Weltvegetariertag

01.10.2012

Fleischlos glücklich

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Auch ohne Fleisch kann man leben - wie, darum geht es unter anderem bei den regelmäßigen Treffen des Vegetarierstammtischs im Landkreis.
Bild: dpa

In Ichenhausen trifft sich regelmäßig ein Stammtisch von Veganern und Vegetariern.

Von Irmgard Lorenz

Ichenhausen Über 9000 Vegetarier dürfte es nach Schätzung des Deutschen Vegetarierbundes  im Landkreis Günzburg geben – ein knappes Dutzend von ihnen trifft sich seit vergangenem Herbst einmal im Monat zum Stammtisch. Zum Weltvegetariertag am heutigen 1. Oktober war die Günzburger Zeitung zu Gast an einer veganen Kaffeetafel.

Für die kleine Runde, die sich bei Ruth Ohgke in Hochwang getroffen hat, hat vegetarische oder vegane Ernährung nichts mit Verzicht zu tun. Wie geht das? Kuchen ohne Ei, Pudding ohne Milch? Die Schokobirnentorte jedenfalls schmeckt köstlich. Der Teig ist locker und kein bisschen trocken, die Füllung mit Schokocreme und Birnen lecker. Ein Biskuit mit Eiersatz statt mit Hühnereiern? Für die 61-jährige Ruth Ohgke kein Problem.

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Und für Sebastian Demmel, Carola Glogger und Claudia Maier, die mit am Tisch sitzen, mal wieder der Beweis: Der Verzicht auf tierische Produkte kann ein echter Gewinn sein. Von „ganz, ganz vielen Wehwehchen, die sich mit der veganen Ernährung erledigt haben“ berichtet der 30-jährige Heilerziehungspfleger Sebastian Demmel. Seit drei Jahren verzichtet er auf Fleisch und Wurst, seit eineinhalb Jahren kommen ihm gar keine tierischen Produkte mehr auf den Teller. Keine Milch, keine Milcherzeugnisse wie Joghurt oder Käse, keine Eier, kein Honig. Demmel ist überzeugt, dass er durch geschickte Nährstoffkombination dennoch keinen Mangel leidet. „Man muss gucken, dass man ans Kalzium kommt“, sagt er, aber bei der Auswahl an Gemüsen, Hülsenfrüchten, Vollkornprodukten und Obst, die auch ein Veganer hat, ist das für ihn kein Problem. Seidentofu kann Eier ersetzen, Seitan das Fleisch, Sojaprodukte die Milch. „Es ist schon relativ aufwendig, sich vegan zu bekochen“, sagt der 30- Jährige zwar, „man muss eben frisch kochen und viel schnippeln.“ Aber genau darin sehen er und seine Mitstreiter mehr Gewinn denn eine Last. Es ist der bewusste Umgang mit der eigenen Ernährung, den die kleine Runde als absoluten Gewinn empfindet, kein bisschen als Verzicht. „Mich stellt das vegetarische oder vegane Essen viel mehr zufrieden“, hat die 52-jährige Claudia Maier beobachtet. „Ich kann viel mehr genießen“, sagt die Vegetarierin, die für ihren Mann schon auch gelegentlich Fleischspeisen zubereitet, selbst aber, obwohl sie Joghurt und Käse liebend gern isst, immer öfter ganz auf tierische Produkte verzichtet. Das hat für sie auch einen ethischen Aspekt. Berichte über Tierhaltung zur Nahrungsproduktion treiben der Reformhausfachverkäuferin „Tränen in die Augen“.

Carola Glogger bringt es auf den Punkt. „So ein totes Schnitzel war eben noch ein Lebewesen“, sagt die 47-jährige Angestellte, für die auch ökologische Gründe eine Rolle spielen. Immerhin werden weltweit 70 Prozent der landwirtschaftlichen Fläche für die Viehproduktion und den Futtermittelanbau verwendet, dabei hungern auf der Welt eine Milliarde Menschen. „Fleisch ernährt Wenige auf Kosten Vieler“, sagt sie und zählt Stichworte zur Zerstörung des ökologischen Gleichgewichts durch Fleischkonsum auf: Abholzungen für Weideland tragen zur Klimaveränderung und zum Treibhauseffekt und damit auch zum Abschmelzen der Polkappen bei, Ammoniak- und Methangasemissionen verschärfen die Problematik des Waldsterbens durch sauren Regen. Carola Glogger bringt all diese Argumente auf dem Punkt: „Wissen und Gewissen.“

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