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Ratgeber

22.02.2021

Autokauf vor dem Modellwechsel: Lohnt sich das?

Fließende Übergänge: Nicht immer unterscheiden sich die neuen Generationen revolutionär von ihren Vorgängern, dennoch verändert sich eine Baureihe wie etwa der VW Golf insgesamt merklich mit der Zeit.
Bild: Volkswagen

Was im Bekleidungsgeschäft der Schlussverkauf, ist im Autohaus der Modellwechsel. Wann das ein gutes Geschäft sein kann – und wann nicht.

So wie Skipullis und Winterjacken Platz machen müssen für T-Shirts und Bademode, müssen auch die letzten Exemplare eines aktuellen Autos vom Hof, bevor eine neue Fahrzeuggeneration in den Showroom rollt.

Für sparsame Autokäufer können das goldene Zeiten sein. Denn nicht nur, dass Autos Generation für Generation in der Regel teurer werden, weil sie im Format wachsen, oft mehr Leistung haben und besser ausgestattet sind. Sondern um den Abverkauf zu fördern, gibt es die letzten Exemplare einer Baureihe oft als Sondermodelle mit besonders üppiger Ausstattung und extra niedrigem Preis, sagt Automobilwirtschaftler Ferdinand Dudenhöffer vom Center Automotive Research. Und größere Rabatte räumen die Händler dafür in der Regel auch noch ein. „Bis zu 30 Prozent sind da leicht zu holen“, sagt Dudenhöffer.

Golf VII oder Golf VIII: ein Vergleich 

Erleichtert wird die Entscheidung durch die Tatsache, dass technischen Sprünge in einigen, für den Kunden wichtigen Bereichen, oft sehr klein ausfallen, sagt Jan Burgard vom Strategieberater Berylls. Er zieht als Beispiel den VW Golf heran. Der Normverbrauch des Golf VII 1.0 TSI (63 kW/85 PS) lag bei 4,8 Liter, bei einem Basispreis von 19520 Euro. Der Generationenwechsel hat dem vergleichbar motorisierten Golf VIII 1.0 TSI einen Normverbrauch von 4,5 Liter beschert. Der Kunde spart mit dem neuen Modell für mindestens 19 881 Euro also etwa 40 Cent auf 100 Kilometer, rechnet er vor. „Preislich scheinen die Generationen also nah beieinander zu liegen. Allerdings waren kurz vor dem Wechsel zur achten Golfgeneration auf das Auslaufmodell Rabatte bis 7700 Euro zu erzielen, aus wirtschaftlicher Sicht war der Kauf der älteren Generation damit offensichtlich die richtige Entscheidung.“

Bei der Frage nach Auslaufmodell oder neuer Generation geht es aber nicht nur ums Geld, sondern auch um die Güte. Oftmals wird die Qualität eines Autos über die Jahre besser, sagt KÜS-Sprecher Hans-Georg Marmit: „Die Produktion hat sich eingespielt und Kinderkrankheiten haben sich ausgewachsen“. Gerade bei großen technischen Umstellungen kommt es nämlich immer wieder zu Problemen, die Käufern von ganz neuen Modellen den Spaß an ihrer Errungenschaft verderben. Vor Rückrufen sind selbst Bestseller wie der VW Golf nicht gefeit.

Bei Elektroautos ist die Sache relativ klar

Und es muss gar nicht zum Defekt kommen. Für viele Interessenten seien derart radikale Umstellungen wie beim digitalisierten Bediensystem des VW Golf, das Aus der Saugmotoren in der letzten Generation des Porsche 911 oder der Verzicht zum Beispiel auf Schaltgetriebe oder Sechszylinder Grund genug, noch einmal zum alten Auto zu greifen, sagt Burgard. Allerdings machen die Experten unisono eine Ausnahme: Elektroautos. „Technologisch noch lange nicht so ausgereizt wie die Verbrenner, bieten sie beim Modellwechsel meist deutliche Fortschritte bei Batteriekapazität, Reichweite, Energieverbrauch oder Schnellladefähigkeit“, sagt Dudenhöffer. „Da ist man mit einem Auslaufmodell deshalb eher schlecht beraten und es ist sinnvoll, sich auf den Nachfolger zu konzentrieren.“

Neben dem Preis und der Technik gibt es einen weiteren Faktor, der in die Kaufentscheidung hineinspielt: Die Lieferzeit. „Wer partout die neuartigen Leuchten, den moderneren Motor, den Allradantrieb oder die größere Reichweite will, der wird beim neuen Modell landen und eventuell lange auf die Lieferung warten müssen“, sagt Marmit. „Wer dagegen dringend ein neues Auto braucht und keine so hohen Ansprüche an sein Fahrzeug, entscheidet sich für das Auslaufmodell, spart ein paar Tausender und fährt sofort vom Hof.“

Auch der Restwert zählt

Außerdem muss man auch den Restwert beim Wiederverkauf bedenken, der bei Auslaufmodellen natürlich schneller fällt als bei einem ganz neuen Modell, mahnt Dudenhöffer: „Wer seinen Wagen alle zwei oder drei Jahre wechselt, sollte eher auf das Nachfolgemodell gehen, da sonst später größere Einbußen drohen. Wer allerdings mit sechs Jahren oder mehr plant, kann auch diesen Faktor vernachlässigen und ist mit dem Auslaufmodell gut bedient.“

Zwar sind diese Hinweise Hilfestellungen, geben aber keinen eindeutigen Rat. Deshalb versucht sich Burgard mit einem Kompromiss und rät dazu, Autos etwa ein Jahr nach der Markteinführung zu bestellen. „Dann sind die meisten Kinderkrankheiten auskuriert, es sind alle Antriebs- und Ausstattungsvarianten verfügbar, die Hersteller haben noch nicht damit begonnen, einzelne Extras wieder herauszusparen und die Händler zeigen sich auch schon wieder verhandlungsbereit.“ (dpa)

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