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Ichenhausen

09.06.2017

Nach Räumung: Nur private Tierhaltung könnte erlaubt werden

Ein Bild aus der Auffangstation aus dem November 2016.
Bild: Bernhard Weizenegger (Archiv)

Das Veterinäramt prüft die weiteren Schritte im Fall der Igel-Auffangstation. Aber Wildtiere sollen dort nicht mehr untergebracht werden. Dafür seien die Zustände zu schlecht.

Im Fall der teilweise geräumten Igel-Auffangstation in Ichenhausen (wir berichteten) sagt Dr. Max Schubert vom Veterinäramt des Landkreises im Gespräch mit unserer Zeitung, dass die private Betreiberin möglicherweise doch noch eine begrenzte Zahl an Tieren halten dürfe - aber nur privat. Das werde gerade geprüft. „Sie hat ja ein Herz für Tiere, aber sie hatte sich wohl übernommen.“ Bei den möglicherweise erlaubten Tieren werde es sich aber nicht um Wild-, sondern nur um Haustiere handeln, „bei der Auffangstation geht nichts mehr, dafür ist sie nicht zuverlässig genug“. Vor allem auch die hygienischen Zustände seien ein Problem. „Zum Schutz der Tiere müssen wir konsequent sein.“

Aber auch bei den Haustieren werde darauf geachtet, dass sie sich nicht unkontrolliert vermehren. Und was die noch auf dem Grundstück lebenden Tiere angeht, die bei der Räumungsaktion gefunden wurden, wird das weitere Vorgehen geprüft. Eine Entscheidung steht noch aus. Jedenfalls könne es nicht sein, dass bundesweit versucht werde, etwa die Taubenpopulation zu verringern, während die Frau auch diese Tiere aufpäppelt und wieder frei lässt. So oder so werde an einem Verfahren gegen die Frau kein Weg vorbei führen.

Derweil werde zusammen mit den Kollegen der Unteren Naturschutzbehörde noch überlegt, wo für die Winterzeit kranke Wildtiere untergebracht werden können, damit die Bürger einen Ansprechpartner haben.

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Frau übt scharfe Kritik an den Behörden

Gordana Zabel – ihren Namen will sie jetzt doch wieder genannt haben – übt jedenfalls scharfe Kritik an den Behörden. Nicht nur, dass sie von der Situation in ihrer Auffangstation gewusst hätten, ohne ihr zu helfen. Vielmehr hätten sie sich ohne Beschluss Zutritt verschafft, die Tiere weggenommen und gesagt, etwas Schriftliches gebe es später. Dagegen will sie juristisch vorgehen. Dass womöglich Geld verschwunden sei, wolle sie aber niemandem anlasten. Jedenfalls fühle sie sich wie eine Schwerverbrecherin und Tierquälerin behandelt, „ich bin kurz vor dem Nervenzusammenbruch“.

Dabei habe sie ihr Leben den Tieren gewidmet, seit die berufsunfähig sei, und viel Geld aufgewendet. Die Behörden spielten sich nun als Retter der Tiere auf – es seien auch weniger bei ihr gefunden worden als von offizieller Seite angegeben – und hätten doch nichts getan, um ihre Lage zu verbessern. Ein paar alte und krankte Tiere habe sie nicht ausgewildert, aber nur, damit sie „nicht zu Katzenfutter werden“. Nun sei ihr zu allem Übel auch noch ihre Pflegetochter weggenommen worden, kritisiert Zabel.

Veterinäramt: Es bestand Gefahr für das Wohl der Tiere

Schubert jedoch erklärt, dass das Gesetz dem Amt das Recht zur Nachschau gebe, also zu prüfen, ob es den Tieren gut geht. Und da die Frau die Mitarbeiter eingelassen habe, hätten sie sich umgeschaut – hätte sie den Zutritt verweigert, wäre ein offizieller Beschluss nötig gewesen. Weil Gefahr für das Wohl der Tiere bestanden habe, wurde sofort gehandelt, ein Schriftstück vom Amt werde ihr noch zugestellt. Und was das Pflegekind angeht: Antonia Wieland, Leiterin des Jugendamts, sagt: „So stimmt das nicht.“ Zabel habe im Rahmen einer Gastfamilie eine behinderte Mutter und deren Kind aufgenommen – kein Pflegekind. „Das Gastfamilienverhältnis ist wegen der fürs Kind gefährdenden Zustände auf dem Anwesen aufgelöst worden, die Mutter und ihr Kind sind woanders untergekommen“, erklärt sie. Die Wohnung der beiden habe aber besser ausgesehen als der Rest.

Auch der Tierschutzverein Günzburg weist die von Zabel geäußerte Kritik der unterlassenen Unterstützung zurück. Die stellvertretende Vorsitzende und Tierheimleiterin Isabel Seitz sagt, es sei nur bekannt gewesen, dass die Frau Igel und Wildvögel aufpäppelt. Dass es mehr Tiere waren, sei später an den Verein herangetragen worden und er habe versucht, bei der Vermittlung zu helfen. „Aber sie wollte die Tiere nicht rausgeben.“ Alles weitere sei über den Amtstierarzt gelaufen, „wir wurden nur für den Transport nach der Räumung angefragt“.

Kritik an Gordana Zabel

Alexandra Rentsch aus Kötz findet gut, wie das Amt gehandelt hat. Sie habe die Behörde auf die Zustände in der Auffangstation aufmerksam gemacht. Als sie im Dezember für eine Futterspende dort gewesen sei, hätten in einem Raum auf drei Etagen in U-Form mindestens 20 Meerschweinchenkäfige mit jeweils fünf bis sieben Igeln gestanden, nur mit Zeitungspapier ausgelegt. „Die Tiere sind in ihren Ausscheidungen geschwommen.“ Sie habe Zabel Hilfe angeboten und ihr gesagt, dass es nicht gut sei, die Igel nur mit Katzenfutter und Eiern zu füttern.

Seit März habe sie dann darauf gedrängt, dass sie ausgewildert werden. „Ich habe ihr gesagt, die Tiere finden genug Würmer, Insekten und Schnecken, und sie sagte, die seien nicht gut für die Igel.“ Ein Eichhörnchen habe zudem Wurst, Käse und Butterkekse bekommen, eines der Tiere habe Zabel gar zugekauft. „Sie hat sich in Lügen verstrickt und ich habe das Veterinäramt informiert. Leute wollten sogar Igel haben und sie hat sie nicht hergegeben.“

Tierschützerin unterstützt sie

Unterstützung bekommt Zabel hingegen von Christa Schneider, die lange Vorsitzende im Tierschutzverein Thannhausen war. Sie sei entsetzt, „wie jemand, der sich selbstlos für die Tiere liebevoll Tag und Nacht eingesetzt hat, nun ange-prangert wird und sogar noch dafür bestraft werden soll. Wie viele Tiere hätten wohl ohne diesen Einsatz überlebt, und was wird jetzt mit den Tieren, die nicht mehr aufgenommen werden dürfen?“ Jeder sei froh gewesen, dass er kranke und verletzte Tiere abgeben konnte, „aber keiner hat geholfen und sich Gedanken gemacht, wie die Frau das alles schafft, nicht nur arbeitsmäßig, sondern auch finanziell“.

Schneider betont, dass bei ihrem Besuch im November 2016 alles in Ordnung gewesen sei – Schubert erklärt dazu, bei der Kontrolle des Veterinäramts sei das nun eben nicht der Fall gewesen. „Ich frage mich schon“, so Schneider, „warum sich immer wieder Privatpersonen für Wildtiere und andere Tiere einsetzen müssen. Warum gibt es keine Auffangstationen, die von staatlicher Seite mit Fachkräften besetzt, bezahlt und gefördert werden?“ Es sei leicht, anderen die Schuld zuzuweisen, wenn wegen Überforderung etwas aus dem Ruder laufe. „Anstatt anzuprangern und zu verurteilen, sollte man sich hier einmal Gedanken machen, es besser zu machen.“

Wo es Hilfe gibt

Wie Max Schubert betont auch Carola Bollinger, Fachbereichsleiterin Umweltschutz und somit der Unteren Naturschutzbehörde, dass nichts dagegen einzuwenden sei, wenn jemand kranke Tiere aufpäppelt – wenn sie dann ausgewildert werden. Es gebe mitunter auch Hilfe durch die Behörde, am besten sei es aber, wenn man den Tieren einen Unterschlupf im Garten und Futterbeigaben anbietet. „Man muss sie nicht ins Wohnzimmer holen.“ Und wer etwa einen Vogel mit einem gebrochenen Flügel findet, sollte das Tier zum Tierarzt bringen.

Wer ein krankes Wildtier findet und sich nicht sicher ist, wie ihm geholfen werden kann, soll das Landratsamt unter Telefon 08221/95-312 kontaktieren. Bei gefundenen kranken Haustieren hilft das Tierheim Günzburg, Telefon 08221/30331, weiter.

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