Newsticker

Jeder zweite Deutsche würde sich gegen Corona impfen lassen
  1. Startseite
  2. Lokales (Friedberg)
  3. Einbahnstraße Ludwigstraße?

Friedberg

20.11.2019

Einbahnstraße Ludwigstraße?

In der Friedberger Ludwigstraße teilen sich Fußgänger, Radler und Autofahrer gleichberechtigt den Verkehrsraum. Theoretisch gilt das als innovative Idee, praktisch klappt es nicht.
2 Bilder
In der Friedberger Ludwigstraße teilen sich Fußgänger, Radler und Autofahrer gleichberechtigt den Verkehrsraum. Theoretisch gilt das als innovative Idee, praktisch klappt es nicht.
Bild: Ute Krogull

Plus Eine Verkehrsanalyse für die Ludwigstraße in Friedberg ergibt eine Entlastung durch eine Einbahnstraße um fast 50 Prozent. Doch hat die Regelung auch Nachteile.

Zwischen 5000 und 7000 Autos fahren jeden Tag durch die Ludwigstraße. Mit der Umwandlung in eine Einbahnstraße wollten die Grünen die Verkehrssituation in den Griff bekommen. Die Ergebnisse einer Verkehrsuntersuchung dazu wurden am Dienstag im Bauausschuss vorgestellt.

Das Münchner Verkehrsplanungsbüro Gevas, Humberg & Partner hatte Verkehr und Parkplatzsituation unter die Lupe genommen, mit den Zahlen aus dem Jahr 2009 verglichen und analysiert, welche Vor- und Nachteile eine Einbahnstraße bringen würde. Eines gleich vorweggenommen: Die Politiker diskutierten das Thema danach zwar, vertagten eine Entscheidung jedoch de facto um mehrere Jahre. Erst einmal die Ergebnisse im Überblick:

Die Situation in der Friedberger Ludwigstraße

Mitte September wurde der Verkehr an drei Knotenpunkten (Aichacher Straße, Pfarrstraße, Marienplatz) 24 Stunden lang gezählt. Ergebnis: Im Westen sind es rund 5000, im Osten 7000 Autos täglich (siehe Grafik). Im Vergleich zu 2009 sind die Fahrten – je nach Abschnitt – um bis zu 1300 zurückgegangen. Die Durchgangsfahrten verringerten sich um 210. Dabei fiel der Rückgang in West-Ost-Richtung stärker aus als in Ost-West-Richtung. Von Ost nach West beträgt der Durchgangsverkehr 930 Kfz, umgekehrt 1060.

Einbahnstraße Ost-West

Die verkehrsreduzierende Wirkung ist gegenüber 2009 zurückgegangen und beträgt südlich der Jakobskirche 2700 Kfz-Fahrten – immerhin eine Halbierung. Höhere Belastungen ergeben sich aber vor allem auf der Bahnhof- und Bauernbräustraße. Probleme ergibt die Regelung für die AVV-Busse, die dann gegen die Einbahnstraße fahren müssten. Radfahrer dürften in beiden Varianten in beide Richtungen fahren.

Einbahnstraße West-Ost

Die Entlastung beträgt 2500 Kfz. Auch in dieser Variante werden Bahnhof- und Bauernbräustraße (hier würde die Einbahnregelung geändert) höher belastet, ebenso der Stadtgraben. Die Planer gehen in beiden Fällen davon aus, dass die Bahnhofstraße wieder in beide Richtungen befahrbar ist.

Fazit für die Ludwigstraße und die Friedberger Altstadt

Die Verkehrsverlagerung würde für Seitenstraßen teilweise eine Verdoppelung des Verkehrs bedeuten, verbunden mit der Belastung durch Lärm und Abgase: in der Bahnhofstraße um bis zu 800 Kfz, in der Bauernbräustraße bis zu 600, in der Gabelsberger Straße 500 mehr. Je nach Richtung wäre das jeweils andere Ende der Altstadt schwer erreichbar. Für beide Varianten gilt: Weil der ausbremsende Gegenverkehr wegfällt, steigt das Tempo der Autos. Außerdem sind an den Einmündungen der Seitenstraßen viele Schilder nötig.

Parkplätze in Friedberg

Die Verkehrsplaner haben festgestellt, dass sich in den letzten zehn Jahren die Parkplatzsituation leicht entspannt hat, sowohl auf dem Marienplatz, der aber immer noch sehr voll ist, als auch in den Garagen, die nur zu 50 bis 80 Prozent ausgelastet sind. Fast überlastet ist dagegen der Park-and-Ride-Platz am Bahnhof. Bei einer Einbahnstraße würde die Anfahrt zu den Parkplätzen teils umständlicher.

Ein Ansatz wäre laut den Experten, die Garagen im Vergleich zu oberirdischen Stellplätzen attraktiver zu machen, indem man oberirdisch die Höchstparkdauer verringert und die Parkgebühren erhöht. Außerdem sollte der Parkplatz am Bahnhof erweitert werden. Hier ist die Stadt laut Bürgermeister Roland Eichmann auf der Suche nach einem Ingenieurbüro für ein Parkdeck. Offenbar schrecken die Planer aber vor der Konstellation Stadt als Bauherr/Deutsche Bahn als Grundstückseigentümer zurück.

In der Diskussion sprachen sich Thomas Kleist seitens der CSU und Jakob Eichele für die Freien Wähler gegen eine Einbahnstraße aus. Beate Euler sagte für die SPD, die Fraktion stehe dieser nicht abgeneigt gegenüber, Martha Reißner habe sie ja bereits vor Jahren gefordert. Doch solle man den Umbau der Bahnhofstraße (2021) und das geplante Verkehrsgutachten unter Einbeziehung einer möglichen Garage unter dem Marienplatz abwarten. Mehrere Räte meinten, man werde das unsinnige Parkverhalten nicht ändern und Verkehr nur verlagern.

Marion Brülls trat für die Position der Grünen ein. „Durch das Herz unserer Stadt zieht sich täglich eine Blechlawine“, sagte sie. Es gehe darum, ein Konzept zu finden, die Ludwigstraße aufzuwerten, ohne die umliegenden Straßen zu sehr zu belasten.

Christoph Hessel vom Büro Gevas machte nicht viel Hoffnung auf die Lösung des Gordischen Knotens: „Man kann nicht sagen, eine Lösung ist besser. Das ist in allen Städten eine schwierige Diskussion, Versuche werden teilweise wieder abgebrochen.“ Bei der Lösungsfindung dürfe es keinesfalls nur um Verkehr gehen, sondern Geschäfte und Immissionen seien wichtige Aspekte. Letztlich nahm das Gremium die Ausführung zur Kenntnis; das Thema soll nach dem Umbau der Bahnhofstraße wieder angegangen werden.

„Fünf Stöpsel“ für die Friedberger Innenstadt sind vom Tisch

Völlig vom Tisch ist das Konzept der „Fünf Stöpsel“ von Parteifreien Bürgern/ÖDP/FDP. Idee dahinter war, dass Verkehrsteilnehmer für die Einfahrt in die Altstadt ein Ticket ziehen und dieses wie in einem Parkhaus bei der Ausfahrt wieder bezahlen müssen. Die Stadt wollte, dass das Innenministerium sich die Lösung, die es ähnlich in italienischen Städten gibt, anschaut. Doch schon das Landratsamt kam zu dem Schluss, dass sie rechtlich nicht zulässig ist. Der Grund: In Deutschland ist die Benutzung von Straßen jedermann gestattet und grundsätzlich kostenfrei.

Wolfgang Rockelmann war angesichts dessen frustriert. „Die Situation halten wir auf Dauer nicht aus.“ Er und Marion Brülls brachten auch noch einmal das Thema Fußgängerzone in der Ludwigstraße oder einem erweiterten Bereich ins Gespräch.

Lesen Sie auch den Kommentar: Steckt die Ludwigstraße in der Sackgasse?

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren