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18.11.2017

Roboter lösen keine Probleme

Was passiert, wenn elektronische Helfer wie Amazons Alexa ein Eigenleben entwickeln?
Bild: Franziska Gabbert/dpa

Künstliche Intelligenz ist Thema beim Kloster-Campus

Das ist die Kernbotschaft, die die Bamberger Professorin und ehemalige Schülerin des St.-Thomas-Gymnasiums Ute Schmid bei ihrem Vortrag über „Künstliche Intelligenz (KI) und wie sie unser Leben verändert“ in der gut besuchten Studierstube des Klosters der Dominikanerinnen in Wettenhausen vermittelte: „Sie sind die, die die Welt gestalten. Seien Sie politisch, engagieren Sie sich und warten Sie nicht darauf, dass Roboter die Probleme für Sie lösen!“

Alexa, Cortana und Google-Assistent beantworten unsere Fragen, regeln unsere Termine, schreiben Einkaufslisten oder spielen unsere Lieblingsmusik; autonom fahrende Autos erleichtern uns das Autofahren, Haushalts- und Pflegeroboter könnten schon bald ihren Siegeszug in den Familien antreten. Was aber, wenn das Alexa durch selbstständiges Abspielen zu lauter Musik einen Polizei-Einsatz auslöst, das Auto einen tödlichen Unfall verursacht, weil eben weiße LKW-Planen nicht als Hindernis gespeichert sind oder der Hausherr sich in seinen Haushaltsroboter verliebt?

Menschen nutzen im Gegensatz zu Künstlicher Intelligenz den Kontext, sagt Ute Schmid, sie erkennen Objekte unter wechselnden Bedingungen, sie passen sich Veränderungen in den Anforderungsbedingungen an und verstehen die Mehrdimensionalität von Aussagen. Menschen lernen anders als Maschinen: Menschliches Lernen ist die Veränderung von Wissen und Fertigkeiten mittels der Erfahrung. Lernen ist dauerhaft und schafft Kompetenz. „Dass wir Menschen lernen können, ist das Tollste, was wir haben!“, betont die Professorin und verweist in den klösterlichen Räumlichkeiten in Respekt vor ihrer ehemaligen Lehrerin und derzeitigen Priorin damit auf das Leib-Seele-Problem. Ergänzend fügt sie hinzu: Nur Menschen können interpretieren, bewerten, entscheiden. Künstliche Intelligenz hat kein Bewusstsein und keine Gefühle.

Der von der Oberstufenschülerin Patricia Sonnauer auf unterhaltsame Weise eingeleitete Vortrag gewinnt mit einem Mal an philosophischer Tiefe und argumentiert mit scharfer wissenschaftlicher Präzision, ohne dabei mit Fachbegriffen zu verwirren. Die bunt gemischte Zuhörerschaft vermag der von Begeisterung für ihr Fach und das Lernen sprühenden Referentin dank der Klarheit ihrer Sprache mit Leichtigkeit zu folgen, wenn sie ihre Forschungsprojekte vorstellt: Da wäre beispielsweise die Entwicklung eines Programms zum Erlernen der schriftlichen Subtraktion für Drittklässler; das Programm erkennt die Art der Denkfehler, denen die Schüler unterliegen und stellt darauf ausgerichtete Übungen zusammen.

Die Referentin verleiht mit dem Verweis auf die KI-Forschung in den Vereinigten Staaten ihrer Erleichterung Ausdruck, hier im zivilen Rahmen forschen zu dürfen; in Amerika ist die KI-Forschung finanziell in militärischer Hand. Hoffnung, dass künstliche Intelligenz „die Dummheit der Menschen ausgleicht“, hat Ute Schmid nicht, und sie wendet sich ausdrücklich an die jugendlichen Zuhörer mit dem Verweis auf ihre Verantwortung für ihre eigene Zukunft. (zg)

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