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Genuss
23.12.2019

Vanille ist die Königin der Gewürze

So sieht Vanille aus, bevor sie gepflückt und veredelt wurde.
Foto: Emmanuel Virin, dpa

Das Gewürz ist das zweitteuerste der Welt. Kein Wunder, wird es doch aus einer Orchidee geboren, aufwendig verarbeitet und zum Veredeln viele Speisen verwendet.

Der Duft von Vanille, wohlgemerkt echte (und nicht die aus dem Zuckertütchen mit schwarzen Stippchen) ruft Kindheitserinnerungen in uns wach, an feine Kuchen, Weihnachtsplätzchen und andere Gaumenfreuden. Für Ludivine Terno heißt Vanille dagegen so viel wie Sommerferien: „Im August ist in der Provinz Sava Erntezeit. Dann liegt überall Vanilleduft in der Luft“, schwärmt sie, nimmt ein dickes Bündel schwarzer Schoten zur Nase und schnüffelt daran.

Ludivine stammt aus Madagaskar, einer Insel vor der Südostküste Afrikas. Vanille hat in ihrer Familie eine drei Generationen lange Tradition. Auf den Plantagen des Vaters aufgewachsen ist die Biologin darin geschult, am Duft einer Schote ihre Qualität zu erkennen. Mit ihrem Mann Christian, einem gelernten Bankkaufmann und Betriebswirt hat sich die Biologin auf den Direkt-Import spezialisiert. In Peutenhausen (Landkreis Schrobenhausen) betreiben sie mit Madavanilla einen kleinen Laden und einen Onlinehandel für feine Gewürze, Tees, Kakao, Öle und hochwertige Schokolade. Bevorzugt in Bio-Qualität und zu fairen Preisen, auch für die Bauern im Herkunftsland. Drei ihrer saftigen, lederartigen tiefschwarzen Vanilleschoten kosten etwa zehn Euro, je nach Größe und Sorte Bourbon, Pompona oder Tahiti.

Ludivine und Christian Ternos verkaufen Vanille an Gourmets.
Foto: Andrea Schmidt-Forth

Der Preis für Vanille ist in den vergangenen Jahren sprunghaft gestiegen. Vor 15 Jahren kostete ein Kilo echte Vanille nur 40 Dollar, in diesem Sommer waren es 500 bis 600 Dollar. Damit ist sie teurer als die gleiche Menge Silber und gilt sie als zweitteuerstes Gewürz nach Safran. Die Verteuerung hat viele Ursachen: Während die Nachfrage nach echter Vanille durch Kochshows und wachsendes Qualitätsbewusstsein der Verbraucher gestiegen ist, bleibt die Erntemenge begrenzt. Die Frucht einer Orchidee gedeiht nur in bestimmten Regionen der Welt und auch heute noch meist auf kleinen Plantagen im Urwald. Sie lässt sich nicht in großem Maßstab anbauen, sondern nur mit viel Handarbeit. Die Pflanzen werden mit Hilfe von Bambusstäbchen bestäubt. 1000 bis 1500 Blüten schafft eine geschickte Arbeiterin am Tag.

Vanille-Schoten trocknen mindestens sechs Monate

Als Franzosen das Gewürz der Azteken auf ihren Reisen in Mexiko entdeckten, besorgten das noch Bienen. Der Versuch, Vanille in mitteleuropäischem Klima nachzuzüchten, klappte nicht. Nur in den französischen Kolonien vor Afrika gingen die gelben Blüten auf und brachten Schoten hervor. Auch heute noch ist Madagaskar der weltweit wichtigste Lieferant, gefolgt von Réunion, Mauritius und den Komoren. Weil die Kolonien zum Reich der Bourbonen, der französischen Königsfamilie gehörten, wird die Vanille von dort Bourbon-Vanille genannt.

Auch der Klimawandel macht sich bemerkbar. Suchten früher etwa alle 15 Jahre Zyklone die Insel heim, schlagen die gefürchteten Stürme heute etwa alle drei Jahre alles klein. Drei Jahre aber braucht eine neue Pflanze bis zum ersten Ertrag. Die größte Veränderung allerdings, sagen Kritiker, hat der direkte Einstieg von industriellen Großkonzernen mit sich gebracht. Sie beliefern die Lebensmittelindustrie vor allem mit flüssigem Vanilleextrakt, statt mit traditionell fermentierten und behutsam über mindestens sechs Monate lang getrockneten Schoten. Das wirkt sich nicht unbedingt positiv auf gewachsene Strukturen aus, die jahrzehntelang für das Auskommen einer gesamten Region sorgten.

Die gestiegenen Preise sorgen für Neid, es kommt zu Diebstählen und Streitereien, sogar mit Todesfolge. „In den Wochen vor der Ernte schlafen manche Bauern mit Waffen auf ihren Plantagen“, wissen die Ternos. Selbst sind sie jedes Mal froh, wenn ihre Ware ohne Schwund in Peutenhausen angeliefert wird. Zu Spitzenzeiten verkaufte das Paar bis zu anderthalb Tonnen Vanilleschoten, heute ist es noch ein Viertel davon. Ein großer Augsburger Bäcker zählt ebenso zu ihren Kunden wie einige bekannte Spitzenköche.

Die Schale der Vanille kann man mehrmals wiederverwenden

Der Sternekoch und „Patissier des Jahres“, Peter Offenhäuser, betreibt in München eine Kochschule. „Allein zum Backen ist Vanille doch viel zu schade. Vanille ist ein Gewürz, das vielen Gerichten eine eigene, besondere Note verleiht“, sagt er. Dabei kommt es auf die richtige Dosierung an. Vanille soll andere Aromen nicht übertönen, sondern unterstützen. Peter Offenhäuser setzt sie gerne bei Geflügel, Wild, Fisch und Schalen- oder Krustentieren ein oder gibt sie mit in sein mediterranes Aroma-Gewürzsalz aus Salz, Pfeffer, Zitronenabrieb, Knoblauch und Lorbeerblatt.

Michael Reich, Hobbykoch aus Hörmannsberg und unter anderem „The Taste“-Finalist, sagt: „Die Königin der Gewürze sollte auch königlich behandelt werden.“ Richtig aufbewahrt, im Schraubglas oder luftdicht eingeschweißt und tiefgefroren, behalten Schoten ihr Aroma bis zu zehn Jahre lang. Nur das Mark der Vanille auskratzen und die Schale wegwerfen, ist pure Verschwendung. Steckt doch das meiste Aroma (das natürliche Vanillin) darin. Michael Reich sagt, „die Schale können sie mehrfach in einer Soße oder Gewürzbutter mitziehen lassen. Anschließend abspülen, trocknen und mit Zucker oder Salz in einem Mixer fein mahlen und damit Vanillezucker oder -Salz herstellen – perfekt!“

Rezept: Gewürz-Garnelen mit Papaya-Mango-Salat

Eine ebenso einfache wie exotisch-effektvolle Vorspeise mit Süße, Säure, Schärfe und Biss ist dieser leckere Garnelen-Salat nach einem Rezept von Michael Reich. Das Rezept ist für vier Personen gerechnet. Dazu serviert man am besten Baguette.

Für den Salat ½ Papaya, 1 Mango, 1 Avocado jeweils in feine Stifte schneiden.

½ Bund Radieschen in Scheiben schneiden.

2 Handvoll Cashewkerne in einer Pfanne leicht anrösten und anschließend grob hacken.

Von 1 Bund Koriandergrün die Blätter abzupfen und mit den restlichen Zutaten in eine Schüssel geben. Mit dem Saft von 2 Limetten, 1 Prise Zucker, 1 Messerspitze Chilipulver, 5 EL Olivenöl, Salz und Pfeffer abschmecken. Den Salat gut durchmengen.

Die Garnelen (ohne Schale) putzen und den Darm entfernen.

In einer Pfanne mit etwas neutralem Öl von einer Seite scharf anbraten. Nach dem Wenden der Garnelen die Hitze wegnehmen, 2 EL Butter sowie 1 Vanilleschote, 1 Knoblauchzehe in Scheiben, Zeste einer halben Zitrone, einige Scheiben frischen Ingwer hinzugeben.

Die aufschäumende Butter mehrmals mit einem Löffel über die Garnelen gießen und die Garnelen gar ziehen lassen.

Zum Anrichten den Salat auf einen Teller geben und die Garnelen darauf anrichten. Die Gewürzbutter über die Garnelen auf den Teller geben.

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