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Großkötz

12.07.2019

Die Feuerwehr Großkötz ist 150 Jahre jung

Kommandant Martin Reidinger (links) und der Zweite Vorsitzende des Feuerwehrvereins Andreas Dexle sehen die Freiwillige Feuerwehr Großkötz auch im 150. Jahr ihres Bestehens gut aufgestellt.

Brandschutz war in Großkötz auch im Gründungsjahr der Feuerwehr ein großes Thema. Am kommenden Wochenende wird das Jubiläum gefeiert.

Es ist mehr als ein Hobby. Wer mit dem Kommandanten Martin Reidinger und mit dem zweiten Vorsitzenden Andreas Dexle spricht, der merkt schnell, was den Unterschied zum Hobby ausmacht, von dem Landrat Hubert Hafner in seinem Grußwort zum 150-jährigen Bestehen der Freiwilligen Feuerwehr Großkötz spricht. Es ist die Begeisterung und die schier grenzenlose Bereitschaft, sich mit Leib und Seele bei der Feuerwehr einzubringen und sich für diejenigen einzusetzen, die in Not geraten sind. Und was auch zu spüren ist: Dieses Engagement „Einer für Alle – Alle für Einen“ macht den Feuerwehrleuten Freude.

Unwettereinsätze häufen sich

Dabei hat es auch bei der Freiwilligen Feuerwehr Großkötz einen ernsten Hintergrund. Ging es ursprünglich in erster Linie um den uneigennützigen Schutz von Hab und Gut der Mitbürger, so müssen die Wehren heute neben dem Brandschutz eine Reihe weiterer Herausforderungen bewältigen. Sie leisten technische Hilfe bei Unglücken sowie Verkehrs- und Gefahrgutunfällen und gehen bei häufiger werdenden Unwettereinsätzen oft bis an die Grenzen ihrer Leistungsfähigkeit.

Diese vielfältigen Aufgaben im Ehrenamt zu bewältigen, erfordert Ausbildung und Übung. Das war auch schon bei der am 6. Januar 1869 auf Anregung vom damaligen königlich-bayerischen Pfarrer Martin Stury und vom damaligen Bürgermeister Othmar Bernhard gegründeten Freiwilligen Feuerwehr Großkötz so. Von den 48 Mann – bei damals etwa 700 Einwohnern eine beachtliche Beteiligung – wurde die Teilnahme an drei Übungen jährlich verlangt. Wer einmal unentschuldigt fehlte, wurde von der Freiwilligen Feuerwehr ausgeschlossen. Im Jahr 1900 wurden dann fünf Pflichtübungen festgeschrieben.

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Zur Jahrhundertwende gab es im Schnitt einen Brand pro Jahr

23 Brände waren in Großkötz zwischen den Jahren 1887 und 1914 zu löschen, durchschnittlich also fast einer jährlich. Am schlimmsten muss es am 23. März 1903 gewesen sein, als am frühen Morgen vermutlich durch Brandstiftung das Ökonomie-Anwesen des Leonhard Bretzel in Brand geriet. Das Haus des Taglöhners Mathäus Hupfauer, die Scheune von Karl Frey und das Anwesen des Söldners Josef Neher gerieten dabei ebenfalls in Brand.

Aus dem Jahr 1902 stammt die Fahne der Wehr. Der Leitspruch hat nach wie vor Gültigkeit: „Einer für Alle – Alle für Einen“.

Eine Spritzmannschaft bestand damals aus 20 Feuerwehrmännern, einem Zugführer, einem Spritzenmeister, einem Rottenführer und einem Schlauchtruppführer mit vier Mann. Außerdem gab es eine Steiger-Abteilung und eine Ordnungs-und Rettungsmannschaft. Um die 100 Wehrmänner dürften im Einsatz gewesen sein, dazu Fuhrwerke, die mit Jauche- und Wasserfässern das Löschwasser brachten. Wer mit seinem Fuhrwerk als Erster am Brandplatz war, bekam fünf Mark aus der Feuerwehrkasse. Das Reglement war streng. So heißt es im Protokollbuch von 1931: „Alle Wehrmänner, die bei einer Brandbekämpfung nicht teilnehmen, werden nach dem Löschen namentlich durch Verlesen am Brandplatz festgestellt.“ Wer nicht erschienen ist oder frühzeitig den Einsatz beendet hat, musste nach einer Bestimmung der Branddirektion bei den Aufräumarbeiten am Brandplatz helfen.

Zu Beginn des Ersten Weltkriegs war die Großkötzer Feuerwehr 138 Mann stark. 1916 gab es schon eine Jugendwehr, Zugführer war Josef Renzhofer. 1928 wurde das „Requisitenhaus“ bei der Linde am Emmenthaler Weg gebaut. Der technische Fortschritt machte eine Neueinteilung der Wehr notwendig, als 1946 die erste Motorspritze angeschafft wurde. Neben zwei Löschgruppen gab es dann die von Alois Kober geleitete Motorspritzengruppe. Der Schlossermeister, der 1931 den Grundstein für das heute weltweit agierende Unternehmen Alko gelegt hatte, war schon 1934 als Spritzenmeister bei der Großkötzer Wehr.

Feuerwehr richtet ihr Angebot an Kinder und Jugendliche

Vieles hat sich verändert seitdem, und der 33-jährige Kommandant Martin Reidinger sieht die Wehr mit 41 Aktiven, darunter drei Frauen, und mit der 16-köpfigen Jugendgruppe gut aufgestellt. Vor zwei Jahren wurde der Vorstand des Feuerwehrvereins durch zwei junge Mitglieder erweitert, denn der Nachwuchs soll frühzeitig eingebunden werden. Auch wenn es keine Kinderfeuerwehr gibt, sucht man doch auch den Kontakt zu den Kindergartenkindern mit Führungen durch das Feuerwehrhaus. Außerdem machen die Wehren aus Großkötz und Kleinkötz Angebote beim Ferienprogramm der Gemeinde. „Die Jugendfeuerwehr ist bei allen Aktionen sehr stark eingebunden“, sagt Kommandant Reidinger.

Der Schutzpatron St. Florian im Feuerwehrhaus.

Und auch was die im jüngst vorgelegten Feuerwehrbedarfsplan dringend empfohlene Zusammenarbeit der Feuerwehren in Kötz betrifft, sehen Martin Reidinger und Andreas Dexle die Wehren gut aufgestellt. „Wir sind auch ohne Feuerwehrbedarfsplan auf einem guten Weg“, sagt Dexle, „man ist ja miteinander in die Schule gegangen und kennt sich.“ Bei größeren Einsätzen arbeiten die Kötzer Feuerwehren ohnehin eng zusammen, sagt Kommandant Reidinger.

Spender helfen den Helfern

Sowohl Dexle als auch Reidinger betonen, dass die Bürger nicht zuletzt mit großzügigen Spenden hinter der Großkötzer Feuerwehr stehen. So konnte mit Unterstützung durch den knapp 200 Mitglieder starken Feuerwehrverein ein Schlauchboot beispielsweise zur Eindämmung von Ölteppichen beschafft werden, ein Mehrzweckanhänger und vor Kurzem ein Türöffnungsset und ein großes Zelt.

Das 1997 in Dienst gestellte Löschfahrzeug, das neben dem Mannschaftsfahrzeug im 1989 eingeweihten Großkötzer Feuerwehrhaus steht, soll, so hofft der Kommandant, 2021 ersetzt werden. Und er wünscht sich, dass die generationsübergreifende Zusammenarbeit bei der Großkötzer Wehr auch in Zukunft gelingt. Damit alle mit Feuereifer und Freude ihren ehrenamtlichen Dienst tun können nach dem Motto: Einer für Alle – Alle für Einen. Wie schon vor 150 Jahren.

Am Samstag, 13. Juli, um 18 Uhr Aufstellung zum Festzug auf dem Parkplatz von Alko in Großkötz, 18.15 Uhr Abmarsch zur Festhalle am Emmenthaler Weg, 19 Uhr Festabend mit Reden und der Band Hallodris. Am Sonntag um 9.15 Uhr Aufstellung am Dorfplatz zum Kirchenzug, 10 Uhr Festgottesdienst, 11 Uhr Frühschoppen und anschließend Mittagessen. Festausklang nachmittags bei Kuchen und Kaffee.

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