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Handwerk

12.08.2019

Heute schon gedengelt?

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Sepp Hanrieder aus Mering schärft das Sensenblatt (links). Ganz vorsichtig kontrolliert er mit dem Daumen, ob das Blatt der Sense scharf genug ist (rechts).

Obst- und Gartenbauverein Mering zeigt, wie man auch heute noch Blumen- oder Streuobstwiesen auf schonende Art und Weise mit der Sense mäht. Warum man dafür besonders früh aufstehen sollte

Von Weitem hört man glockenhelles Klingeln. Schön klingt das. Das alte Handwerk des Dengelns und des Mähens mit der Sense möchte der Obst- und Gartenbauverein Mering erhalten und führt dazu regelmäßig Kurse durch. Unter Anleitung von Josef Hanrieder, in Mering und Umgebung als „Steib-Sepp“ bekannt, können Interessierte jedes Jahr mehr über das alte Handwerk lernen. Vor dem Mähen der vereinseigenen Streuobstwiese zwischen Mering und Meringerzell werden die Sensen des Vereins wieder scharf gemacht.

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Dazu bearbeitet Josef Hanrieder das Sensenblatt mit einem der verschieden breiten Dengelhämmer auf den Amboss. Die Hämmer besitzen eine bombierte (gebogene) Finne, mit der man die Schneide, den „Dangel“, besonders fein ausklopfen kann. Kinderleicht sieht das bei dem 74-Jährigen aus, doch das täuscht. Dengeln ist ein Kunsthandwerk, das lange Erfahrung und das Beherrschen der Technik erfordert.

Gartenbesitzer Peter Scheibenbogen ist gekommen, weil er mehr über das Dengeln erfahren möchte. Er mäht regelmäßig Brennnesseln mit einer Sense. Am besten schärfe er diese regelmäßig, sagt Hanrieder. Wer das Dengeln zu lange aufschiebt, der müsse etwa eine Stunde pro Sensenblatt investieren. Den Dengelvorgang teilt der Landwirt in mehrere Schritte auf, wobei jeder Schritt das Ziehen einer Vertiefungslinie längs zum Blatt und mit jeweils gleichbleibendem Abstand zur Schneidkante bedeutet.

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Die Linie entsteht dadurch, dass die Hand, die das Blatt hält, es auf dem Amboss nach jedem Hammerschlag ein geringfügiges Stück weiterschiebt. Geduldig erklärt Josef Hanrieder den aufmerksamen Teilnehmern, wie man „Donauwellen“, unerwünschte Dellen im Sensenblatt, wieder ausgleicht. Dabei lässt er ununterbrochen den Hammer auf den Stahl sausen, etwa zehntel Millimeter genau an der richtigen Stelle. „Ich brauche nicht mehr hinschauen“, sagt er. Seit dem zehnten Lebensjahr ist der gebürtige Meringer die Arbeit mit der Sense gewohnt. Früher hätten die Bauern nach der Feldarbeit bis spät abends vor dem Haus „gedangelt“. Die glockenhelle „Dengelmusik“ gehörte zum Dorfleben dazu, weiß einer der Teilnehmer. Niemanden habe das früher gestört, fügt Hanrieder hinzu. Gearbeitet wird auf dem normalen Amboss oder einem kleinen Dengelamboss, der auf einem Holzschemel, dem Dengelbock, befestigt wird. Warum es beides gibt? „Weil sich einen Amboss nicht jeder leisten konnte, es sei denn man war auch Schmied“, antwortet Josef Hanrieder.

Als ehemaliger Arbeiter im Augsburger Stahlwalzwerk Eberle weiß er, was beim Dengeln mit dem Metall passiert: „Das Gefüge ändert sich, Kohlenstoff tritt aus und der Stahl wird gehärtet.“

Dengeln ist die einzige Möglichkeit, ein Sensenblatt ohne Materialverlust immer wieder scharf zu bekommen. Die gedengelte Schärfe bleibt auch länger erhalten. Daher können gute Sensenblätter, trotz regelmäßiger Benutzung, mehrere Generationen lang genutzt werden. Erst zum Schluss wird der Wetzstein kurz angesetzt, um der gedengelten Schärfe den letzten Schliff zu verleihen. „Es richtet den Dangl (das Sensenblatt) wieder gerade“, erläutert Josef Hanrieder. Sogar Risse im Sensenblatt, sogenannte „Scharten“, lassen sich entgegen der Redensart nicht „auswetzen“, sondern nur durch Dengeln reparieren.

Der Mahder, der Mensch der mäht, sollte zeitig aufstehen. Weniger, weil er die Tageshitze vermeiden will, sondern wegen der Beschaffenheit des Getreides: „Wenn gegen 3 Uhr in der Früh das Tau wie ein Mantel um den Halm liegt, ist dieser härter und lässt sich sauberer abschneiden,“ klärt Hanrieder auf. Das Mähen dürfen alle Teilnehmer des Kurses ausprobieren. Leicht vornübergebeugt, das Sensenblatt parallel zum Boden werden die Arme halbkreisförmig um den fest stehenden Oberkörper herumgeschwungen.

Das Mähen mit der Sense, sieht leichter aus, als es ist. Doch unter der fachgerechten Anleitung des Experten, gelingt es den Teilnehmern recht gut.

Am Samstag, 21. September, bietet der Obst- und Gartenbauverein ab 14 Uhr den Bau eines Hochbeetes an. Wie man Sauerkraut macht, zeigt der Verein am Samstag, 19. Oktober, ab 13.30 Uhr Sauerkraut gemeinsam hobeln, stampfen und einmachen. Rübengeister werden am Samstag, 26. Oktober, ab 15 Uhr gebastelt. Infos und Anmeldung bei Regina Martin, Telefon 08233/94 90.

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