„Wie soll ich acht Stunden mehr im kommenden Schuljahr unterrichten? Ich möchte doch vorbereitet in den Unterricht gehen. Wie soll ich das schaffen, das geht an meine Substanz?“ Seitdem der geplante Maßnahmenkatalog zur Sicherung der Unterrichtsversorgung im kommenden Schuljahr von Kultusminister Michael Piazolo vorgestellt worden ist, häufen sich die Rückfragen und Gespräche beim Günzburger Kreisvorsitzenden des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbands (BLLV), Roland Grimm, erheblich.
„Die Kollegin muss wegen der Vorgaben dann 24 statt 16 Stunden unterrichten. Wo bleibt hier die Fürsorgepflicht des Dienstherren? Ich mache mir ernste Sorgen um das Wohl unserer Lehrkräfte“, sagt Grimm.
Grimm: Kann Bayern sich das erlauben?
Ein Teil des erwähnten Maßnahmenkatalogs beinhaltet die Einführung eines Arbeitszeitkontos für Grundschullehrkräfte, immense Beschränkungen der Teilzeitmöglichkeit und die Streichung des Antragsruhestandes mit 64 Jahren. All das führt nach Grimms Überzeugung zu einer wesentlich stärkeren Belastung der Lehrerinnen und Lehrer. Es wirke sich somit „negativ auf die Unterrichtsqualität und die Bildung unserer Kinder aus“. Grimm stellt die Frage: „Kann Bayern sich das erlauben?“
Seit Jahren warne der BLLV davor, dass die Unterrichtsversorgung nicht mehr gewährleistet werden kann, weil sich immer weniger Studierende für ein Lehramtsstudium im Grund-, Mittel- und Förderschulbereich entscheiden.
Inklusion und Digitalisierung - zwei Aufgaben von vielen
Die Gründe dafür seien vielfältig. Sie reichten von schlechterer Bezahlung über belastende Arbeitsbedingungen bis hin zu einer Vielzahl von zusätzlichen Aufgaben wie Inklusion und Digitalisierung. Und das seien nur zwei von mehreren Beispielen.
Nach einer „langjährig verfehlten Personalpolitik“ würden nun überstürzt Notmaßnahmen angekündigt, die dazu beitragen sollen, die Unterrichtsversorgung sicher zu stellen.
Wie ein Schlag ins Gesicht
Diese träfen alle Kolleginnen und Kollegen, vor allem aber diejenigen, die in ihrem langen Berufsleben mit großem Engagement und Einsatz für die ihnen anvertrauten Schülerinnen und Schüler ihr Bestes gegeben hätten. Für Roland Grimm ist eines klar: „Jetzt Lehrkräfte zu belasten, die in der derzeitigen Notsituation den Unterricht am Laufen halten, wirkt wie ein Schlag ins Gesicht. Das darf nicht sein.“
Die Mitglieder des Günzburger BLLV-Kreisvorstands haben zudem kein Verständnis, dass keinerlei Entlastungen oder Gegenleistungen geplant sind.
Besoldungsgruppe A 13
Die Einstiegsbesoldung A 13, die der BLLV für Lehrkräfte auch an Grund- und Mittelschulen fordert, reicht je nach Länge der Zugehörigkeit in dieser Besoldungsgruppe von 4579,86 Euro bis 5417,04 Euro. Das sind die Grundgehaltssätze im Monat. A 12 liegt ungefähr 500 bis 550 Euro darunter.
Dazu kommt noch ein Familienzuschlag, der bei Verheirateten oder Gleichgestellten bei 143,54 Euro im Monat liegt. Eine Familie mit zwei berücksichtungsfähigen Kindern erhält 389,02 Euro. (ioa)
Seit Jahren fordert der BLLV die Stufe A13 als Eingangsbesoldung für alle, um die Attraktivität der betroffenen Lehrämter zu steigern. „Lehrkräfte an Grund- und Mittelschulen müssen endlich in der Besoldung den anderen Schularten angeglichen werden. Die Arbeits- und Lernbedingungen für Schülerinnen und Schüler und der Lehrkräfte müssen verbessert werden. Die Lehrerbildung reformiert werden. Spätestens jetzt ist der richtige Zeitpunkt diese Forderungen zu erfüllen“, sagt Grimm.
Gespräche mit Reichhart und Deisenhofer
Noch für diesem Monat haben Vertreter des BLLV-Vorstands Gesprächstermine mit dem scheidenden Verkehrsminister Hans Reichhart (CSU) und dem Landtagsabgeordneten Max Deisenhofer (Grüne) vereinbaren können. Beide Politiker wollen Landrat im Landkreis Günzburg werden. Sie gehören zu insgesamt fünf Bewerberinnen und Bewerber. „Wir gehen in den Dialog mit den politischen Mandatsträgern. Wir zeigen auf, was uns belastet und wo wir Lösungsansätze sehen. Löcher stopfen kann nicht die Lösung sein. Es geht um das Wohl aller“, so Grimm abschließend. (zg)