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Lebensmittel

02.08.2018

Hitzewelle in Deutschland: Welches Gemüse jetzt teurer wird

Eine vertrocknete Zuckerrübe liegt auf einem Feld in Duisburg. Die wochenlange Dürre führt in vielen Regionen Deutschlands zu deutlichen Ernteeinbußen.
Bild: Martin Gerten, dpa (Symbolbild)

Wie wirkt sich die aktuelle Hitze auf das Gemüse aus? Welche Gemüseorten werden durch die Dürre eventuell teurer? Die Einschätzungen für Deutschland und Bayern.

In Deutschland ist es derzeit nicht nur heiß, sondern auch trocken. Die tatsächlichen Erntemengen fallen dadurch deutlich niedriger aus als es die ursprünglichen Erwartungen des Deutschen Bauernverbands (DBV) vorsahen.

Nach der anhaltenden Dürre könnten wegen der schlechten Kartoffelernte beispielsweise Pommes Frites teurer werden. Doch auch bei anderen Gemüsesorten drohen Ernteausfälle. Weniger Gemüse bedeutet folglich teureres Gemüse. Einen leichten Preisanstieg gibt es wegen der Hitze besonders bei Salaten und Kohlgemüse, auch Zwiebeln, Karotten, Bohnen und Erbsen werden wohl teurer.

Das Ausmaß hält sich jedoch in Grenzen. "Das ist keine Schreckensnachricht", beschwichtigt Hans-Christoph Behr vom Agrarmarkt-Informationsdienst (AMI), denn der Verbraucher werde den leichten Anstieg der Kilopreise kaum bemerken.

Bei Bohnen und Erbsen ist eine Missernte sehr wahrscheinlich

Kartoffeln beispielsweise stellen bei hohen Temperaturen das Wachstum ein, doch längst nicht alle Gemüsesorten leiden unter der Hitze: Gurken wachsen bei Wärme sogar besser. Die Gurkenernte ist somit dieses Jahr sehr gut gelaufen, wie Christoph Freitag, Vertreter der Fachgruppen Gemüse/Feinsaures Gemüse beim Bundesverband der obst-, gemüse- und kartoffelverarbeitenden Industrie (BOGK) bestätigt.

Das Problem sei hier eher, dass die Gurken schnell zu groß für bestimmte Gewürzgurken wie Cornichons werden. Für die gewünschte Größe müssten Bauern diesen Sommer theoretisch zweimal täglich ernten, was nicht zuletzt wegen der Arbeitsschutzgesetze unmöglich ist.

Anders sieht es wiederum bei Herbstgemüsesorten wie Bohnen und Erbsen aus. Hier ist Christoph Freitag zufolge ein Ernterückgang sicher: "Hält die Hitze an, fällt im schlimmsten Fall die Hälfte der Ernte aus." Doch macht sich das auch beim Preis bemerkbar? Dem BOGK-Geschäftsführer zufolge ist ein Preisanstieg zu befürchten. Am Ende entscheide das jedoch der Handel.

Die BOGK-Mitgliederbefragung zur Mitte der Ernte hätte ergeben, dass auch bei Wintergemüse wie Rot- und Weißkohl die Lage kritisch wird, sollte es nicht bald regnen. Auch wenn es für eine genaue Prognose zu früh ist, rechnet der Verband außerdem mit einem Ernterückgang bei Grünkohl. Ob die Preise steigen, hängt nicht zuletzt davon ab, ob Deutschland aus den Nachbarländern Ware zukaufen kann. In Belgien und Holland sei die Situation allerdings ähnlich, so Freitag.

Salat und Kohlgemüse sind dieses Jahr im Schnitt etwas teurer

Bundesweit gesehen ist das Gemüse etwas teurer geworden, wenn man sich die durchschnittlichen Verbraucherpreise von Wochenmärkten, Supermärkten und Discountern in Deutschland ansieht, die der Agrarmarkt-Informationsdienst auswertet. Der AMI-Verbraucherpreisspiegel für die Kalenderwoche 30, also die vergangene Woche, zeigt, dass die Kilopreise bei Gemüsearten wie Salat anziehen, allerdings nicht dramatisch. Eissalat kostet beispielsweise im Schnitt 1,04 Euro - im Vorjahr waren es 73 Cent. "Das hängt damit zusammen, dass man deutlich mehr beregnen muss und natürlich damit, dass bei diesen Tempereaturen die Nachfrage steigt", erklärt AMI-Prokurist Hans-Christoph Behr.

Hauptsächlich sind von der Hitze Salate und feine Kohlgemüsearten, wie Kohlrabi, Brokkoli und Blumenkohl, betroffen. "Für Kohlgemüse ist die Hitze Gift", so Behr. Die wärmeliebende Zucchini sei dagegen sogar etwas billiger als im Vorjahr. Kürbisgewächse freuen sich Behr zufolge über die Hitze, nur 39 Grad müssten es vielleicht nicht sein.

Verlässliche Zahlen zur Ernte 2018 bringt der Erntebericht Ende August

Feldgemüsekulturen wie Zwiebeln und Karotten kann man nicht bewässern, weshalb auch hier die Ernte geringer ausfallen wird. Die Zwiebelknollen werden außerdem ähnlich wie die Kartoffeln kleiner sein. "Bis Sie hier als Verbraucher den Preisanstieg merken, müssen Sie aber erstmal kiloweise Zwiebeln essen", sagt Behr vom AMI augenzwinkernd.

Doch tatsächlich ist nicht überall eine Missernte zu erwarten: "Dieses Jahr wird es voraussichtlich sogar mehr Äpfel geben. Wenn dann werden Äpfel also eher günstiger", erklärt der AMI-Prokurist. Bei Obst ist die Lage wegen der Hitze allgemein weniger kritisch, da beispielsweise die Beerenfrüchte bereits abgeerntet sind.

Das Statistische Bundesamt wird in den kommenden Tagen die gesammelten Ländermeldungen zu den Prognosen der Ernteberichterstatter und die daraus resultierende Zusammenfassung für ganz Deutschland veröffentlichen. Damit werden laut Bundesagrarministerium jedoch nur Schätzzahlen vorliegen. Verlässliche bundesweite Zahlen zur Ernte 2018 gibt es erst mit dem Erntebericht Ende August.

Das Landwirtschaftsministerium gibt für Bayern Entwarnung

"Dass die Trockenheit Schäden bei Mais, Kartoffeln und Zuckerrüben verursacht, ist zweifellos absehbar", heißt es seitens des Bundeslandwirtschaftsministeriums. Allerdings gebe es hier auch große regionale Unterschiede. Dort, wo die Bestände noch nicht völlig verdorrt sind, könnten bald einsetzende Regenfälle noch einen Massezuwachs bringen, so eine Sprecherin des Bundesagrarministeriums. Die Maisernte – wie schon die Getreide- und Rapsernte – werde zudem bedeutend früher als üblich anlaufen und abgeschlossen sein.

Entwarnung gibt es in Bayern: Hier wird voraussichtlich nur die Kartoffel teurer werden. Im Bayerischen Landwirtschaftsministerium geht man davon aus, dass die Ernte für Salate, Gurken, Zwiebeln und andere Gemüsesorten durchschnittlich ausfällt und somit keine Auswirkungen auf den Preis hat. Das liege daran, dass diese im Gegensatz zu Kartoffeln ausreichend bewässert werden. Was die Herbstfrüchte betrifft, müsse man das Wetter der nächsten Wochen abwarten, so ein Sprecher des Agrarministeriums.

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