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Hörbach

30.01.2018

Geschichten über das Leben und Bettwäsche

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Hörbacher Parkettstadl: Michaela Selzer, Susanne Seichter und Andreas Obermaier (von rechts) freuen sich über den Erfolg des Lesbar-Konzepts.

Viermal im Jahr wird im Hörbacher Parkettstadl bei der Lesbar vorgelesen - auch Gebrauchsanleitungen. Jeder darf mitmachen.

Literarisch beflügelt wurde Birgit Regler aus Jesenwang beim Durchblättern eines Supermarkt-Prospekts. Mit der amüsanten Geschichte, die ihr beim Betrachten von Aloe-Vera-Bettwäsche in den Sinn kam, unterhielt sie die Zuhörer bei der sechsten Lesbar in Hörmannsberg. Im dortigen Parkettstadl lädt seit Oktober 2016 eine offene Lesebühne viermal im Jahr zum Vorlesen ein.

„Ob Buchkapitel, Gedicht, Gebrauchsanleitung oder Kurzgeschichte, ob von bekannten Autoren oder selbstverfasst, ob drei Minuten oder eine Viertelstunde, ob lustig, nachdenklich oder einfach schön, an diesem Abend hat alles seinen Platz“, so lautet der Aufruf für den literarischen Abend in Hörmannsberg. Hier im 300-Einwohner-Dorf des Landkreises Fürstenfeldbruck wird kulturell viel geboten. Das wissen die Fans des Montagsbrettls im Gasthaus Sandmair seit mehr als 40 Jahren.

Mit dem Parkettstadl kam vor einigen Jahren eine zweite Kulturstätte dazu. Als Andreas Obermaier zusammen mit seiner Lebensgefährtin Susanne Seichter das Stadl neben seiner Schreinerei ausbaute, da war den beiden schon klar: „Hier wollen wir nicht nur Bodenbeläge verkaufen, sondern auch eine gemütliche Atmosphäre für vielerlei Veranstaltungen bieten.“ Auch nach einem arbeitsreichen Tag hat das Paar noch Lust auf besondere „Events“.

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Jeden Donnerstag gibt es einen Bistroabend, regelmäßige Spieleabende werden veranstaltet und der immer am letzten Mittwoch im Monat stattfindende Kinoabend ist nicht nur bei den Dorfbewohnern Kult. „Ich wollte in unseren Räumen immer auch Lesungen haben und habe oft gesagt, wenn sich niemand findet, dann lese ich einfach selbst vor. Schließlich habe ich schon als Kind Vorlesewettbewerbe gewonnen“, sagt Susanne Seichter. Ihr Wunsch erfüllte sich, als Michaela Selzer aus München nach Althegnenberg zog. Sie brachte das Konzept der Lesbar aus der Münchner Studentenstadt mit. „Ich habe gesehen, dass hier einiges an Kultur stattfindet und dachte mir, warum nicht auch hier eine Lesbar probieren“, sagt die studierte Sinologin und Lebensmittelchemikerin. Das Konzept funktionierte und die Lesbar fand nun bereits zum sechsten Mal statt. „Die Leute kommen und mögen es“, freut sich Andreas Obermaier. „Wir haben bislang noch nicht viel Werbung für diese Veranstaltungen gemacht, aber zwischen zehn und 30 Besucher hatten wir bisher immer da.“

Die Lesbar ist im doppelten Wortsinn zu verstehen, denn eine große Bar mit Leckerem aus der Bistroküche ist das Kernstück des abendlichen Parkettstadlbetriebs. Als Organisatorin übernimmt Michaela Selzer meistens den Auftakt. „Zur Einstimmung lese ich meistens etwas, das in die kabarettistische Richtung“, sagt sie. Es wird gelacht und schon ist das Eis gebrochen und der Erste traut sich ans Mikrofon. „Viele bringen selbst geschriebene Geschichten mit und so haben wir bislang auch schon unerkannte Autoren aus unserer Gemeinde kennengelernt“, freut sich Michaela Selzer. „Wir hatten in einer unserer letzten Veranstaltungen sogar eine 15-Jährige, die etwas aus eigener Feder vorgelesen hat. Unsere wohl älteste Vorleserin ist die über 80-jährige Resi Sandmair, die sehr unterhaltsame Geschichten aus dem alten Hörbach schreibt, die wir sonst wohl nie zu Gehör bekommen würden.“

Mit dabei ist auch immer Toni Drexler. Um auch bei der sechsten Lesbar etwas vortragen zu können, verließ der langjährige Kreisheimatpfleger und Gründer des Montagsbrettls sogar vorzeitig eine Sitzung der Kreisheimatpfleger in Fürstenfeldbruck. „I les euch meine Rede, die ich bei den Münchner Turmschreibern als Dank für die Überreichung des Poetentalers gehalten habe“, erklärte er und präsentierte dann äußerst unterhaltsam seine philosophischen Gedanken „ums Nix“.

Sechs bis acht Vorleser sind es pro Abend, die sich spontan ans Mikrofon trauen. Die Besucher kommen nicht nur aus dem Landkreis Fürstenfeldbruck, auch aus Mering sind an dem Abend zwei Freundinnen da. „Es ist die bunte Mischung, die das Besondere des Abends ausmacht“, findet Michaela Selzer, die mit Begeisterung die Organisation des Lesbar-Abends übernimmt. Der Roman „Die Straße der Ölsardinen“ des amerikanischen Erzählers John Steinbeck gefiel einer Althegnenbergerin besonders. „Ich dachte mir, ich lese euch die Passage über einen Aushilfs-Barmann vor, sagte sie. „Das passt doch einfach gut zu unserer Lesbar.“

Die nächsten Termine

Die Lesbar findet in diesem Jahr noch am 10. April, 17. Juli und 16. Oktober jeweils an einem Dienstag statt. Der Eintritt ist frei. Einlass um 19 Uhr, Beginn um 19.30 Uhr. Für Fragen und Wünsche kann man Michaela Selzer per Mail an LesBar@grosskabinett.de kontaktieren. Zudem gibt es Angebote im Parkettstadl und einen Newsletter.

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