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Test
01.12.2021

Vollstrom ist das neue Vollgas: Der Porsche Taycan GTS im Test

Im wahrsten Sinne des Wortes Verstärkung für die Elektro-Familie von Porsche: Der Taycan GTS (links) und der Taycan GTS Sport Turismo, der sich durch ein Kombi-Heck differenziert. Typisch für die GTS-Ausstattung sind die pechschwarzen Felgen.
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Im wahrsten Sinne des Wortes Verstärkung für die Elektro-Familie von Porsche: Der Taycan GTS (links) und der Taycan GTS Sport Turismo, der sich durch ein Kombi-Heck differenziert. Typisch für die GTS-Ausstattung sind die pechschwarzen Felgen.
Foto: Porsche

Von wegen öko: Elektroautos stehen für die nächste Dimension von Power. Ganz vorne dabei sind die berühmt-berüchtigten Spieler – wie Porsche mit dem Taycan GTS. Der Test.

Aus Sicht Ökobewegter ist es wohl kaum im Sinne des Erfinders, dass die Elektroautos den Verbrennern inzwischen leistungsmäßig nur so um die Ohren fahren. Von wegen Verzicht! Besonders groß ist der Effekt in den schon immer besonders umstrittenen Fahrzeugkategorien SUV und Sportwagen. Und da wiederum kommen die alten Verdächtigen wieder zu neuer Blüte.

Auf der Pole Position: Porsche. Die Zuffenhausener vollziehen die Transformation im Wortsinn rasanter als die meisten anderen. Von ihrem ersten rein elektrischen Modell, dem Taycan, verkauften sie in den ersten drei Quartalen des laufenden Jahres 28.640 Stück – und damit sogar mehr als von der Boxermotor-Ikone 911. Was für Traditionalisten noch bitterer sein muss: Auf den ersten Metern Asphalt sieht ein Elfer gegen einen Taycan kein Land.

Der Porsche Taycan GTS rennt volle 250 km/h

Sogar die Modellbezeichnungen klaut sich die Strom- bei der Benzinfraktion. Vom Taycan gibt es neuerdings auch einen „GTS“, damit existiert nun in jeder Baureihe, elektrisch oder nicht, ein Derivat mit der legendären Dreier-Buchstabenkombination, die für „Gran Turismo Sport“ steht. Der GTS bildet bei Porsche quasi immer die vorletzte Linie der Verteidigung vor dem außerirdischen Turbo. So ist es auch beim Taycan, wo sich der GTS zwischen den 4S und den Turbo schiebt. Und zwar mit Schmackes. Im Overboost-Modus stemmen die beiden E-Maschinen an Vorder- und Hinterachse 598 PS auf die 20 Zoll großen Räder. Damit sprintet der Wagen in 3,7 Sekunden auf 100 und in zwölf Sekunden auf 200 Sachen. Nur der besagte Turbo ist noch um eine halbe Sekunde schneller. Abgeregelt wird nach guter Sitte erst bei 250 km/h.

So fährt sich der Porsche Taycan GTS Limousine

Soweit die nackten Zahlen. Und „in echt“? Fühlt sich die Beschleunigungsorgie im Taycan GTS an wie eine Tracht Prügel. Wer sich traut, drückt das Strompedal aufs Bodenblech, versucht Kopf und Lenkung gerade zu halten und glaubt es nicht, wie die 305er-Schlappen die PS auf die Straße pressen. Nur Sekunden, dann muss der Fuß hart zurück auf die Bremse, die vehement zupackt. Es tut so schön weh, weil der Elektro-Porsche (wir behaupten: anders als der Tesla) ein Maß an Präzision und Neutralität an den Tag legt, das einem 2,3 Tonnen schweren Vehikel kaum jemand zutraut. Er bleibt trotz seiner enormen Masse dosierbar auf der Bremse, untersteuert am Kurveneingang kein bisschen, filetiert die Linie blitzsauber und zieht mit einem leicht schwanzelnden Heck unwiderstehlich wieder raus. Kurz gesagt: Es ist ein Porsche.

Der Porsche Taycan GTS verbreitet einen völlig neuen Motorsound

Sogar von gutem Sportwagen-Sound, der vielleicht letzte Verbrenner-Domäne, kann der GTS ein Lied singen. Die vollsynthetische Orchestrierung dringt über Lautsprecher sowohl in den Innenraum als auch nach draußen und klingt irgendwie nach Raumschiff Enterprise. Keine V8-Karaoke, sondern ein völlig neuartiger, sphärischer Singsang, an den man sich aber gewöhnen kann. Im Übrigen kann der GTS sogar leise; der Sound-Turbo zündet nur im Sport-Plus-Modus.

Die Reichweite des Porsche Taycan GTS beträgt mehr als 500 Kilometer

Den sollte man mit Blick auf das Kopfschmerz-Potenzial ohnehin nicht überstrapazieren. Zurückhaltung wird mit ordentlicher Reise-Reichweite belohnt. Als erster Taycan knackt der GTS die 500-Kilometer-Marke, laut WLTP sind es bestenfalls exakt 504. Am Schnelllader lässt sich die Batterie in 23 Minuten von fünf auf 80 Prozent laden.

Andere Rechnung: In knapp fünf Minuten „tankt“ der Taycan GTS im Idealfall 100 Kilometer Reichweite nach. Zu Hause an der Wallbox dauert es neun Stunden von null auf 100 Prozent Saft. Womit das Thema Alltags- und Familientauglichkeit gestreift wäre, angesichts eines Einstiegspreises von 131.834 Euro für den Taycan GTS zugegebenermaßen ein paradoxes.

Porsche Taycan GTS: technische Daten

  • Leistung 440 kW / 598 PS
  • Drehmoment 850 Nm
  • Zweigang-Getriebe, Allrad
  • Reichweite 439 - 504 km
  • Batteriekapazität 93,4 kWh
  • Ladedauer (Wallbox) 9 Std
  • Schnellladung 23 min
  • L/B/H 4,96/1,97/1,38
  • Leergewicht/Zul. 2295/555 kg
  • Kofferraum 407 + 84 l
  • 0 – 100 km/h 3,7 s
  • Spitze 250 km/h
  • Normverbrauch 23,3 - 20,3 kWh
  • Energieeffizienzklasse A+++
  • Preis ab 131.834 Euro

Mehr Platz: Der Porsche Taycan GTS „Sport Turismo“

Wer satte 45 Millimeter mehr Kopffreiheit im Fond und einen großzügigen Kofferraum haben will, sollte zur Variante „Sport Turismo“ (ab 132.786 Euro) greifen. Der Kombi, den Porsche niemals Kombi nennen würde, bietet zudem die Möglichkeit, einen Heckträger für bis zu drei Fahrräder zu montieren. Selbst das wird die Ökobewegung vermutlich nicht nachhaltig versöhnen.

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