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Strahlung

16.07.2014

Neuer Funkmast macht vielen Bürgern Angst

Stadt informiert über Bauvorhaben bei Haberskirch. Morgen tagt der Planungsausschuss

Welche Auswirkungen hat der neue Mobilfunkmast bei Haberskirch, mit dem sich der städtische Planungs- und Umweltausschuss bei seiner Sitzung am Donnerstag beschäftigen wird (Beginn 16.30 Uhr im Rathaus)? Die Bedenken der Bürger gegen den Bau einer 45 Meter hohen Antennenanlage wurden bei einem Informationsabend deutlich, zu dem die Stadtverwaltung eingeladen hatte. Dabei diskutierten sieben Referenten in sachlicher Atmosphäre mit mehr als 100 Zuhörern aus Haberskirch, Stätzling und Wulfertshausen.

„Man spielt mit unserer Gesundheit“, waren sich Kritiker sicher: Strahlen machen krank, Handys und Sendemasten seien die Feinde der Neuzeit, denn schleichend und unsichtbar verrichteten sie ihr schädliches Werk – von Kopfschmerzen bis zu Hirntumoren.

Dass das keineswegs bewiesen ist, stellte Thomas Kurz, Physiker am bayerischen Landesamt für Umwelt, in seinem Exkurs über elektromagnetische Wellen fest. „Wenn eine Studie darauf hinweist, dass mobile Vieltelefonierer häufiger erkranken, ist es nur eine Frage der Zeit, bis eine weitere das Gegenteil behauptet“, wies er auf widersprüchliche Forschungsergebnisse hin. Das Problem: Abschließende Untersuchungen zu den Folgen langjährigen Handygebrauchs gibt es nach seinen Worten nicht. Noch sei die Gruppe intensiver Langzeitnutzer zu klein. Bekannt ist lediglich zum einen, dass elektromagnetische Strahlung Gewebe aufheizt. Zum anderen fließen im Körper ohnehin winzige elektrische Ströme. Beispielsweise leiten sie im Gehirn die Signale zwischen den Nerven weiter oder begleiten die Verdauung und den Herzschlag. Der Einfluss elektromagnetischer Strahlung auf diese Ströme ist messbar, ob er schadet, ist nach Aussage des Experten unklar. Sicher war er sich aber, dass den Friedbergern bei einem Abstand von mehreren Hundert Metern zwischen Sendemast und Wohnhäusern keinerlei Gefahr drohe. „Ihre Handys und auch schnurlose Telefone strahlen wesentlich intensiver!“ Wer sich wirklich schützen wolle, müsse mobile Telefone für den Hausgebrauch und WLAN aus der Wohnung verbannen.

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Auch ein Vertreter der Deutschen Funkturm GmbH versuchte, die Bedenken der Bürger zu zerstreuen, und kündigte an, beim Neubau der Anlage werde der jetzige GMS-Standort in Wulfertshausen abgebaut. Die Höhe des geplanten Masts von 45 Metern sei notwendig, um möglichst alle Nutzer gleich gut zu versorgen. „Viele wollen ja am liebsten im Keller noch telefonieren!“ Das Nutzungsverhalten bestimme den Ausbau von Basisstationen, sagte Telekom-Vertreter Erwin Walch. Egal, ob Sendemasten einen größeren oder kleineren Einzugsbereich versorgen – „der gesetzlich vorgeschriebene Sicherheitsabstand für den Nahbereich wird dem immer angepasst“, so Walch. Die Regulierungsbehörde schreibe jeder Sendefunkanlage einen individuellen Sicherheitsabstand vor. In die Bestimmung dieses Abstands beziehe die Behörde auch in der Umgebung bereits vorhandene Funkanlagen ein.

Trotz vieler Grafiken und Tabellen wollten manche Zuhörer nicht an das „sehr niedrige Immissionsniveau“ glauben, von dem Physiker Kurz sprach, und fühlten sich verschaukelt, wie jemand meinte. Einen handfesten Beweis für die Gefährlichkeit der Anlage gab es im Laufe der zweieinhalbstündigen Diskussion ebenfalls nicht. Bürgermeister Roland Eichmann wies darauf hin, „dass die Errichtung des Masts kein demokratisches Verfahren ist, in dem die Mehrheit der Betroffenen entscheiden kann“.

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