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Interview
24.12.2021

„Da muss man nicht noch zusätzlich auftragen“

Der Schöpfer und sein Werk: Versunken blickt der Maserati Chef-Designer Klaus Busse auf den Supersportwagen MC20.
Foto: Maserati

Maserati-Designchef Klaus Busse erklärt am Beispiel des MC20, wie man einen perfekt gezeichneten Sportwagen auf die Räder stellt.

Er ist einer der wichtigsten Auto-Designer der Welt. Gelernt bei Mercedes-Benz in Stuttgart, gereift bei Jeep, Dodge und Ram in den USA, zuletzt gefeiert beim Fiat-Konzern. Sein jüngstes Werk ist der neue Supersportwagen MC20 von Maserati. Wir trafen den Deutschen mit dem italienischen Design-Blut in der Heimat der Dreizack-Rennwagen Modena.

Was war für Sie als Designer die größte Herausforderung beim MC20?

Busse: Wir wussten, dass der MC20 einzigartig sein wird. Ein Fahrzeug, an dem eine ganze Generation von Designern gemessen wird.

Was macht einen Maserati einzigartig?

Busse: Er muss können, wenn man will, aber er muss nicht zeigen, was er kann. Maserati war historisch immer schon keine schreiende Marke. Nicht nach dem Motto, schaut her, hier komme ich. Ein Maserati ist allein durch sein Design, durch die Proportion und den Klang des Motors schon sehr präsent. Da muss man nicht noch zusätzlich auftragen mit Spoilern oder unechten Lüftungsschlitzen. Seine Eleganz verspricht Zeitlosigkeit. Luxusprodukte müssen qualitativ und visuell langlebig sein. Je weniger modische Elemente, desto höher die Langlebigkeit. Ein MC20 will eine rollende Skulptur sein, er soll die Straße visuell bereichern. Mit einem Design, das nicht abstößt, sondern durch seine Zurückhaltung positiv wirkt. Wer sich einen MC20 kauft, der will sich selbst belohnen, aber das soll er dann auch genießen können.

Das wesentliche Designmerkmal bei Maserati ist ja der Dreizack?

Busse: Der Trident findet sich an wenigen, aber ganz wichtigen Stellen. Traditionell im Kühler und hinten auf den Schultern in der C-Säule. Beim MC 20 sogar in den Lüftungsschlitzen auf der Motor-Abdeckung. Die technische Anforderung dazu kam ziemlich spät im Entwicklungsprozess. Zunächst haben wir mit einem schwarzen Tape drei Streifen auf die Abdeckung gemacht. Das hat uns nicht zu 100 Prozent gefallen. Und da kam ich auf die Idee, das ganz abstrakt als Trident aufzubauen. Kein großes plakatives Logo, sondern erst auf dem zweiten Blick erkennbar und aus der Funktion heraus geboren. Die Dreispeichen-Felgen sind ebenfalls vom Trident. Und wenn man noch genauer hinsieht, dann findet man auch auf den Felgen ein kleines Dreieck. Auf Italienisch heißt es Ugula. Das Zäpfchen, das man ganz hinten im Hals hat. Das entdeckt man auch vorne im Kühlergrill, der ja an einen, aufgerissenen Mund erinnert.

Welches historische Modell hat sie am meisten beeindruckt?

Busse: Das Auto, das meine Liebe zu Maserati prägt, ist der A6 GCS von 1954, Pinifarina. Das Fahrzeug zeichnet sich für mich durch seine besondere Ruhe aus. Es erinnert an einen Flugzeugrumpf. Wunderschön. Und dann die brutale Ehrlichkeit, auf der Fahrerseite die frei liegenden perfekten Auspuffrohre. Maserati war nie eine Marke, die nur aus der Skulptur entsteht. Bei Michelangelo denkt man an die reine Skulptur. Bei Leonardo da Vinci ist die Kunst ein Beiprodukt von Wissenschaft und Forschung. Es ist zwar kühn von Leonardo da Vinci zu reden, da werden wir vermutlich nie mehr rankommen. Aber dieser Anspruch, wir gehen einen Maserati nicht nur mit ein paar schöne Skizzen an, sondern schauen gemeinsam mit den Ingenieuren, was die Technik hergibt, den verfolgen wir konsequent. Intern nennen wir das: Wenn aus der Wissenschaft Kunst entsteht.

Der MC 20 will einerseits Reiselimousine sein aber auch ein Rennbiest auf dem Track. Das spiegelt sich auch im Interieur wieder.

Busse: Der Komfort fängt bei diesem Sportwagen in der Fahrzeughöhe an. Wir hätten das Auto noch niedriger machen können. Aber das hätte dann Raum gekostet. Wir haben auch den Tunnel in der Mitte sehr schmal und flach gestaltet. Viele Sportwagen haben dort dramatische Konsolen. Sehr breit. Sehr diagonal. Das ist technisch schon nicht nötig bei einem Mittelmotorwagen, weil hier das Getriebe hinten ist und deshalb braucht es auch keinen Kardantunnel. Dann haben wir auch das Einsteigen erleichtert - mit den Butterfly-Türen. Sie erfüllen aber noch einen anderen Zweck: Wir wollten nicht, dass das Auto vom Fahrer unterschätzt wird. Der MC20 fährt sich zwar sehr sicher, sehr entspannt, ist aber auch ein echter Sportwagen. Wir dachten: Da muss eine psychologische Schwelle her. Und so sieht man, wenn man diese an sich schon spektakulären Schmetterlingstüren öffnet, den komplett frei gelegten Reifen und spätestens da weiß man: Hoppla, wenn man dieses Auto bewegt, dann braucht man auch eine gehörige Portion Respekt.

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