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Prozess in Aichach

06.07.2010

Betreuerin veruntreut fast 70.000 Euro

67 740 Euro hat eine 59-jährige Frau von dem Konto des von ihr betreuten Ehepaares abgehoben. Jetzt wurde die Betreuerin vor dem Aichacher Schöffengericht verurteilt.

Genau 51-mal hob eine 59-Jährige binnen eineinhalb Jahren Geld für sich selbst vom Konto eines von ihr betreuten Ehepaares ab. Insgesamt veruntreute die Aichacherin so 67 740 Euro. Das Aichacher Schöffengericht unter Vorsitz von Richterin Nadine Grimm verurteilte die geständige und reuige Angeklagte gestern wegen Untreue zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren, die zur Bewährung ausgesetzt ist.

Zuerst waren es "nur" 500 und 1000 Euro, die sie ab November 2006 in unregelmäßigen Abständen abhob. Dann wurden die Summen größer und die Angeklagte holte auch 2000 oder einmal sogar 5000 Euro von dem Konto. Sie habe das Geld verwendet, um finanzielle Löcher zu stopfen, sagte die Frau mit sozialem Beruf gestern. Ein Wohnungskauf, die Erkrankung ihres Mannes und der Verkauf der Wohnung unter Wert hätten sie in wirtschaftliche Not gebracht. Da war der Zugang zu den Giro- und Sparkonten des Ehepaares eine Verlockung. "Es tut mir Leid, dass ich das gemacht habe", so die 59-Jährige.

Weil das Geld fehlte, war es sogar schwierig geworden, die Kosten für das Begräbnis des betreuten Ehepaares aufzubringen. "Daran sieht man, wie das Konto abgeräumt wurde, um eigene Interessen zu befriedigen", sagte Staatsanwalt Christian Hanft. Die Angeklagte hätte "ihre Befugnisse gröblichst missbraucht".

Betreuerin veruntreut fast 70.000 Euro

Sehr hoher Gesamtschaden

Es sei zwar ein sehr hoher Gesamtschaden entstanden, die 59-Jährige habe sich aber um Schadenswiedergutmachung bemüht, hielt der Staatsanwalt der Angeklagten zugute. Obwohl sie selbst noch immer Schulden hat, übernahm die Frau die Kosten für das Begräbnis und zahlte auch schon vor zwei Jahren über 12 000 Euro von dem veruntreuten Geld zurück. Obwohl es "sehr knapp an der Vollzugsstrafe" sei, machte es für Hanft Sinn, über "eine Bewährungsstrafe am obersten Rand" nachzudenken.

Er hielt zwei Jahre mit einer fünfjährigen Bewährungszeit für angemessen. "Sie leidet persönlich sehr unter dieser Geschichte", wandte Verteidiger Reinhard Baade ein. Die Angeklagte ist in psychiatrischer Behandlung. Baade plädierte deshalb für eine Strafe von unter zwei Jahren.

Das Geständnis, Reue und Einsicht sowie die bereits geleistete Wiedergutmachung hielt Richterin Grimm der Frau zugute. Der lange Zeitraum und der hohe Gesamtschaden sprachen gegen die Angeklagte. Grimm verurteilte sie zu einer zweijährigen Strafe, die auf vier Jahre zur Bewährung ausgesetzt wird. Sie bekommt einen Bewährungshelfer zur Seite und muss zudem monatlich mindestens 600 Euro von der veruntreuten Summe zurückzahlen. (drx)

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