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Ehrenamt

07.01.2020

Im Friedberger Lokschuppen wird das „Wir“ großgeschrieben

Jeanne Graf de Vergara, Christine Brookmann und Freya Keller (von links) sind die Ansprechpartner und Koordinatoren der Angebote im Friedberger Bürgernetz mit dem Lokschuppen als Treffpunkt. 
Bild: Heike John

Das Friedberger Bürgernetz zieht zum Jahreswechsel eine positive Bilanz. Es gibt noch viele Ideen für weitere Angebote, aber es mangelt an Helfern.

Wer donnerstags um die Mittagszeit am Friedberger Bahnhof aus dem Zug steigt, dem zieht mitunter ein verlockender Duft durch die Nase. Der vom Bürgernetz im Oktober ins Leben gerufene offene Mittagstisch schlug so gut ein, dass man nun vom anfangs zweiwöchentlichen Angebot auf den wöchentlichen Rhythmus übergeht. Ab 16. Januar gibt es jeden Donnerstag von 12 bis 13 Uhr im Lokschuppen ein mit frischen und regionalen Zutaten gekochtes Gericht auf Spendenbasis.

Zum Mitessen in die Räume des Bürgernetzes in der Bahnhofstraße 28 eingeladen ist jeder, der gerne in Gesellschaft isst. „Wir sind komplett überrascht, wie gut unser Angebot angenommen wird. Gut 20 Leute sind immer da“, sagt Jeanette Graf de Vergara. Zusammen mit Christine Brookmann und Freya Keller bildet sie das Team des Bürgernetzbüros. Von hier gehen viele Impulse für Hilfs- und Freizeitangebote aus, hier aber auch die Fäden aller ehrenamtlichen Einsatzkräfte zusammen.

Begleiteter Fahrdienst kommt in Friedberg gut an

„Wir können eine positive Bilanz unserer Arbeit im vergangenen Jahr ziehen“, betont das Bürgernetz-Trio zufrieden. Ein ebenfalls noch junges Angebot ist der begleitete Fahrdienst, sei es zum Arzt, zum Einkaufen oder zu anderen Terminen, koordiniert von Christine Brookmann. Wer nicht mehr gut zu Fuß ist oder dessen Mobilität aus anderen Gründen eingeschränkt ist, kann sich auf Spendenbasis vom Bürgernetz fahren lassen. Am Donnerstag wird auch eine Sammelfahrt zum Einkaufen angeboten.

Einer der Leitgedanken des Friedberger Bürgernetzes vor rund sechs Jahren war die Einrichtung einer organisierten ehrenamtlichen Nachbarschaftshilfe. Das Projekt folgt einer einfachen Grundidee: Friedberger helfen ihren Mitbürgern in schwierigen Alltagssituationen. „Wir sind füreinander da, das ist die Devise all unseren Tuns“, erklärt das Bürgernetzteam.

So meistern Senioren in Friedberg ihren Alltag

So können Senioren ihre Lebensqualität im häuslichen Bereich erhalten und auch Familien in herausfordernden Situationen des Alltags entlastet werden. „Diese Hilfe weiter auszubauen, haben wir nun geschafft und es ist uns auch gelungen, die Hemmschwelle abzubauen“, freut sich Jeanne Graf. „Oft rufen uns Angehörige an und bitten um Unterstützung, wenn sie sehen, dass beispielsweise der Opa nicht mehr alleine zurechtkommt.“

Auch die Einsamkeit ist ein Thema. Darum findet auch das seit Gründung des Bürgernetzes bestehende Mittwochscafé einen enormen Anklang. Im gemütlichen Ambiente der vor einem Jahr frisch bezogenen Räumlichkeiten im Bahnhofsgebäude trifft sich jeden Mittwoch unter der Leitung von Traute Dreher eine gesellige Runde zu Kaffeeplausch und Gesellschaftsspielen. Auch gemeinsame Ausflüge werden unternommen.

Offene Begegnungsstätte im Friedberger Bahnhof

Der Wunsch nach einer für alle Generationen offenen Stätte der Begegnung an einem zentralen Ort ist Wirklichkeit geworden. Nun arbeitet man daran, noch mehr junge Leute für ehrenamtliches Engagement einzubinden. Bastelnachmittage, Strickrunde, PC- und Smartphone-Sprechstunde, Repair-Café, die Fülle an Angeboten im Friedberger Bürgernetz ist groß.

„An Ideen mangelt es uns nicht, nur an Helfern, obwohl bereits 90 Ehrenamtliche aktiv sind. Der Bedarf für noch mehr Angebote zur Unterstützung unserer Bürger ist da, aber wir merken, dass wir an der personellen Kapazitätsgrenze sind“, erklärt das Bürgernetzteam.

Jede Helferstunde ist willkommen

Viele Bürger seien bereit, sich für ihre Mitmenschen zu engagieren. In intensiven Gesprächen werde herausgefunden, wo die Interessen liegen und wie viel Zeit jemand zur Verfügung hat. Auch wer nur wenige Stunden übrig hat, kann projektbezogen tätig werden. Eine gute Betreuung der Ehrenamtlichen sei wichtig, damit sie sinnvoll eingebunden werden können und auch Gehör sowie Anerkennung für ihren Einsatz finden.

Alle Engagements müssten gut koordiniert werden. Aus diesem Grund zeigen sich Jeanne Graf und Christine Brookmann vom Friedberger Modell mit einem fest angestellten Team als Ansprechpartner für die Ehrenamtlichen überzeugt. Großen Wert legen sie auch auf die engmaschige Kooperation mit anderen gemeinnützigen Organisationen. So werden Überschneidungen vermieden und Synergien genutzt werden.

Zusammenarbeit mit der Friedberger AWO

Beispielsweise gibt es gemeinsame Ausflüge und Veranstaltungen zusammen mit dem AWO-Seniorenclub. Auch mit den Hilfsorganisationen in den Nachbarorten tauscht man sich rege aus. „So ist Ried unser Vorbild, was das vom Sozialministerium geförderte Quartierskonzept angeht, sagt Jeanne Graf.

Lesen Sie dazu auch unseren Beitrag So gut schmeckt das Mittagessen im Friedberger Bahnhof

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