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Mering

07.01.2019

Marina Osipova ist Musikerin mit Leib und Seele

Temperamentvoll und engagiert, so erleben die Sängerinnen und Sänger im Meringer Liederkranz ihre Chorleiterin Marina Osipova seit 15 Jahren.
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Temperamentvoll und engagiert, so erleben die Sängerinnen und Sänger im Meringer Liederkranz ihre Chorleiterin Marina Osipova seit 15 Jahren.
Bild: Heike John

Marina Osipova ist dem Meringer Liederkranz besonders eng verbunden. Die Leiterin hat bereits dessen 150-jähriges Jubiläum im Jahr 2020 im Blick.

Als Marina Osipova 1991 nach Deutschland kam, war Mering ihr erster Kontakt. Weil die aus Krasnodar stammende Russin musikalischen Anschluss suchte, sang sie zunächst im evangelischen Kirchenchor. „Dabei sprach ich damals noch gar kein Deutsch, aber ich konnte nicht ohne das Singen leben“, erinnert sie sich. Bei ihrem kurzen Intermezzo in Mering sprang sie 1994 für kurze Zeit auch als Chorleiterin beim Liederkranz ein.

Ihr Weg führte sie dann allerdings zunächst für neun Jahre nach Tschechien. Doch die Bande zum Liederkranz waren geknüpft und immer wieder kam sie zwischendurch nach Mering zurück und half in der Chorleitung aus. Die enge Verbindung zum Liederkranz führte dann schließlich auch dazu, dass Osipova ihren Wohnsitz schließlich wieder nach Mering verlegte. Seit 2004 ist die diplomierte Chordirigentin und Lehrerin für Gesang und Musiktheorie nun die Leiterin des 1870 als Männergesangsverein gegründeten Chors. In den vergangenen 15 Jahren prägte sie ihn wie zuvor nur der Kirchenmusiker Paul Hartl, der von 1968 bis 1993 den Liederkranz leitete. „2020 kann unser Chor sein 150-jähriges Jubiläum feiern und wir haben bereits jetzt schon mit den Proben angefangen“, sagt Osipova.

Im Januar startet das Jubiläumsjahr mit einem festlichen Gottesdienst

Am 26. Januar 2020 startet das Jubiläumsjahr mit einem festlichen Gottesdienst in der St. Michaelskirche, der vom Liederkranz musikalisch gestaltet wird. Das große Jubiläumskonzert findet im Oktober statt. In das dargebotene Repertoire will Marina Osipova auch altes Liedgut aus den Anfängen ihrer Chorleitung mit aufnehmen. „Wenn ich die Lieder von früher mit unseren aktuellen vergleiche, dann sind wir jetzt schon auf einem beachtlichen Niveau“, sagt sie voller Stolz. Das kommt nicht von ungefähr, denn die temperamentvolle Russin versteht ihr Metier. Ihr Studium absolvierte sie am Rimski-Korsakow-Konservatorium in Sankt Petersburg, wo auch die Opernsängerin Anna Netrebko, die Grundlagen für ihre Karriere legte. „Wir hatten sogar den gleichen Professor“, erinnert sich Marina Osipova.

Eigentlich begann die musikalische Karriere der 54-Jährigen gar nicht so glücklich. Denn ursprünglich wollte sie Gesang studieren, doch am Tag ihrer Aufnahmeprüfung war sie krank und konnte nicht teilnehmen. „Dann habe ich umgeschwenkt und habe Chorleitung studiert und dies ist zu meiner Berufung geworden“. Nach fünf Jahren auf dem Konservatorium absolvierte sie auch noch vier Jahre an der Musikhochschule. „Zu meiner Ausbildung gehörte nicht nur das Dirigieren, der Gesang und Klavier, sondern auch Psychologie und Pädagogik“, erzählt Osipova. Vielleicht ist dies der Grund, warum das Engagement der Chorleiterin auch der persönliche Kontakt zu den Sängern und ihren Gesangs- und Klavierschülern wichtig ist. „Für Marina gibt es immer einen engen Zusammenhang von Stimme und Stimmung, daher liegen ihr auch die Probleme der Sänger sehr am Herzen“, loben die Chormitglieder.

Derzeit leitet Osipova fünf Chöre, darunter neben drei gemischten Chören auch einen Frauenchor in Mering und einen Männerchor in Mammendorf. Die soziale Komponente ist ihre wichtig, sie steht auch im Meringer Liederkranz im Vordergrund. Da ist es keine Frage, dass die nahezu blinde 92-jährige Hanni Sumperl bei jedem Auftritt auf einem Stuhl sitzend mit dabei ist. Und ebenso selbstverständlich ist es, dass der 90-jährige Roman Ernst zu jeder Chorprobe abgeholt wird. „Der Liederkranz hält mich am Leben“, sagt dieser.

Bei der Montagsprobe gibt es Stimmbildung

Die musikalische Qualität bleibt dabei nicht auf der Strecke. Jeder Sänger bekommt in der Montagsprobe in der Meringer Luitpold-Grundschule eine Viertelstunde Stimmbildung. „Man muss die Stimme trainieren wie ein Sportler seinen Körper“, lautet das Credo von Osipova. Seit Jahren bemüht sie sich auch um ein modernes Auftreten des Liederkranzes, sowohl im Repertoire als auch in der Optik. So beschreitet der Liederkranz auch bei den Konzerten mit einem literarischen Abend, einer Modenschau oder auch einer Weinverkostung manchmal ungewöhnliche Wege.

Deutsche Chormusik quer durch die Jahrhunderte wird gepflegt, aber immer mehr haben auch Chorsätze aus anderen Ländern die Bandbreite erweitert. Überhaupt schaut der Liederkranz gern über Mering hinaus: Eine Freundschaft besteht seit rund 25 Jahren mit dem Chorale du Bugey in der Partnerstadt Ambérieu. Offen ist der Chor auch für das Miteinander mit anderen Musizierenden in Mering. Seit drei Jahren tritt der Liederkranz auch zusammen mit einer Rockband auf. Zum 140-jährigen Jubiläum gab es eine Ausstellung im Heimatmuseum. Man darf gespannt sein, was die Sängerinnen und Sänger, die zu den ältesten Chorgemeinschaften in der Region zählen, für 2020 parat haben. Marina Osipova will sich da richtig reinknien, das ist gewiss.

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