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14.03.2019

Für ihn ist Taekwondo mehr als Kampfsport

Markus Klingl vom TV Prittriching ist einer der erfolgreichsten Athleten des traditionellen Taekwondos in Deutschland. Für den 31-Jährigen stehen allerdings nicht die Titel im Vordergrund.
Bild: Moritz Weiberg

Markus Klingl ist einer der erfolgreichsten Athleten seiner Disziplin in Deutschland. Beim TV Prittriching gibt er sein Wissen als Trainer weiter. Warum das für ihn eine höhere Bedeutung hat als die Turniere

Markus Klingl schließt die Augen. Langsam zieht er seinen rechten Arm hinter den Körper. Kurz hält er diese Position, urplötzlich schnellt sein Arm nach vorne, er ballt eine Faust und stößt einen ohrenbetäubenden Schrei aus.

Der Ausdruck auf seinem Gesicht wechselt von Anstrengung zu einem Lächeln. „So, jetzt die nächste Übung“, sagt er und dreht sich um, blickt in die Augen der 15 Taekwondo-Schüler, die an diesem Freitagabend in die Prittrichinger Turnhalle gekommen sind und ihm die Übung nachgemacht haben. Der Mann, der vor ihnen steht, ist mehrfacher Taekwondo-Weltmeister.

Zwei Stunden zuvor sitzt Klingl, 31, im Vereinsheim des TV Prittriching. An der Wand stehen unzählige Pokale, er trägt eine schwarz-rot-goldene Trainingsjacke. 2002 fing Klingl mit Taekwondo an, damals war er 15 Jahre alt. Eigentlich wollte er Fußball spielen, das ging aber wegen seiner Brille nicht: „Meine Eltern wollten nicht jede Woche zum Optiker fahren“, sagt er und lacht. Dann ging er zum Taekwondo und war von der ersten Stunde an begeistert. „Man kann sich körperlich austoben, und es ist vom Kopf her anstrengend“, schwärmt er. „Sobald ich meinen Anzug anhabe, ist alles andere weg.“ Den Alltag könne er beim Taekwondo komplett ausblenden.

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Klingl war erst mit 21 Jahren bei einer deutschen Meisterschaft

Klingl ist einer der erfolgreichsten Athleten des traditionellen Taekwondos in Deutschland. Erst mit 21 Jahren nahm er an einer deutschen Meisterschaft teil und holte prompt Gold und Bronze. Das motivierte ihn, weiter an sich zu arbeiten. 2015 folgte das Größte, woran ein Athlet in seiner Sportart teilnehmen kann – die Weltmeisterschaft. Jedes Jahr findet eine WM statt, seine erste bestritt Klingl in England. Und sie war gleich von Erfolg gekrönt, er gewann in seiner Lieblingsdisziplin „Formen“ die Goldmedaille.

In den drei vergangenen Jahren häufte er Erfolge an, von denen die allermeisten Sportler nur träumen können: Er ist mehrfacher Weltmeister und deutscher Meister. „Das ist natürlich ein cooles Gefühl“, sagt er ganz bescheiden. „Das sind Erlebnisse, die man nicht so schnell vergisst.“ So genau kann er nicht erklären, warum er Weltmeister geworden ist. „Einiges hängt sicher von der Tagesform ab“, sagt er. Man dürfe den Wettkampf nicht zu ernst nehmen, nicht verbissen sein. Eine gewisse Lockerheit hilft also. „Klar möchte man was mitnehmen, aber wichtig ist die Gelassenheit zu sagen: Es ist nicht das Wichtigste.“ Ein bemerkenswerter Satz, denn für Klingl hat das Trainieren eine höhere Bedeutung als die Turniere. Beim TV Prittriching leitet er seit zwei Jahren die Taekwondo-Abteilung. Momentan trainieren 20 Erwachsene und 15 Kinder bei ihm. „Es macht mir viel Spaß, das weiterzugeben, was ich selber gekriegt habe“, sagt er. Es gefalle ihm zu sehen, wie seine Schüler immer besser werden. Klingl fühlt sich sehr wohl in Prittriching: „Das Schöne ist, dass hier alle Sportarten etwas zählen, alles ist gleichwertig.“

Mit 20 Jahren bekam Klingl den schwarzen Gürtel

Klingl arbeitet als Steuerberater, er leitet seine eigene Kanzlei in München. Der 31-Jährige lebt in Walleshausen, einem Ortsteil von Geltendorf im Landkreis Landsberg am Lech. Zwei- bis dreimal in der Woche steht er in der Halle und gibt Training oder trainiert selber, ansonsten hält er sich durch regelmäßiges Joggen und Krafttraining fit. „Das ist vor allem für die Power der Schläge wichtig“, erklärt er.

Seine Laufbahn hatte er in St. Ottilien begonnen, dort trainierte er, bis er den gelben Gürtel erlangte, danach wechselte er nach Pullach. Mit 20 Jahren bekam er dort den schwarzen Gürtel und den ersten Dan. Inzwischen ist er beim dritten Dan angekommen, er ist damit im Rang eines „Meisterschülers“.

Die Titel und Ränge sind für Klingl aber nicht das Wichtigste am Taekwondo, sondern die Werte, die durch den Sport vermittelt werden. „Wir haben fünf Prinzipien“, erklärt er: Höflichkeit, Selbstdisziplin, Durchhaltevermögen, Unbezwingbarkeit und Integrität. Diese Grundsätze sind die Essenz des Sports. Taekwondo ist die traditionelle koreanische Kunst der waffenlosen Selbstverteidigung. Es wird unterschieden zwischen traditionellem Taekwondo – darin ist Klingl aktiv – und dem modernen Taekwondo, das olympisch ist. Dort wird mit Kontakt gekämpft, beim klassischen kämpfen die Sportler nicht direkt gegeneinander, vielmehr präsentieren sie verschiedene Techniken – eine Jury bewertet die Ausführung.

Klingls Lieblingsdisziplin des traditionellen Taekwondos sind die sogenannten Hyongs, die Formenläufe. „Mir gefällt die Präzision und Genauigkeit“, erklärt er. Der ganze Körper wird gebraucht, „vom kleinen Zeh bis zu den Ohrläppchen“, beschreibt Klingl. Es bedarf einer enormen Körperkontrolle und Selbstdisziplin. Hier zeigt sich eine Charakterstärke Klingls, die zu seinem Erfolg beiträgt: Er will jedes noch so kleine Detail verbessern. Seine Mitstreiter würden bestimmt sagen, er sei ein Perfektionist, erzählt er. Er selber beschreibt sich lieber als „sehr lernbegeistert“.

Klingls nächstes Ziel ist die Qualifikation für die kommende Weltmeisterschaft im September in Kroatien. Die Krönung soll im Dezember folgen, dann will er den vierten Dan machen, er würde ihn in den Rang des Meisters erheben. Es wäre ein weiterer von bisher so vielen Erfolgen.

Drei Fragen an Markus Klingl

Wen würden Sie gerne einmal kennenlernen?

Ich würde gerne den Schauspieler Jackie Chan treffen. Er ist auf eine witzige Art positiv verrückt.

Mit welcher Sportart können Sie gar nichts anfangen?

Jede Sportart hat ihren Reiz. Ich bin sehr offen, etwas Neues auszuprobieren, für mich gibt es keine „sinnlose“ Sportart.

Womit kann man Sie so richtig auf die Palme bringen?

Durch das Taekwondo bin ich recht ausgeglichen, es dauert lange, bis mich etwas nervt.

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