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28.06.2018

Er hat das Lenkrad gern selbst in der Hand

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Viel Komfort ist in den Tourenwagen nicht – doch Jürgen Bretschneider aus Friedberg fühlt sich am Lenkrad seiner Boliden wohl. Der 51-Jährige ist Rennfahrer aus Leidenschaft.
Bild: Daniel Peter

Jürgen Bretschneider aus Friedberg ist Rennfahrer aus Leidenschaft und bei Langstrecken- und 24-Stunden-Rennen unterwegs.

Jürgen Bretschneider macht den Eindruck eines eher in sich ruhenden Zeitgenossen – doch in manchen Situationen kann es dem 51-Jährigen gar nicht schnell genug gehen: Nämlich dann, wenn er am Steuer eines Tourenwagens auf den Rennstrecken Deutschlands unterwegs ist. Sitzt der Friedberger in seinem Boliden, dann kommt auch der sportliche Ehrgeiz des Geschäftsmannes zum Vorschein und Misserfolge zu verdauen, das fällt ihm trotz der vielen Jahre im Motorsport immer noch schwer.

So beispielsweise vor wenigen Wochen beim 24-Stunden-Rennen auf dem Nürburgring. Dort startete Bretschneider in einem 350 PS starken Porsche Cayman 718s in der Nexen Motorsportserie und legte als Startfahrer seines Teams einen fulminanten ersten Turn hin. Binnen einer Stunde hatte sich der Friedberger um 30 Plätze verbessert, dann folgte der Fahrerwechsel zu seinem jungen Kollegen Fabian Peitzmeier. Und der rutschte mit dem Boliden unglücklich auf einer Ölspur aus, krachte in die Begrenzungsmauer und das 24-Stunden-Rennen war für das Team nach einer guten Stunde beendet. „Am Fahrzeug war die Hinterachse krumm, das war vor Ort irreparabel und das war’s dann für uns. Da war ich natürlich sehr frustriert und das sitzt auch nach einigen Wochen noch tief“, gibt Jürgen Bretschneider zu.

Schon früh zog ihn der Motorsport in seinen Bann

Schon früh zog der Motorsport den Friedberger in seinen Bann, und das, obwohl niemand in seiner Familie in Sachen Rennen fahren „vorbelastet“ war. „Ich hab schon als Schüler die Formel-1-Rennen im Fernsehen gesehen und die haben mich fasziniert. Ich war allem zugetan, was vier Räder hatte und Krach machte“, meint Bretschneider und lächelt dabei. Er wollte Rennfahrer werden und eines seiner Vorbilder war Gilles Villeneuve. Und mit 14 Jahren durfte Jürgen Bretschneider seine ersten Gehversuche im Motorsport machen – im Kartsport. „Das war ein Deal, den ich mir bei meinen Eltern regelrecht erbettelt habe: Wenn ich ein Kart bekomme, verzichte ich auf Mofa und Roller – und das hat geklappt“, erinnert sich Bretschneider. Allerdings hatte der Deal auch einen Nachteil. „Wenn die Kumpels auf ihren Rollern und Mofas unterwegs waren, musste ich hinterherradeln“, erzählt er schmunzelnd.

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1984 begann seine Kart-Karriere, doch schnell lernte der Teenager, dass in diesem Sport vor allem eines zählte: Geld. Um vorne mitfahren zu können, braucht es zahlungswillige Sponsoren und die hatte Bretschneider nicht. „Ich hatte einen oder zwei Satz Reifen für ein Jahr, das haben andere an einem Wochenende vernichtet – und ähnlich sah es mit den Motoren aus“, erinnert sich der Friedberger. Seine Begeisterung aber blieb. 1988 stieg er in die Formel Opel/Lotus ein, eine Serie mit einheitlichen Motoren, eine Stufe unter der damaligen Formel 3. Es folgten Starts bei deutschen Meisterschaften und Europameisterschaftsläufe mit durchaus guten Platzierungen, doch schon nach einem Jahr kam das Aus. „In meiner jugendlichen Verklärtheit hab ich gemerkt, das wird nichts mit dem Rennfahrer, wenn du nicht mit den richtigen Leuten unterwegs bin – und so hab ich aufgehört, trotz einiger Angebote aus England. Aber ich war zu heimatverbunden“, erzählt Bretschneider. So folgten Studium, Neugründung einer Filiale des Familienbetriebs in Augsburg und eine lange Pause.

Durch eine Anzeige kam er zum Motorsport zurück

Erst 2001 kam Bretschneider wieder zum Motorsport zurück, über eine Anzeige in einem Motorsportmagazin. „Da bin ich dann in den Tourenwagensport eingestiegen, fuhr den VW-Beetle-Cup, später mit dem eigenen Team den Ford-Fiesta-Cup“, so Bretschneider. Nach einer weiteren Pause, bedingt durch die Geburt der Tochter Johanna 2006 ging es weiter über Aust Motorsport über die Mini-Trophy, Rennen mit dem Mini Coupe oder Mercedes C-Klasse, Audi und Porsche. „Ich habe die internationale Lizenz, Rennen fahren zu dürfen und werde immer wieder mal angefragt, wenn irgendwo Fahrer ausfallen“, so Bretschneider. An einem hat sich nichts geändert, ohne Sponsoren geht nichts.

Auch wenn Tourenwagen im Fernsehen eher langsam aussehen, Bretschneider bezeichnet die Geschwindigkeit als „ausreichend.“ Das Mini-Coupe kommt auf 240, der Porsche auf der Geraden auf rund 280 km/h. „Wir beschleunigen halt nicht in vier Sekunden von 0 auf 200 wie ein Formel-1-Wagen“, erklärt Bretschneider. Und er erzählt von „Taxifahrten“ auf der Nordschleife des Nürburgrings. „Die Leute, die da bei uns mitfahren, sind beim Aussteigen ganz schön bedient“, sagt Bretschneider und schmunzelt dabei.

Mittlerweile hat der Motorsport-Virus auch die Töchter Johanna und Josefine, die ansonsten Fußball und Handball spielen, erfasst. „Bislang haben wir den beiden nur den Einführungskurs in Landsberg gestattet – und da bin ich beim Zuschauen fast gestorben. Auf der anderen Seite der Leitplanke sieht alles ganz anders aus. Jetzt weiß ich, was meine Mutter bei meinen Rennen durchgemacht hat“, gibt Bretschneider zu. Warum ihm Zuschauen so schwer fällt, schiebt Bretschneider zum guten Schluss auch noch hinterher: „Ich bin ein furchtbar schlechter Beifahrer, ich hab das Lenkrad lieber selbst in der Hand.“

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