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Gemeinderat

08.11.2019

Schadstoffe im Boden gefunden

In der Kötzer Waldsiedlung sollen Wasserleitungen, Kanal und Straße erneuert werden. Giftiges Material macht die Sanierung um etwa 190000 Euro teurer

Aromatisch bedeutet nicht automatisch gut. Das trifft auch auf das Vorhaben der Gemeinde Kötz zu, die in der Waldsiedlung den längst fälligen Neubau von Kanal, Wasserleitung und Straßen anpacken will. Problematisch ist nämlich, dass der vorhandene Bitumenbelag der Straßen in der Waldsiedlung teerhaltig ist und Polycyclische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) enthält.

Um welche Stoffe es sich genau handelt, wurde in der Gemeinderatssitzung nicht gesagt. Zahlreiche PAK sind nachweislich krebserregend. Das erfordert bei der Sanierung in der Waldsiedlung einen speziellen Umgang mit dem ausgebauten Straßenbelag. Ausbau, Zwischenlagerung, Beprobung und Beseitigung des teerhaltigen Straßenbelags bringen zusätzliche Kosten in Höhe von etwa 190000 Euro, sodass die Maßnahme laut Planer Klaus Habersetzer bei geschätzt gut 860000 Euro liegen wird.

Weniger Sorgen macht dem planenden Ingenieur Klaus Habersetzer vom Büro Degen dagegen die Vergangenheit der auf Bombentrichtern errichteten Waldsiedlung. Untersuchungen haben ergeben, dass nicht mit Kampfmittelfunden im Boden zu rechnen sei, sagte Habersetzer in der Gemeinderatssitzung, Vorsicht sei aber trotzdem angeraten.

Die Baugrunduntersuchung brachte ein erfreuliches Resultat: Im Untergrund liegt kiesiges Material. Der Bitumenbelag der Straßen hingegen ist teerhaltig, auch Auswaschungen von PAK in den Untergrund wurden festgestellt. Vier Stellen wurden exemplarisch untersucht und Schadstoffe 70 Zentimeter bis zwei Meter tief im Boden gefunden. Beim auszubauenden Bitumen sei eine Schadstoffklasse von mindestens Z2 zu erwarten, sagte Habersetzer, das Material muss zwischengelagert und beprobt und speziell entsorgt werden. Neben höheren Baukosten bedeutet das für die Gemeinde Kötz auch „eine logistische Herausforderung“ (Habersetzer), zumal erst eine für die Zwischenlagerung geeignete Fläche gefunden werden muss.

Für die Abwasserbeseitigung ist die Waldsiedlung 2005 über die Industriestraße an den Kanal angeschlossen worden, teilweise sind dabei auch die Straßen erneuert worden. Allerdings sind Kanäle laut Habersetzer undicht und haben relativ viele Schäden, die Wasserleitung muss in Zusammenhang mit der vor über zehn Jahren erfolgten Aufnahme in den Wasserversorgungsverband Rauher Berg auch erneuert werden. Das vorhandene Trennsystem, das Brauchwasser und Oberflächenwasser separat ableitet, soll in der Waldsiedlung beibehalten werden, schlug der Planer vor.

Allerdings machte er darauf aufmerksam, dass Wasserleitungen und Kanäle teilweise nicht nur in öffentlichem, sondern auch in privatem Grund verlegt sind. Ebenso liegen ein- und zweizeilige Straßenrandbefestigungen teilweise auf Privatgrund. Auch die bisher ebenfalls teilweise auf Privatgrund geplanten Glasfaserleitungen solle die von den LEW beauftragte Firma Vitronet in öffentlichem Grund verlegen, riet Habersetzer.

Die bestehende Fahrbahnbreite von 4,90 bis sechs Metern hält er für ausreichend, dass sogar Begegnungsverkehr zwischen Lastwagen und Pkw möglich ist. Habersetzer empfahl aber, auf Gehwege in der Waldsiedlung zu verzichten.

Einzeiler mit vielen Fugen als seitliche Befestigung und Abschluss der Straßen bezeichneten die Gemeinderäte Norbert Ritter und Richard Lochbrunner als problematisch. Ritter plädierte dafür, lieber Tiefborde zu verlegen. Weil intakte ein- und zweizeilige Straßenrandbegrenzungen nach Möglichkeit erhalten werden sollen, sagte Planer Habersetzer auf Wunsch der Gemeinderäte zu, die Mehrkosten für die Verlegung von Tiefborden auszurechnen. Allerdings habe man dann eben auch kein einheitliches Bild mehr, gab er zu bedenken.

Alte Kanäle, egal ob in privatem oder öffentlichem Grund, sollen mit Füllmaterial verdämmt werden. Neu gebaut werden müssen etwa je 270 Meter Schmutzwasserkanal und Wasserleitung, beim Regenwasserkanal müssen etwa 230 Meter erneuert werden. Die Gemeinderäte beschlossen unter Sitzungsleitung des Dritten Bürgermeisters Valentin Christel einstimmig, Klaus Habersetzer mit der Planung zu beauftragen. Er will bis zum Jahresende die Ausführungsplanung vorlegen, sodass Anfang 2020 die Arbeiten ausgeschrieben werden können. Klappt es mit dem Baubeginn Mitte März, dann könnten die Kanäle, Wasserleitung und Straßen in der Waldsiedlung Mitte Dezember 2020 erneuert sein, sagte Habersetzer.

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