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Landkreis Günzburg

30.12.2020

Dem Schorsch sei Jahresrückblick: Guat, dass des endlich rom isch!

Fasching und Fußball, Biber und Störche, Donald Trump und noch mehr fällt Schorsch ein, wenn er auf das Jahr 2020 zurück blickt. In diesem Jahr war manches anders als sonst. Sogar die Schneeflocken sehen ungewöhnlich aus. Bei Schorsch ist das kein Zufall.
Bild: Schorsch (Fotomontage)

Plus Was unser Kolumnist, der Schorsch, den Querdenkern empfiehlt und was er von der Storchenarmada im Mindeltal hält. Am Ende seiner Jahresbilanz für den Landkreis Günzburg steht ein Appell.

Herrschaftzeiten, 2020 – ja was war denn des für a Jaur? Guat, dass des endlich rom isch! Aber Vorsicht bitte: No isch es net ganz vorbei – es gilt die guata alta Regel: S´Jaur hat 365 Tag und rom isch’s erscht, wenn d’r Böller „Bumm“ macht. Ja, ond net a’mal des trifft jetzt mea zua – Stichwort Böllerverbot. Nix „Bumm Bumm“. Wer weckt mi dann heier umma Zwölfe auf, wenn i vor meim Fernseher eidöst bin – ei’gschläfert von einer Mixtur aus Süßweinbowle, Neujahrsansprache, Fonduefett, Jörg Pilawa ond Erdnussflips? Vielleicht ja sogar a positiver Gedanke, der längs durch mei Gehirn strömt?

Ja, i han sonscht scho au gern a mal quer denkt wenn i ehrlich bin, aber der Begriff „Querdenker“ isch leider entwendet woara letschts Jaur. Um Rückgabe wird gebeten! Liabe selbscht ernannte „Querden-ker“ – ihr kennat eich ja au mal a Weile anderscht nenna. „Schrägvö-gel“ oder so. „Kreisdreher“ wär au no a Option, denn eire Gedanka drehat sich ja mitunter kunterbunt gemischt und kreiseln aber allawei zielsicher in Richtung Unheil. A Negativspirale wia i’s sonscht bloß vom Kreisverkehr in Limbach kenn.

Eine Überpopulation an Landkreismaskottchen?

Wia stoppt ma solche Negativspiralen? A guata Fraug. D’r Sepp fährt jetzt halt hintarum über Offinga. Ihm g’fällt des eh besser, weil dau ko er immer dia Storchenarmada bewundra, dia die Mindelauen dort besetzt hat. Au a Thema aus 2020: Hand mir am End zu viele Biber und Schtörch? Sind dia überhaupt alle echt oder handelt es sich um a Landkreismaskottchenüberpopulation? Statistiker hand ausgrechnet, dass auf vier umg’nagte Weiden fünf Biber kommat, auf drei Legoland-Besucher aber jeweils schon oi Storchennescht, um das sich dann im Schnitt aber 17 Störche streitat.

In 46 Prozent von deane Neschter sind wiederum Weidenzweige ver-baut, bloß um mal dia Dimension der Zusammenhangslosigkeit zu verdeutlichen!

Wovon Störche träumen können

Schockierende Zahla gab’s au aus Ischgl zu berichten. Dau kommat angeblich auf 1600 Bewohner 12000 Gästebetten. Von solche Zuschtänd kennat schwäbische Schtörch blos träuma. War da sonscht no ebbes mit Ischgl? I woiss es nimme.

11.11. – Eine weitere Zahl, die ons in deam Jaur nicht dia gewohnta Freude bescherte. Alle maschkiert aber koi Fasching. Faschingsent-zug statt Faschingsumzug, i wer narrisch!

Die Nationalelf und der Kreisverkehr in Limbach

Aber es kommt no besser! 0:6. Was sagt uns des? Genau, des sagt uns, dass es vielleicht ganz guat war, dass die EM huier ausg’falla isch, weil mir früher oder schpäter auf Mannschafta g’schtossa wärat, dia unserm Jogi spanisch vorkommat. Die beschtenfalls amüsante Unbelehrbarkeit von unserm gut g’fönta Bundestrainer verschpricht aber au für dia EM 2021 Schmerzpotenzial für Fußballfans. Ich sieh dau au durchaus Parallelen zum Kreisverkehr in Limbach. Der DFB hat dia richtiga Ausfahrt verpasst und Löw nebscht Beifahrer Bierhoff steurat dean Mannschaftsbus jetzt früher oder späteschtens im Achtelfinale direkt in a holländisches Gemüsebeet. Fascht scho beängschtigend.

Zwischen Vorsicht und Überängstlichkeit

Ond ja – i gib’s zua, i war des eine oder andere Mal im letschta Jaur be-, wenn net gar verängschtigt in Anbetracht der diversen Tatsachen. Wobei Angscht ja net per se ebbes Schlechtes sei muass. Angscht liegt in unsrer DNA ganz oifach aus deam Grund, weil der völlig angschtbefreite Mensch auf unsrem Planeten zu koiner Zeit a Überlebenschance g’het hätt. Wenn zum Beischpiel in d’r Schteinzeit oiner von deane angeblich erschte Aufrechtgänger aus’m Allgäu mit am Kässchnitzmesser a Mammut erlegen wollt in einem Anflug völliger Furchtlosigkeit...nau hat der sich am Ende des Tages eben net fortpflanzt. Den Vorsichtigen g’hört also dia Welt, aber es isch manchmal a echte Gratwanderung zur lähmenden Überängschtlichkeit.

Wia hoisst’s so schea: „Angscht essen Hase auf“ oder so ähnlich. Aber späteschtens an Oschtern will i 2021 jedenfalls mei Ruah hau mit dem Dings. Ja genau, mit deam Dingsda. I han’s bis jetzt g’schafft des C-Wort net zu gebraucha, dau wer i net auf die letschte Zeilen no eiknicka...

Von einem Seggl und einem Segel

Also schnell Ablenkung. Was war sonscht no alles? Trump. O’glaublich, aber dean hat’s wirklich geaba. Ond 70 Millionen hand wiederum des glaubt, was er glaubt hat twittra zum müssa. Aber über 80 Millionen US-Wähler hant’s eaba net glaubt was der – Entschuldigung – Seggl verzapft hat.

Apropos Segel: Arischtoteles (doch dean schreibt ma so, fraugat ihn halt selber) hat ja seiner Zeit g’sait: „Mir können den Wind nicht ändern, aber die Segel andersch setzen.“ In dem Fall den Seggl in da Ruheschtand versetzen. Ond was mir alle doa kennat, um jetzt am Ende dearer Kreuzfahrt durch des Jaur doch no philosophisch zum weara: Mir kennat gemeinsam – und nur gemeinsam – des Schiff in ruhiges Fahrwasser bringa. Paradoxerweise hoißt des in onserer Lage au, gemeinsam einsam zum sei. Des isch net leicht ond au a Stück weit traurig, werd aber am End onsre Besatzung zu einer noch stärkera Gemeinschaft g’macht hau!

In diesem Sinne - bleibat gsund, bleibat schtark.
Auf ein gutes 2021!
Eier Schorsch

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