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Medizin

17.07.2020

Dement oder depressiv?

Der Günzburger Chefarzt der Gerontopsychiatrie, Matthias Riepe, im Beratungsgespräch mit einem Patienten.
Bild: BKH

Analyse des Nervenwassers führt zu Diagnose

Immer wieder kommen ältere Patienten zu Matthias Riepe, Chefarzt für Gerontopsychiatrie, ins Bezirkskrankenhaus (BKH) Günzburg, weil sie, die Angehörigen oder der behandelnde Hausarzt festgestellt haben, dass eine gedrückte Stimmung oder eine nachlassende Gedächtnisleistung besteht. Die Diagnose der Ursache ist schwierig: Eine gedrückte Stimmung aufgrund einer Depression geht oft mit einer nachlassenden Gedächtnisleistung einher und bei einer nachlassenden Gedächtnisleistung aufgrund einer Demenzerkrankung ist beim Patienten häufig eine gedrückte Stimmung festzustellen.

Um die zutreffende Diagnose zu stellen, wendet die Abteilung für Alterspsychiatrie und Akutgeriatrie innerhalb des BKH regelmäßig eine liquorchemische Analyse an – und das seit vielen Jahren erfolgreich. Mithilfe einer Punktion wird vom Patienten das Nervenwasser gewonnen. Das ist die Flüssigkeit, die direkt das Zentralnervensystem umgibt. „Die einzelnen Bestandteile dieses Nervenwassers wie zum Beispiel die Eiweiße werden anschließend genau untersucht, vergleichbar einer Analyse des Blutes“, erläutert der Chefarzt. Auf diese Weise lasse sich dann häufig eine fundierte Diagnose erstellen und entscheiden, welche Therapie angewandt werden muss. Diese wissenschaftlichen Erkenntnisse von Riepe und seinem Günzburger Team wurden vor Kurzem in der renommierten internationalen Online-Fachzeitschrift „Plos one“ veröffentlicht. Sie basieren auf der retrospektiven Analyse von circa 4000 Patienten, die in den vergangenen fünf Jahren die Gedächtnissprechstunde am BKH Günzburg besucht haben.

Der 57-jährige Mediziner, der seit etwa zehn Jahren die Abteilung für Alterspsychiatrie und Akutgeriatrie am BKH leitet, erläutert: „Die Botschaft für die Öffentlichkeit lautet: Kognitive Beeinträchtigungen bei älteren Menschen mit Depression sind ein ernsthaftes Symptom, das vielfältige Ursachen haben kann und gründlich abgeklärt werden muss.“ Die Diagnostik dieser Patienten erfordert auch eine liquorchemische Analyse, so wie es im BKH Günzburg geschieht. Nur damit könne man bei älteren Menschen zuverlässig Erkrankungen wie Alzheimer und eine Depression auseinanderhalten.

In diesem Zusammenhang weist Riepe auf das Angebot der Gedächtnissprechstunde am BKH Günzburg hin. Hier wird eine gründliche Untersuchung vorgenommen, wenn eine gedrückte Stimmung oder eine leichte Beeinträchtigung der Gedächtnisleistungen vorliegt. Neben den Standardtherapien wird auch die Teilnahme an Studien mit innovativen Medikamenten angeboten. Interessenten können sich bei der Abteilung für Alterspsychiatrie und Akutgeriatrie unter der Nummer 08221/96-2355 melden. (zg)

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