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Gesellschaft

09.09.2016

Flüchtlingskinder werden fit für die Schule

Das Basteln mit Zahlenstrahlen soll die angehenden Drittklässler unter anderem auf die Schulmathematik vorbereiten.
Bild: Elisa Glöckner

Viele junge Asylbewerber lernen schnell Deutsch. Trotzdem machen sie einen Ferienkurs im Pfarrzentrum St. Jakob

Obwohl die Schule noch nicht begonnen hat, sitzen acht angehende Drittklässler aus Syrien und Afghanistan um einen Tisch im Pfarrzentrum St. Jakob. Vor ihnen steht Lehrerin Simone Schön. „Was kommt alles in einen Schulranzen?“, fragt sie und zaubert ein buntes Etwas aus ihrer braunen Ledertasche. Die Gruppe zögert nicht lange. „Ein Federmäppchen!“, schallt es unisono zurück. Schön lächelt zufrieden. „Gut gemacht!“ Dann fischt sie die nächsten Gegenstände heraus, darunter ein Lineal, ein Stift, ein Block. Die Kinder müssen jedes Objekt einwandfrei benennen und das Wort sauber aussprechen.

Der Unterricht der Friedberger Ferienschule für Kinder von Asylbewerbern geht diesen September in die zweite Runde. Was hat sich im Vergleich zum letzten Jahr verändert? „Die Sprache“, sagt Gemeindereferentin Elisabeth Wenderlein. „Die Kinder sprechen viel besser Deutsch und können sich mittlerweile sehr gut verständigen.“ Übersetzer seien daher nicht mehr nötig. Dennoch tue die Vorbereitung auf den anstehenden Schulbeginn gut. Denn häufig sind die Kinder in ihren Unterkünften mehreren Spracheinflüssen wie Kurdisch, Albanisch, Arabisch oder Paschtu ausgesetzt. Daher falle es ihnen oft schwer, die Sprachen auseinanderzuhalten und gleichzeitig ihr Deutsch zu verbessern.

Neun Lehrer vom Gymnasium bis zum Förderzentrum helfen in der Woche vor Schulanfang zwei Stunden am Vormittag, dazu kommen zwölf Jugendliche. Der Kurs beginnt täglich um 9 Uhr mit einer Morgenrunde, die die Kinder aus Syrien, Afghanistan, dem Irak, Tansania und Nigeria mit zwei oder drei Spielen „aufwärmen“ soll. Anschließend werden die 30 bis 40 Kinder in Gruppen aufgeteilt.

Flüchtlingskinder werden fit für die Schule

Simone Schön ist Förderlehrerin an der Vinzenz-Pallotti-Schule und übernimmt an diesem Tag zusammen mit der ehemaligen Lehrerin Adelinde Bachfischer und der angehenden Förderlehramtsstudentin Sonja Wissing die Gruppe der baldigen Drittklässler. Acht Kinder im Alter von acht bis zehn Jahren werden hier mit Spielen, Liedern und Bastelarbeiten in Deutsch und Mathematik unterrichtet. Das Hauptaugenmerk liegt laut Schön auf der Deutschkompetenz: „Die Kinder sind – bezogen auf die Sprache – auf einem sehr unterschiedlichen Niveau.“ Das habe auch Auswirkungen auf andere Bereiche wie Mathematik.

Währenddessen übt die Schülerin Clara von Linden die Schuleinsteiger mithilfe von Buntstiften geduldig in Farbkunde. Sie betreut jedes der zehn Kinder individuell, wiederholt die Aussprache der Wörter „Blau“, „Rot“ oder „Lila“ so lange, bis der Wortschatz sitzt. Die Zwölfjährige unterstützt die Ferienschule bereits zum zweiten Mal und weiß daher, was wichtig ist: „Farben, Zahlen bis Zehn und, dass die Kinder wissen, was Stift und Mäppchen bedeutet.“ Der spielerische Umgang mit Wörtern scheint sich zu lohnen: „Es macht sehr viel Spaß und ich freue mich auf die richtige Schule“, erzählt die achtjährige Limar aus Syrien. Auch der sechsjährige Jeffrey aus Tansania kommt gerne in das Pfarrzentrum. Als Fußballfan amüsiert er sich am liebsten während der täglichen Pause beim Kickern mit den anderen Jungs. Alle Kinder aber freuen sich auf eines: den letzten (Ferien-)Schultag. Denn hierfür haben sich die jugendlichen Helfer etwas Besonderes für die Kinder einfallen lassen: eine Rallye durch die Stadt.

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