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Günzburg

02.05.2019

Notker Wolf in Günzburg: Wie Menschen zu Mutbürgern werden

Notker Wolf, der ehemalige Abtprimas der Benediktiner, stellte in Günzburg auf Einladung der Volkshochschule sein Buch „Schluss mit der Angst – Deutschland schafft sich nicht ab!“ vor.
Bild: Martin Gah

Der Benediktiner Notker Wolf präsentiert in Günzburg sein Buch „Schluss mit der Angst“. Er fordert einen interreligiösen Dialog.

Deutschland schafft sich nicht ab!“ lautet der Untertitel seines Buches „Schluss mit der Angst“, das der Benediktinermönch Notker Wolf auf Einladung der Volkshochschule im Forum am Hofgarten in Günzburg vorstellte. Dieses richtet sich nicht nur gegen die Pauschalierungen über Muslime eines Thilo Sarrazin, sondern gegen die Angstschürereien in vielen Bereichen – zum Beispiel vor einer neuen Wirtschaftskrise, vor Jobverlust, vor Armut und Terror.

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Wolf plädiert für die Bewältigung der Flüchtlingskrise und anderer gesellschaftlicher Probleme durch interreligiösen Dialog und einen Optimismus, der aus dem christlichen Glauben schöpft. Er blickt auf die deutschen Befindlichkeiten mit reichlich internationaler Erfahrung. Von 2000 bis 2016 war er Abtprimas des Benediktinerordens mit Sitz in Rom und damit höchster Repräsentant von mehr als 800 Klöstern und Abteien weltweit.

Fragen an Muslime müssten erlaubt sein

Deutschland tue sich mit dem von Wolf geförderten interreligiösen Dialog aus zwei Gründen schwer: Zum einen aufgrund der säkularisierten Gesellschaft in Deutschland, die die Religion weitgehend tabuisiert. Zum anderen wurde und werde der interreligiöse Dialog falsch verstanden: „Toleranz bezieht sich nicht auf die theoretische Wahrheit, sondern auf den konkreten Pluralismus von Menschen mit unterschiedlichen Glaubensüberzeugungen.“ Als Maßstab für den interreligiösen Dialog fordert der promovierte Philosoph Wolf das sokratische Denken, das alles tabulos hinterfragt.

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Fragen an Muslime müssten, so Wolf, erlaubt sein, da sie unsere freiheitliche Demokratie und Rechtsstaatlichkeit genießen. Die katholische Kirche sieht Wolf für den interreligiösen Dialog gut aufgestellt aufgrund der Dokumente des Zweiten Vatikanischen Konzils über das Verhältnis zu anderen Religionen sowie über die Religionsfreiheit. Obwohl sich Konferenzen von Vertretern des Islam vom islamistischen Terror distanzieren, würden von dieser Seite bisher solche Dokumente fehlen, sagt Wolf.

Wie steht es um die Religionsfreiheit für Christen?

Außerdem gebe es für Christen in Teilen der arabischen Welt nur eingeschränkte oder gar keine Religionsfreiheit. Und noch mit einer weiteren Entwicklung beschäftigt sich Notker Wolf: den Wutbürgern. Wut zu artikulieren, hält Wolf nicht für grundsätzlich schlecht, aber er erinnert an die Devise seines Ordensgründers: Maß halten! Wie die Muslime müssten sich auch die Wutbürger Fragen stellen lassen, zum Beispiel: Was wollt ihr stattdessen? Wie wollt ihr die Lage ändern? Wie wollt ihr das anpacken? So würden aus Wutbürgern Mutbürger, lautet Wolfs Devise. Mutbürger seien Menschen, die andere begeistern könnten. Dazu gehöre auch die Günzburger Vhs-Leiterin Petra Demmel.

Um Mutbürger zu sein, brauche es Vertrauen, das man aus dem Glauben schöpfen könne. Als Beispiel erzählte er dazu mit schwäbischem Dialekt gefärbt die Geschichte von den Jüngern auf dem See. Als ihr Schiff in ein schweres Unwetter gerät, wecken sie den schlafenden Jesus auf. Der sagt: „Ihr Kleingläubigen!“ und beruhigt den Sturm. Nach seinem Vortrag stellte sich Wolf den Fragen der Zuhörer und signierte Bücher, deren Verkauf die Buchhandlung Hutter organisiert hatte. Am 9. Mai um 19 Uhr ist Wolf nochmals in unserer Region. Im Kaisersaal Wettenhausen referiert er zum Thema Wertewandel.

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