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Vortrag

07.04.2017

Wie Angehörige Hilfe bekommen

Eva Straub

Die Mutter eines psychisch Kranken erklärt, mit welchen Problemen Verwandte zu kämpfen haben

Mit eindrücklichen Worten beschrieb Eva Straub, wie es ist, über lange Zeit mit einem psychisch Kranken zu leben: „Man kann es nicht sehen und trotzdem ist es immer da.“ Sie ist stellvertretende Vorsitzende des Landesverbands Bayern der Angehörigen psychisch Kranker und Mutter eines vor 30 Jahren an Schizophrenie erkrankten Sohnes. Im Rahmen der Psychiatrietage im Landkreis Aichach-Friedberg referierte sie in der Meringer Tagesstätte für psychische Gesundheit über das Thema „Kraft einteilen – Hoffnung bewahren“.

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„Wenn jemand psychisch erkrankt, sind die Verwandten immer mitbetroffen und fühlen sich immer überfordert“, fasste Straub die Ausgangssituation zusammen. Dieses Ereignis habe weitreichende Folgen, die gesellschaftlicher, sozialer und auch finanzieller Natur seien.

Das dominierende Gefühl bei einer akuten Erkrankung oder einer Krise sei es, allein gelassen zu werden. „Durchhaltevermögen und Verzicht über eine lange Zeit sind hier gefragt“, sagte Straub.

Wie Angehörige Hilfe bekommen

Jeder Angehörige habe Angst, über das Thema „Psychische Erkrankung“ zu sprechen. Als sie selbst einem Nachbarn erzählte, dass ihr Sohn erkrankt sei, erhielt sie zur Antwort: „Dann muss er in eine Anstalt.“ Das führe selbstverständlich nicht dazu, sich weiterhin zu öffnen. Oftmals fühlten sich Angehörige schuldig am Schicksal eines ihrer Lieben. Doch diese Krankheit sei weder ansteckend, noch seien diese Menschen faul, unberechenbar oder gar gefährlich.

Man müsse den Blick für kleine Fortschritte bewahren und Betroffene unterstützen, trotz aller Probleme so selbstständig und eigenverantwortlich wie möglich zu leben. Dazu gehöre auch loszulassen, selbst wenn das Risiken habe. Sei es, dass der Erkrankte wieder in ein Loch falle oder auch Vorwürfe mache, allein gelassen zu werden. Die Referentin richtete an alle betroffenen Angehörigen, von denen viele nach Mering gekommen waren, den Appell, auch an sich selbst zu denken und seine Kräfte einzuteilen. Angehörigengruppen seien dazu da, sich offen mit „Leidensgenossen“ auszutauschen und neue Kraft zu tanken. In den letzten Jahren und Jahrzehnten hätte sich zwar bezüglich der Bereitstellung von Informationen und Unterstützung von Angehörigen vieles verbessert, es seien aber weiterhin große Anstrengungen nötig, die Bevölkerung nachhaltig für das Thema zu sensibilisieren. „Angehörige sollten gepflegt werden und gut informiert sein und nicht Hilfe erbetteln müssen“, sagte Straub. (tine)

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