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Günzburg
05.06.2021

Der Lieblingsbaum am Frauenplatz in Günzburg trägt eine Nummer

Die Platane vor der Frauenkirche in Günzburg ist der Lieblingsbaum von Christof Bäuchl.
Foto: Bernhard Weizenegger (Archivbild)

Der 4. April hat für Christof Bäuchl große Bedeutung. Die Sitzbank vor der Frauenkirche ist für ihn wichtig. Dort steht in Günzburg auch sein Lieblingsbaum.

In Deutschland braucht man für alles eine Nummer: Der Lieblingsbaum von Christof Bäuchl steht auf dem Günzburger Frauenplatz und trägt die 000324, so lautet die Bezeichnung für das Naturdenkmal. Es ist eine alte Platane, die sich mit großen, starken Wurzeln gegen alle Widrigkeiten behauptet. Im Sommer sorgen ihre geschwungenen, weit ausladenden Äste für schöne Schattenspiele. Wie das leuchtende Rokoko der Frauenkirche.

"Als kleiner Junge war der Frauenplatz mein Pausenhof, unter der Platane haben wir in der Grundschulzeit gespielt. Auch die Hochzeit meiner Eltern hat der Baum im Frühling beschattet. Er hat schon viele Menschen kommen und gehen sehen. Am 4. April 1941 wurde der Günzburger Stadtpfarrer Adam Birner verhaftet, am 4. April 1989 spazierten der französische Staatspräsident François Mitterand und Bundeskanzler Helmut Kohl über den Frauenplatz, der damals noch im Dornröschenschlaf lag. Damals gab es noch kein City-Marketing. Kein: Glücklich. In Günzburg.

Der alte Baum am Frauenplatz in Günzburg strahlt Ruhe und Würde aus

Am 4. April ist mein Sohn geboren und manchmal zünde ich für ihn eine Kerze in der Frauenkirche an. Ein bisschen Segen von oben kann ja nicht schaden. Dann sitze ich auf der Bank vor der Kirche, höre den Brunnen plätschern und genieße die Ruhe und Würde, die der alte Baum ausstrahlt. Er wird auch mich überleben. Das beruhigt mich.

Seit einem Jahr ist die Bank auf dem Frauenplatz auch ein Ort zum Aufatmen: Dann nehme ich die FFP2-Maske ab, genieße für eine Viertelstunde meine Atemfreiheit und schaue zum Denkmal von Janusz Korczak. Was er wohl gesagt hätte zu dieser isolierten, beziehungslosen Kindheit und Jugend, die eine Pandemie schon von den kleinsten Kindern abverlangt? Von ihm stammt der Satz: Die Seele des Kindes ist ein Wald, in dem die Baumwipfel sich sanft wiegen, die Äste vermischen & die zitternden Blätter sich berühren. Manchmal streift ein Baum seinen Nachbarn oder spürt die Gegenwart von hundert oder tausend Bäumen, vom ganzen Wald. Wer in die fernliegende Zukunft zielt & die Kinder dabei überspringen will, wird sein Ziel verfehlen."

So machen Sie mit: Um Bäume wieder mehr ins Bewusstsein der Menschen zu rücken, hat sich die Günzburger Ortsgruppe des Bundes Naturschutz etwas ausgedacht: Sie sucht die Lieblingsbäume der Günzburger in der Stadt. Wie man mitmachen kann? Ganz einfach: Machen Sie ein Foto von ihrem Lieblingsbaum und mailen Sie dieses an den Bund Naturschutz in Günzburg. Die Adresse lautet: guenzburg@bund-naturschutz.de. Schreiben Sie dazu, wo der in Ihren Augen schönste, liebenswerteste, interessanteste Baum Günzburgs steht oder welche Geschichte Sie mit Ihrem Lieblingsbaum verbinden. (AZ)

Lesen Sie dazu auch: Das sind die Lieblingsbäume der Günzburger

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