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Günzburger Stadtteil

07.11.2019

800 Jahre Riedhausen: Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag!

Vor 800 Jahren wird Riedhausen dank eines Ritters erstmals urkundlich erwähnt. Eine Ritterburg gibt es nicht, dafür sind in der Ortsmitte die Stadelanlagen und Stallungen für sechs Bauernhöfe eine Besonderheit. Sie wurden 1894 nach dem zweiten Dorfbrand errichtet.
Bild: Sandra Kraus

Warum Ritter Fredericus sich im Mittelalter gerade in Riedhausen ansiedelte, ist ungewiss. Fest steht aber: Der heutige Günzburger Stadtteil hat am Freitag Grund zum Feiern.

800 Jahre Riedhausen gilt es am Freitag zu feiern. In einer Urkunde des Augsburger Bischofs vom 13.11.1219 ist ein gewisser Ritter Fredericus de Riethusen als Zeuge genannt. „Dieses Datum hat in unserer Dorfschule jeder gelernt“, ist sich Wolfgang Hackel sicher.

Hackel, in Riedhausen aufgewachsen und dort wohnend, wird in der Jubiläumsfeier zusammen mit Oberbürgermeister Gerhard Jauernig, Stadtarchivar Raphael Gerhardt und dem Vorsitzenden des Historischen Vereins Günzburg Stefan Baisch einen Streifzug durch die 800-jährige Geschichte machen. Für die Günzburger Zeitung öffnete Wolfgang Hackel sein persönliches Riedhausen-Archiv schon im Vorfeld. Warum Ritter Fredericus zu Riethusen gerade hier siedelte, lässt sich nur vermuten. „Riedhausen liegt auf einer Terasse am Übergang vom Donaumoos zur Löss-Ebene. Und Großes würde ich mir unter dem Ritter nicht vorstellen, ein befestigter Holzturm, ein paar Häuser“, meint Hackel.

Riedhausen gehörte wechselnden Herren

Die nächsten Jahrhunderte gehört „Riedhausen im Moos“, wie es bis in die 1920er Jahre genannt wurde, wechselnden Herren. Der Dreißigjährige Krieg brachte Elend und Not, 1653 waren es noch neun Erwachsene in drei Familien. Das Schicksal meinte es nicht gut, 1697 wütete ein Ortsbrand. Doch Ortsherr Carl Ludwig vom Stain (1632-1708) half beim Wiederaufbau, auf seinem Grabstein in Niederstotzingen steht „Riethausen hat er melioriert“.

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Von den Herren vom Stain ging Riedhausen mit Niederstotzingen und Bergenweiler als Allodialbesitz, man kann sagen als Privatvermögen, im Jahr 1809 an die aus Flandern stammenden Grafen von Maldeghem. Söldner blieben die Riedhauser bis zum 20. März 1924. „Wohl das letzte Dorf Bayerns, vielleicht auch Deutschlands, erfreut sich seit heute der Freiheit: Riedhausens bisherige Söldner sind nun heute nach fast 700-jähriger Abhängigkeit freie Bauern und Bäuerinnen mit freiem Hab und Gut geworden,“ zitiert Wolfgang Hackel einen Zeitungsbericht dieses denkwürdigen Ereignisses. 1053 Tagwerk trat Graf von Maldeghem ab, eine staatliche Siedlungsgesellschaft löste das Pachtverhältnis ab. Drei Jahre hatten Bürgermeister Dominikus Schleifer und der Bayerische Abgeordnete Lorenz Götz Verhandlungen geführt. Im gleichen Jahr wurden die zehn Bauernhäuser fertig, die das alte Dorf in westlicher Richtung erweitern.

Beim Einmarsch der US-Armee wurde die weiße Fahne gehisst

Der Zweite Weltkrieg ging für Riedhausen glimpflich zu Ende. Georg Hackel hisste beim Einmarsch der US-Armee am 26. April 1945 rechtzeitig die weiße Fahne, sodass kein Schuss fiel. Pfarrer Höcherl und die Riedhauser gelobten 50 Jahre lang, den 26. April als Danktag für die Verschonung von Kriegsschäden zu begehen.

Wolfgang Hackel, Riedhauser und lange Jahre Günzburger Stadtrat, ist tief in die Dorfgeschichte eingetaucht.
Bild: Sandra Kraus

Für Veränderung sorgte der Weltkrieg aber dann doch. Am 12. Mai 1946 wurden die ersten Heimatvertriebenen zugewiesen, die Chronik erzählt von Schwierigkeiten mit Arbeitsplätzen und Fahrgelegenheiten. Um weiteren Heimatvertriebenen einen Neuanfang zu ermöglichen, baute die Bayerische Landessiedlung noch einmal zehn Bauernhöfe, in die im November 1952 rund 100 Siebenbürger-Sachsen aus Deutsch-Zepling einziehen.

1978 endete die Selbstständigkeit

„Das war eine Herausforderung. Nicht nur für die Bewohner der neuen Unteren und der Oberen Siedlung, die auf dem Moorboden Landwirtschaft betreiben mussten, sondern für das ganze Dorf. Riedhausen zählte 1960 270 Ortsansässige und 180 Heimatvertriebene, viele evangelisch, mit eigenem Dialekt, eine andere Kultur. Und doch waren 1953 beim 75-jährigen Feuerwehrfest alle beim Umzug dabei. Die Siebenbürger mit ihren schönen Trachten und einem stattlichen Hochzeitswagen. Viele Fotos belegen das Miteinander.“ Die Wirtschaftswunderjahre schienen an Riedhausen bei Günzburg, wie es nun hieß, vorbeizugehen. Bis dann der Kiesabbau Geld in die Gemeindekasse spülte und die Vollmer-Seen entstanden.

Mit der Gebietsreform 1978 endete die Selbstständigkeit und Riedhausen wurde ein Günzburger Stadtteil. Mit mulmigen Gefühlen sei an diesem 1. Mai der damalige Oberbürgermeister Dr. Rudolf Köppler zum Maibaum-Aufstellen nach Riedhausen gekommen. Doch alles sei gut gegangen, er durfte das Günzburger Stadtwappen am Maibaum befestigen und besucht seither jedes Jahr das Maibaumfest.

Bauplätze sind hier begehrt

Wer nach Riedhausen kommt, ist überrascht, dass im Ortskern sechs bäuerliche Wohnhäuser wie Reihenhäuser angelegt sind und ihnen gegenüber die dazugehörigen Stallungen und Scheunen als Backsteinbau aus dem Jahr 1894 gegenüberstehen. Abgeschlossen wird der Platz von der St. Vitus-Kirche. In den letzten Jahren ist Riedhausen mit dem Wohngebiet „Hinter den Gärten“ nach Norden gewachsen.

Auch ohne Schule, Kindergarten, „Adler“-Wirtschaft und Laden sind die Bauplätze begehrt. Und mit Feuerwehr, Soldaten- und Veteranenverein, Wassersport-Club, Fischereiverein und AMC gibt es lebendiges Vereinsleben, man sieht noch Rinder, freut sich über Alpakas und trifft sich im Bürgerhaus, dem neuen Riedhauser Mittelpunkt.

Termin 800 Jahre Riedhausen werden am Freitag, 8. November, gefeiert: 17 Uhr Ökumenischer Gottesdienst in der Pfarrkirche St. Vitus, 18.30 Uhr Jubiläumsfeier im Bürgerhaus anschließend Umtrunk. Die Bürger sind dazu herzlich eingeladen.

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