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16.04.2015

Mit Witz gegen den Lernfrust

Jutta Wimmer weiß: Nichts motiviert mehr als der Erfolg.
Bild: Anna Schubert

Kabarett Pädagogin Jutta Wimmer zeigt in Friedberg, wie Lernen Spaß machen kann

Friedberg Jutta Wimmer dreht den Spieß um. Statt der Schüler müssen die Lehrer und Eltern in der Friedberger Gymnasium-Turnhalle die Schulbank drücken. Das Thema: Die größten Lernlustkiller und was gegen sie hilft.

Mit verdrehten Rollen geht es auch weiter. Verkleidet als die 13-jährige Schülerin Lisa, betritt die Pädagogin die Bühne. Lisa hat keine Lust auf Hausaufgaben. Die Lösung für die Matheaufgabe, von der sie glaubt, sie niemals alleine bewältigen zu können, sucht sie im Internet. Eigentlich will sie nur zu ihrer Freundin, um sich mit ihr über den süßen Felix auszutauschen. Wäre da nicht die Chemie-Ex. Die hat sie in den Sand gesetzt und das muss sie noch irgendwie ihrem Papa beichten.

Das Publikum nickt und grinst. Ja, diesen alltäglichen Wahnsinn kennt man von Zuhause.

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So muss es aber nicht sein. In ihrem Schulkabarett sagt Dipl.-Pädagogin Jutta Wimmer dem klassischen Frontalunterricht, der Rotstift-Fehlersuche und dem Komma-Paucken den Kampf an.

Am Beispiel der Teenagerin Lisa zeigt die Lehrerin und Dozentin für Psychologie und Pädagogik auf, welche Hürden es im Lernalltag gibt, wie man Lernfrust killt und was Eltern und Lehrer tun können, um zu helfen.

Einer der typischen Lernlustkiller ist die Angst vor schlechten Noten. Das eine Drei in den Augen der Schüler schon ein Misserfolg sein kann, ist für Erwachsene nicht immer verständlich. „Wer will bei seinem Partner die Nummer eins sein?“, fragt Jutta Wimmer und blickt auffordernd in den Raum. „Und jetzt stellen Sie sich vor, ihr Partner findet sie nur noch gut. Sagen wir: Mittelmäßig.“ Schon bekommt die Note drei eine andere Bedeutung und die Enttäuschung bei den Kindern wird nachvollziehbar. Wenn das Selbstwertgefühl durch schlechte Noten zu bröckeln beginnt, kann man entgegenwirken. Jutta Wimmer berichtet beispielsweise von Eltern, die ihren Kindern in einem Brief schreiben, was sie an ihnen lieben. Denn wenn Eltern und Lehrer für Positives applaudieren, sind das für das Kind Einzahlungen aufs Erfolgskonto. Das ist die Motivation, die Flügel zum Lernen verleiht.

Der ein oder andere Zuschauer hat sich im Vortrag auch selbst wiedererkannt. Daniel Volk, Papa von zwei Töchtern, erinnert sich an seine Schulzeit zurück: „Klar hatte man als Schüler seine Tiefs und musste motiviert werden.“ Zu Hause übernimmt das auch manchmal die älteste Tochter: „Sie hilft unserer Kleinsten bei Textaufgaben.“

Die Friedbergerin Beate Kleber kennt die typischen Lernprobleme: „Man denkt ja immer, bei mir daheim ist es am schlimmsten. Da ist es beruhigend zu sehen: Es ist überall gleich“, schmunzelt die Mutter von zwei Kindern. Alle Tipps des Abends verwirklichen, das hält sie jedoch für schwierig. „Aber selbst wenn man nur einen Punkt umsetzen kann, dann hat es sich schon gelohnt.“ Knapp 350 Menschen haben den Weg in die Friedberger Gymnasiums-Turnhalle gefunden. Andrea Fürnrohr von der Schulleitung ist begeistert über das rege Interesse der Eltern und Lehrer am Vortrag. Auch die Rückmeldungen seien sehr positiv gewesen.

Organisiert wurde das Kabarett vom Elternbeirat des Gymnasiums Friedberg in Kooperation mit der Mittelschule Friedberg und der Grundschule Friedberg-Süd. (ansu)

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