Newsticker

Merkel betont Notwendigkeit weiterer Corona-Beschränkungen
  1. Startseite
  2. Lokales (Friedberg)
  3. Ohne Gefahr ist das Leben zu langweilig

Interview

12.11.2018

Ohne Gefahr ist das Leben zu langweilig

Hans Kammerlander sprach in Friedberg über seine Reise zu den sieben zweithöchsten Gipfeln der Welt und signierte Bücher. Foto: Sabine Roth

Südtiroler Extrembergsteiger Hans Kammerlander zu Gast bei Sport Förg in Friedberg

Warum haben Sie die zweithöchsten Gipfel bestiegen und nicht die höchsten? Ihnen kann es ja sonst nicht steil und hoch genug sein.

Die Idee kam mir, als ich den K2, den schwierigsten aller Achttausender, bestiegen hatte. Weil mich dieser Berg der Berge so fasziniert hat, habe ich gezielt alle zweithöchsten Gipfel ausgesucht. Auch weil sie viel schwerer zu bezwingen sind als die höchsten Berge. Da ist kein Massentourismus mehr. Über 300 Menschen haben bereits die Seven Summits, also die sieben höchsten Gipfel auf allen sieben Kontinenten, bestiegen. Der US-Amerikaner Dick Bass, ein Öl-Millionär aus Oklahoma, war im April 1985 der erste Mensch, der das siebenteilige Projekt auf dem Gipfel des Everest abschloss, doch er löste damit einen Run auf die Erdteil-Spitzen aus. Sie wurden zur Katalogware und sind inzwischen alles so präparierte Berge.

Ich habe während meiner Tour schönere Berge und vielseitige Kulturen und Landschaften erlebt. Die Zweithöchsten waren ein neues und viel spannenderes Projekt für uns. Sie sind alpinistisch viel schöner zu besteigen. Und noch nie ist es einem Alpinisten gelungen, sie zu besteigen. Darin liegt eine viel größere Herausforderung - sowohl alpinistisch als auch logistisch gesehen.

Warum macht man so etwas Gefährliches?

Das ist nur gefährlich, wenn es jemand nicht kann. Ich wurde in der Berglandschaft geboren und schon immer mit den Bergen konfrontiert. Stufe für Stufe bin ich weitergegangen. Ich hatte es aber bislang jedes Mal unter Kontrolle. Ein gewisses Risiko ist zwar immer mit dabei, man kann nicht alles voraussehen. Aber das hält sich in Grenzen (lacht).

Worin lag die besondere Herausforderung?

Der K2 ist viel anspruchsvoller als der Mount Everest und ein Berg mit vielen Facetten. Meine Reise zum K2 war aufregend. Ich habe es zweimal probiert, aber das Wetter war jedes Mal zu schlecht. Es schneite 22 Tage lang. Obwohl wir nur mehr 160 Meter zum Gipfel gehabt hätten. Aber Sicherheit geht vor. Manchmal muss man halt zurück. Da wird der Berg schon mal zu einer Herausforderung und auch zu einer Gefahr. Ich wollte beim dritten Mal eigentlich mit den Skiern abfahren, aber musste es dann unterbrechen. Das war sogar mir zu gefährlich. Doch diesmal haben wir es zumindest auf den Gipfel des K2 geschafft.

Was haben Sie auf Ihrer Tour sonst noch erlebt?

Spannend war es im tropischen Urwald von Papua-Neuguinea nördlich von Australien. Da ist man mit den Waldmenschen unterwegs. Wir hatten sogar einen Übersetzer mit dabei. Man verstand sonst kein Wort. Das war eine Reise in ein ganz einsames wildes Land. Hier ist die Reise der Urwald, nicht der Berg.

Bis vor Kurzem lebten dort noch Kannibalen und Kopfjäger. Hatten Sie keine Angst?

Nein, Angst hatte ich keine. Ich brauche ein bisschen Gefahr, sonst ist mir das Leben viel zu langweilig. Am 1. Jänner schon zu wissen, wie das ganze Jahr abläuft, das ist nicht meine Welt!

Welche Berge besteigen Sie immer noch am liebsten?

In meiner Heimat in Südtirol. Da bin ich Bergführer, und die Dolomiten sind immer noch meine Lieblingsberge. Da bin ich aufgewachsen. Die Dolomiten sind kletterfreundlich, und die grünen Landschaften am Fuß der Berge - die sind einmalig auf der ganzen Welt. Beim Wandern hat man schön Zeit zum Schauen. Beim Klettern muss man viel mehr aufpassen und die sicheren Griffe suchen. Aber die Abwechslung ist das Schöne, das liebe ich. Mich faszinieren die Berge immer wieder. Und das macht mir Freude. Aber inzwischen ist es nicht mehr der Wettlauf. Heute gehe ich es viel entspannter an. Das ist letztendlich schöner geworden.

Klettern Sie heute noch viel?

Nein, ich bin jetzt 61 Jahre alt. Meine intensive Kletterzeit ist vorbei. Aber ich bringe meine Erfahrungen gerne ein. Der Berg wird nur mehr ein Teil der Expeditionen. Im Wettlauf ist dagegen nur das Ziel wichtig. Für das Drumherum bleibt wenig Platz.

Was kann jeder Einzelne von Ihnen lernen?

Ich glaube, das muss man selbst wissen. Meine Passion ist es, den Leuten eine Botschaft mitzugeben. Wenn etwas nicht gerade ausgeht, dann soll man nicht den Kopf in den Sand stecken, sondern nach vorne schauen. Es gibt Rückschläge im Leben, aber trotzdem muss man sein Ziel verfolgen und nicht aufgeben. Etwas, das nicht schön war, sollte man aufarbeiten.

Haben Sie selbst Rückschläge erlebt?

Ja, das war vor 25 Jahren am über 8000 Meter hohen Manaslu in Nepal. Dort habe ich im Schneesturm zwei meiner besten Freunde verloren. Das war hart. Aber ich bin trotzdem 2017 wieder zurückgekehrt, um diesen Berg zu bezwingen. Ein Filmteam hat mich begleitet. Es hat lange gedauert, bis ich nach vorne gegangen bin. Ich wollte vorher keine alten Wunden aufreißen. Doch ich habe es gemacht. Ich bin zurückgekehrt. Denn: Das ist das Richtige im Leben. Viele Leute resignieren zu schnell und geben auf. Für viele sind meine Botschaften auch im privaten Leben eine große Hilfe. Der Film heißt „Manaslu – Berg der Seelen“ und kommt bald in die deutschen Kinos. Die Fragen stellte Sabine Roth

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren