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Ausstellung

05.01.2019

Kunstvolles aus dem Erzgebirge in Günzburg

Der Phantasie sind bei Räuchermännchen aus dem Erzgebirge keine Grenzen gesetzt. Auch ein Schotte mit Fellmütze und Dudelsack ist möglich.
Bild: Greta Kaiser

Im Heimatmuseum sind Engel, Bergmänner und Räuchermännchen zu sehen. Bei ihnen ist etwas besonders wichtig.

Die Legende könnte schöner kaum sein: Ein Engel zeigte einem Bergmann die Silbervorkommen im Erzgebirge. Das ist jetzt mehr als 500 Jahre her. Lange währte die Blütezeit im Grenzgebiet zwischen Böhmen und Sachsen nicht. Denn allzu viel Silber gab es nicht zu holen. In ihrer Not mussten sich die Menschen auf das besinnen, was es im Erzgebirge reichlich gibt: Holz. Und so betätigten sie sich als Schnitzer und Drechsler. Gefertigt wurde Nützliches, aber auch Dekoratives, Weihnachtliches und Heiter-Skurriles. Hunderte von kleinen und großen Exponaten aller Art sind bei der Ausstellung „Engel, Bergmann, Räuchermann – Weihnachtliches aus dem Erzgebirge“ im Heimatmuseum Günzburg zu sehen, noch bis einschließlich 3. Februar jeweils samstags und sonntags.

Die Abteilung Weihnachtliches bietet Vertrautes. Zu bewundern sind prächtige Engel, farbenfrohe Nussknacker und Kerzenständer oder die filigranen Weihnachtspyramiden. An ihrer Spitze dreht sich eine Art Windrad, angetrieben von der Thermik brennender Kerzen. Sie erinnern an jene Pferdegöpel, mit denen die Tiere die mit Silbererz gefüllten Körbe aus den Bergwerken zogen, wie Rudolf Kombosch bei der Eröffnung der Ausstellung am Donnerstagabend erläuterte.

Die Exponate kommen vor allem aus einer Privatsammlung

Der stellvertretende Vorsitzende des Historischen Vereins hat die Ausstellung zusammengestellt und dabei vor allem auf die Privatsammlung des evangelischen Stadtpfarrers Alexander Bauer zurückgreifen dürfen. Der Geistliche bekannte, seit 1985 vom Virus der Schnitzkunst aus dem Erzgebirge befallen zu sein. Seine Sammlung alter und neuer Werke hat inzwischen beachtliche Dimensionen angenommen. Eine ganz besondere Spezies sind Bauers Räuchermännchen.

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„Nichts ist vor den Formgebern sicher“, erklärte der Pfarrer den zahlreichen Besuchern im Rokokosaal des Museums. Indianer und Cowboy, ein Schotte mit Fellmütze und Dudelsack, ein Grenzpolizist mit Reisepass, ein feister Mönch mit Bierkrug und zahllose andere heitere bis skurrile Figuren lassen den Betrachter schmunzeln. Selbst Papst Benedikt, thronend in einem reich verzierten Sessel, durfte als Räuchermännchen herhalten. Ein fauchender Drache ist vor allem bei Kindern der Hit.

Die Rezeptur wird wie ein Augapfel gehütet

Die hohe Kunst besteht darin, die Figuren zum „Rauchen“ zu bringen. In ihrem Inneren stecken kleine, kegelförmige Räucherkerzen, die aus Sägespänen, Holzkohle, Ruß und Weihrauch gefertigt werden. Die genaue Rezeptur wird wie ein Augapfel gehütet. Sind die Kerzen erst angezündet, entwickeln sie nicht nur den gewünschten Rauch, sondern auch Temperaturen von bis zu 1000 Grad. Um die Holzfiguren nicht restlos abzufackeln, ist Geschick vonnöten. Die Menschen im Erzgebirge haben das schon vor 250 Jahren beherrscht, wie Alexander Bauer erklärte.

Zu Zeiten der DDR verkam die Schnitzkunst aus dem Erzgebirge in vielfacher Weise zur profanen Massenware, hergestellt in volkseigenen Betrieben für den Export in alle Welt. Seit der Wiedervereinigung blüht das kunstvolle Handwerk vor allem in kleinen Dörfern wieder auf. Pfarrer Bauer geht dort regelmäßig auf Entdeckungstour. Den Besucher der von Stadt und Historischem Verein Günzburg organisierten Ausstellung erwartet angesichts der Fülle von Exponaten mehr als nur ein flüchtiger Eindruck – der Rundgang ist geschichtlich lehrreich und amüsant zugleich.

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