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Günzburg

17.11.2018

Betrunkener Chef randaliert auf Firmenfeier

Es waren ein paar Biere zuviel, die der Chef eines Unternehmens beim Besuch einer Günzburger Firma zu sich genommen hat. Am Ende gab es eine handfeste Schlägerei auf dem Firmenfest – nun stand der Mann vor Gericht. <b>(Symbolfoto</b>
Bild: Alexander Kaya

Der Besucher einer Werkseröffnung in Günzburg kann sich nicht erinnern, was nach dem Konsum mehrerer Biere geschah. Zeugen schildern seinen Ausraster.

Was zunächst nach einem dummen Streich aussah, entwickelte sich an einem Abend im September vergangenen Jahres zu einer wilden Schlägerei, die zwei Männer aus dem Badischen schließlich in Günzburg vor Gericht brachte.

Im Herbst vergangenen Jahres feierte ein großes Unternehmen die Neueröffnung seines Werkes in Günzburg und hatte dazu seine Kunden eingeladen. Dabei war auch eine kleine Firma aus dem Mannheimer Raum, die mit der gesamten Belegschaft nach Günzburg reiste und einen schönes Fest erlebte. Bis der Chef nach heftigem Bierkonsum völlig ausrastete. Er habe einen Filmriss gehabt, erklärte er vor Gericht, und könne sich an nichts mehr erinnern. Dennoch räumte er die ihm vorgehaltenen Taten rundum ein, von denen er lediglich durch die Erzählungen seines Bruders und anderer Personen erfahren habe.

Der bislang unbescholtene junge Mann, der sich zum Tatzeitpunkt aufgrund einer schweren Erkrankung und familiärer Probleme in einer tiefen Lebenskrise befand, hatte es sich angewöhnt, regelmäßig größere Mengen Marihuana zu konsumieren. Alkohol, erklärte er, würde er normalerweise nicht zu sich nehmen, da er schon einmal nach Alkoholkonsum einen Blackout von mehreren Stunden erlebt habe. Allerdings sei es niemals zu Aggressionen oder strafbaren Handlungen gekommen.

Ein Mitarbeiter stoppt die Gäste mit dem Golfkart

Das änderte sich an diesem Tag im September. Damals hatte er sich nach dem offiziellen Festakt einige Biere gegönnt und sich dann mit einem seiner Mitarbeiter ein Golfkart geschnappt, das an einer Tribüne geparkt war. Die beiden brachten das Elektrogefährt zum Laufen und fuhren los, wobei das Ladegerät mitgeschleift wurde. Das fiel einem Mitarbeiter des Gastgebers auf, der die beiden stoppte. Später wurde festgestellt, dass es an dem Fahrzeug Beschädigungen gab, weshalb auch der Mitfahrer angeklagt wurde. Allerdings hatte der sich nicht an der folgenden Schlägerei beteiligt, sodass sein Rechtsanwalt gegen eine Geldauflage von 400 Euro die Einstellung des Verfahrens erreichen konnte.

Der Firmenchef dagegen sah sich mit einer ganzen Liste weiterer strafbaren Handlungen konfrontiert: Versuchte Körperverletzung, vorsätzliche Körperverletzung, versuchte Nötigung, tätliche Angriffe auf Vollstreckungsbeamte und Beleidigung listete die Staatsanwaltschaft in ihrer Anklageschrift auf. Zwar konnte eine Anklage wegen Sachbeschädigung und fahrlässiger Trunkenheit im Verkehr nicht aufrecht erhalten werden, da sich die Fahrt im Golfkart auf einem geschlossenen Privatgelände ereignet hatte und die Sachbeschädigung nicht bewiesen werden konnte. Auch hatte der Veranstalter weder Anzeige erstattet noch eine Schadensersatzforderung gestellt, der Angeklagte aber von sich aus einen vierstelligen Betrag zur Reparatur des Gefährtes überwiesen.

Der Gast bekommt Hausverbot - dann sieht er rot

Doch die Taten nach der fragwürdigen Ausfahrt wogen schwer. Eigentlich sollte die Hauptverhandlung an zwei Tagen stattfinden, so lang war die Liste der Zeugen. Doch dank des vollen Eingeständnisses des Angeklagten konnte auf einen Teil der Zeugenaussagen verzichtet werden. Richter Martin Kramer begnügte sich damit, die Vernehmungsprotokolle und Strafanzeigen von Opfern zu verlesen und damit eine Urteilsverkündung noch am ersten Verhandlungstag zu erreichen. Dank der Aussagen der geladenen Zeugen konnte der Ablauf des Gewaltausbruchs rekonstruiert werden: Als dem aggressiven Gast nach der Golfkart-Fahrt Hausverbot erteilt wurde, sah dieser rot und begann am Ausgang des Festzeltes Sicherheitsleute und Mitarbeiter der Gastgeberfirma zu beleidigen und zuzuschlagen. Selbst den Geschäftsführer des internationalen Unternehmens versuchte er mit einem Schwinger zu treffen, erklärte ein Zeuge, der bei diesem Versuch am Kinn getroffen wurde. Für ihn, einen Mitarbeiter der Günzburger Firma, war der Schlag aber „keine große Sache“. Er nahm es nicht weiter tragisch und akzeptierte die Entschuldigung des reuigen Schlägers „zu hundert Prozent“.

Den Sicherheitsleuten – auch einer von ihnen bekam einen Schlag ab und wird beleidigt – gelang es nicht, den wütenden Gast dauerhaft festzuhalten. Doch irgendwann hatte sich das Geschehen Richtung Ausgang verlagert, wo auch die von der Security gerufene Polizeistreife stand. Dort hatte der Betrunkene derart gewütet, dass ein Gast aus Leipzig rückwärts zu Boden ging und sich dabei den Mittelhandknochen brach. Ein anderer erhielt, als er einem Opfer zu Hilfe kommen wollte, einen Faustschlag ins Gesicht, der eine Nasenbeinprellung, ein blaues Auge und eine geplatzte Lippe zur Folge hatte. Dieser Mann wurde schließlich auch noch zu Boden geworfen und gewürgt. Dabei wurde seine komplette Festtagsoberbekleidung ruiniert, erklärte das Opfer im Zeugenstand. Der geknickte Angeklagte ersetzte ihm noch bei Gericht mit einer Barzahlung den materiellen Schaden.

Auch gegen die Polizei versuchte sich der völlig ausgerastete Angeklagte zu wehren. Er schlug und trat nach den Beamten, stieß Beleidigungen aus und wollte sich einer Festnahme entwinden. Als er schließlich überwältigt war, beruhigte sich der junge Mann so, dass ihn die Polizisten von der Wache aus entlassen konnten.

Die Mitarbeiter kündigen, der Bruder muss vermitteln

Doch damit war die Sache für den Firmenchef noch nicht beendet: Seine Mitarbeiter kündigten und konnten nur durch die Fürsprache des Bruders zum Bleiben überredet werden, erklärte der Verteidiger Florian Gönnenwein. Der Angeklagte selbst begab sich zwei Tage später freiwillig in psychiatrische Behandlung. Inzwischen habe er sich stabilisiert. Doch wenn er nun eine Freiheitsstrafe von einem Jahr oder mehr erhalte, werde seine Situation schwierig. Der junge Mann, der bereits Vater ist, trage Verantwortung für seine Familie und die Firma, die er bei einer Verurteilung zu einem Jahr Haft nicht mehr führen dürfte.

Während die Staatsanwaltschaft auf ein Jahr und vier Monate plädierte, verurteilte Richter Martin Kramer den jungen Mannheimer zu einer Haftstrafe von elf Monaten auf drei Jahre Bewährung, sodass seine Existenz nicht gefährdet wird. Überdies muss der Verurteilte 2000 Euro an eine Antidrogeneinrichtung bezahlen und ein Antiaggressionstraining absolvieren. Zwar sei dies ein außergewöhnlicher Gewaltausbruch gewesen, wie er ihn noch nicht gekannt hat, erläuterte der Richter, doch habe sich der Angeklagte persönlich um Entschuldigung bei den Opfern bemüht und Schadenswiedergutmachung geleistet. Auch könne man dem bislang Unbescholtenen eine gute Prognose stellen, da er einen Lebensplan habe. Das Urteil ist rechtskräftig.

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