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Friedberg

12.09.2015

So viel steckt in einem deutschen Federmäppchen

Eine junge Syrerin übt in der Ferienschule, wie in einem deutschen Schulheft geschrieben wird.
Bild: Andreas Schmidt

Kinder von Friedberger Asylsuchenden gehen in eine Ferienschule. Es sind kleine Schritt in einen noch fremden Alltag.

Von Andreas Schmidt

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Im Friedberger Pfarrzentrum St. Jakob ist schon in dieser Woche Schule – eine sogenannte Ferienschule. Besucht wird sie von bis zu 30 Kindern von Friedberger Asylsuchenden. Zusammen mit Gemeindereferentin Elisabeth Wenderlein wollen 18 Ehrenamtliche – darunter viele Jugendliche und auch Lehrkräfte – den bevorstehenden Schulstart erleichtern.

Die 14-jährige Anja aus dem Kosovo freut sich schon auf die 8. Klasse in der Friedberger Mittelschule. Dort wird sie eine junge Syrerin wieder treffen, mit der sie zusammen mit einer Helferin gerade die Zeitformen von unregelmäßigen Verben einübt. „Du schliefst“ ist für die beiden gar nicht so einfach. In den Ferienwochen haben die beiden Jugendlichen weniger Deutsch zu hören bekommen. In der Containerunterkunft an der Herrgottsruhstraße, wo Anja wohnt, ist es ein Sprachengemisch aus Albanisch, Serbisch, Afghanisch und Deutsch. „Da ist es gut zu üben“, sagt die 14-Jährige.

So viel steckt in einem deutschen Federmäppchen

Um grundlegendere Dinge des Schulalltags geht es in einem Gruppenraum im Keller. Dort sitzen sieben künftige Erstklässler an einem Tisch. Ob die Kinder aus Afghanistan, Syrien und Tansania schon einmal so ein Klassenzimmer gesehen haben, wie es ihnen die elfjährige Clara von Linden auf einem Foto zeigt? Am kommenden Dienstag werden die Schulanfänger diese für sie noch fremde Welt kennenlernen. „Psst, Psst. In der Schule müsst Ihr leise sein, wenn der Unterricht beginnt“, rät die 18-jährige Yulia Kim den Kleinen. Die angehenden Erstklässler probieren gleich noch einmal aus, wie sich melden sollen, bevor sie aufgerufen werden. Gleichzeitig eine Gelegenheit, Worte einzuüben. Gefragt ist die jeweilige Farbe der Buntstifte. Und was nicht alles in so einem deutschen Federmäppchen drinsteckt. Begriffe wie Lineal oder Radiergummi müssen die Neulinge erst einmal lernen.

In einem weiteren Raum sitzt Lehrerin Astrid Richter mit zwei jungen Frauen zusammen. Welche Buchstaben sie aufschreiben soll, versteht die Syrerin nur schwer. Eine Bosnierin versucht zu helfen. Astrid Richter verdeutlicht ihren Schülerinnen auf Zeit, dass sie auf die Linien schreiben und die Ränder frei bleiben sollen. Es sind kleine Schritte hin zu einem noch fremden Schulalltag. Gemeindereferentin Wenderlein hofft, dass die in der Ferienschule geknüpften neuen Kontakte nicht gleich wieder abreißen: „Es könnten sich beispielsweise Lesepatenschaften daraus entwickeln.

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