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  3. Zucker-Alternative: Was taugen Stevia, Agavendicksaft, Xylit?

Ernährungskolumne
11.05.2021

Stevia und Co: Was natürliche Zucker-Alternativen taugen

Aus einem Extrakt der Stevia-Pflanze entstehen Steviolglycoside, die ungefähr 400 Mal so süß sind wie Zucker.
Foto: Marion Nickig, dpa (Symbolbild)

Viele Menschen, die weniger Zucker essen wollen, greifen auf Fructose, Agavendicksaft oder Stevia zurück. Doch das ist nicht immer die bessere Wahl.

Zu viel Zucker in der Ernährung begünstigt Übergewicht, Karies, Diabetes und andere Zivilisationserkrankungen. Jeder weiß es, doch die Vorliebe für Süßes kann sehr hartnäckig sein. Sie ist teils angeboren, teils durch die Gewohnheit geprägt. Der Handel bietet daher mehr und mehr süße Alternativen an, die sich als gesünder, natürlicher oder leichter präsentieren als herkömmlicher Haushaltszucker. Und für die man zum Teil tief in die Tasche greifen muss, wie beispielsweise beim Kokosblütenzucker, der zu Kilopreisen von etwa 8 bis 20 Euro zu haben ist.

Er wird mit viel Handarbeit aus dem eingedickten Blütennektar von Kokospalmen gewonnen. Vier Liter ergeben etwa ein Kilogramm des hellbraunen, karamellartig schmeckenden Blütenzuckers. Die Behauptung, er ließe den Blutzuckerspiegel weniger schnell ansteigen als Rübenzucker, lässt sich nicht wissenschaftlich untermauern. Wenig verwunderlich, denn seine chemische Zusammensetzung ähnelt stark dem herkömmlichen Zucker und besteht vor allem aus Saccharose und ihren Bausteinen Glucose und Fructose.

Der Vorteil von Zuckeralternativen wie Xylit ist, dass sie in der Küche ähnlich verarbeitet werden können.
Foto: Florian Schuh, dpa (Symbolbild)

Agavendicksaft hat ähnlich viele Kalorien wie Zucker

Dies gilt auch für andere Zuckeralternativen wie Agavendicksaft, Dattel- und Ahornsirup. Sie alle bringen ihre eigenen Geschmacksnoten mit, allerdings auch ähnlich viele Kalorien wie Zucker. Bei Sirup mit einem hohen Fructoseanteil, etwa aus der Agave, lässt sich etwas einsparen, weil Fruchtzucker stärker süßt und somit weniger Sirup ausreicht. Auf fructosereiche Süßungsmittel umzusteigen, ist jedoch nicht zu empfehlen, da eine erhöhte Zufuhr negative Folgen haben kann.

Aus der Nahrung aufgenommene Fructose wird in der Leber zu Fettbausteinen verarbeitet. Diese gelangen zurück in den Blutkreislauf und verschlechtern die Blutfettwerte. Ein Teil der Fructose wird in Form von Fett in der Leber gespeichert. Bei übermäßigem Fruchtzuckerkonsum kann ähnlich wie bei Alkoholkranken eine Fettleber entstehen. Fructose mindert das Sättigungsgefühl und erhöht das Risiko für Übergewicht und Gicht, da der Abbau den Harnsäurespiegel steigen lässt.

Auch wer nur gelegentlich mit Fructose gesüßte Speisen und Getränke verzehrt, sollte wissen, dass der menschliche Darm nicht für die Verarbeitung größerer Mengen ausgelegt ist. Bei Überlastung kommt es zu Verdauungsbeschwerden. Die verträgliche Menge an Fruchtzucker ist dabei individuell unterschiedlich. Ähnliches gilt für Xylit und Erythrit. Kalorienreduzierte Lebensmittel, die diese Zuckeraustauschstoffe enthalten, müssen deshalb den Warnhinweis „kann bei übermäßigem Verzehr abführend wirken“ tragen.

Xylit wird etwa aus Maisstroh gewonnen

Erythrit oder E 968 wird aus Stärke gewonnen, ist nahezu kalorienfrei und hat eine Süßkraft von etwa 60 Prozent verglichen mit Haushaltszucker. Auf der Zunge hat der Stoff einen kühlenden Effekt, weshalb er häufig für Kaugummi und Bonbons verwendet wird. Xylit, das als Zusatzstoff mit der E-Nummer 967 zugelassen ist, wird oft unter dem natürlich wirkendenden Namen Birkenzucker vermarktet.

Xylit wird aus Holz, aber auch aus Pflanzenresten wie Maisstroh oder Getreidekleie gewonnen. Das weiße, kristalline Pulver enthält rund 40 Prozent weniger Kalorien als Haushaltszucker und lässt sich ähnlich verarbeiten. Häufig findet man Xylit auch in Zahnpflegekaugummis, denn der Stoff kann nachweislich die Bildung von Zahnbelag hemmen und zur Kariesprophylaxe beitragen.

2011 wurden Stevioglycoside (E 960) als Süßstoff zugelassen. Sie sind kalorienfrei, schmecken lakritzartig und süßen gut 200 Mal stärker als Zucker. Beworben werden sie als natürliche Alternative zu künstlichen Süßstoffen, da sie aus der Steviapflanze stammen. Zur Gewinnung sind allerdings aufwendige chemische Prozesse nötig, sodass von Natürlichkeit kaum die Rede sein kann.

Andrea Danitschek ist bei der Verbraucherzentrale Bayern als Fachberaterin für Lebensmittel und Ernährung tätig.

Mehr hilfreiche Informationen finden Sie hier in unserem Ernährung-Ratgeber.

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