlaub machen. „Essen und Einrichtung sind dort sehr gut. Die Hotels sind alle bewacht“, sagt Marlene Weiss.

Ziel ihrer Reise war es auch, zwei Migranten, die zurückgekehrt waren, zu besuchen. Der 25-jährige Meta Kondjira flog im November 2017 freiwillig zurück. Er wohnt nun mit einer anderen Familie zusammen in einem Haus, wo er ein Zimmer hat, und hofft, über ein Ausbildungsvisum wieder nach Deutschland zu kommen. Einen Ausbildungsvertrag habe er schon. Da seine Eltern nicht mehr leben und er nicht weiß, wo sich sein Bruder und seine Schwester aufhalten, habe er im Grunde keine Verwandten mehr. Finanziell unterstützt ihn die Familie Weiss, damit er seinen Lebensunterhalt bestreiten kann.

Dagegen hat Mammadou Fall eine große Familie, für die ein Onkel mit seiner Arbeit sorgt. Fall selbst mache sich jeden Tag auf den Weg, um Arbeit zu finden – jedoch bisher ohne Erfolg. Sein Traum war es, in Deutschland zu arbeiten und für seine Familie sorgen zu können. Da der Senegal als sicheres Herkunftsland eingestuft und keine Arbeitserlaubnis für Menschen aus diesem Land erteilt wurde, ging sein Wunsch nicht in Erfüllung. Noch hat er aber nicht aufgegeben.

„Ich versuche, einen Arbeitgeber zu finden, der mich als Hilfskraft einstellen möchte. Dann kann ich ein Arbeitsvisum beantragen“, sagt der 32-Jährige. Er spricht nicht nur Deutsch, sondern auch Französisch und Italienisch. Sollte er Arbeit finden, könnte er den Onkel entlasten und dafür sorgen, dass seine Nichten und Neffen die Schule besuchen. Dass er sehr fleißig ist, habe er bereits bei seinem Praktikum als Altenpflegehelfer bewiesen, sagt Weiss.

Schon 2019 wird sie mit ihrem Mann wieder in den Senegal reisen. Seitdem sie die Not und Armut gesehen hat, fühlt sie sich aufgerufen, den Menschen zu helfen. Bis dahin hofft sie, dass sie ihr Projekt verwirklichen kann, dem Dorf Loro, in dem Mammadou Fall lebt, einen Traktor zur Verfügung zu stellen. Die Bewohner begannen vor kurzem mit dem Anbau von Zwiebeln und Minze und gießen die Pflanzen momentan mit der Gießkanne.

Info

Wer das Projekt „Traktor für Loro“ unterstützen möchte, kann sich mit Marlene Weiss in Verbindung setzen unter 01511/4972672.

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