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Ichenhausen

19.11.2019

Schüler leisten modellhaften Beitrag gegen Judenfeindlichkeit

An die Opfer der Reichspogromnacht vor 81 Jahren wurde bei einer Gedenkstunde in der ehemaligen Synagoge in Ichenhausen erinnert. Mitwirkende waren auch Schülerinnen und Schüler des Dossenberger-Gymnasiums Günzburg.
Foto: Greta Kaiser

Das Projekt des Günzburger Dossenberger-Gymnasiums erfährt in Ichenhausen viel Anerkennung.

Die Besucher der Gedenkstunde zur Reichspogromnacht waren erkennbar beeindruckt. „Was ich hier gehört und gelernt habe, ist ein Geschenk“, erklärte der ehemalige Kultusminister Ludwig Spaenle. Der evangelische Pfarrer Stefan Berlin sowie Schülerinnen und Schüler des Dossenberger-Gymnasiums präsentierten in der ehemaligen Synagoge Ichenhausen ihren Lernzirkel Judentum. Was an der Günzburger Schule geleistet werde, verdiene größten Respekt und sei ein wichtiger Beitrag gegen die Judenfeindlichkeit. Spaenle kündigte an, dieses Projekt beim gestrigen Treffen der Beauftragten gegen Antisemitismus von Bund und Ländern als modellhaft und nachahmenswert vorzustellen.

Seit 20 Jahren gibt es den mehrfach ausgezeichneten Lernzirkel Judentum. Unter anderem wurde das Projekt mit der „Silberdistel“ unserer Zeitung gewürdigt. Immer während der Woche der Brüderlichkeit unterrichten Gymnasiasten der neunten Klasse Grundschüler der vierten Klassen. Mehr als 2000 „Dossis“ haben seitdem mit mehr als 20600 Kindern zum Thema Judentum gearbeitet – zum gegenseitigen Nutzen, wie Pfarrer Berlin, der am Gymnasium unterrichtet und zusammen mit Studiendirektor Michael Salbaum das Projekt leitet, in Wort und Bild erläuterte.

Grundschülern wird Wissen über das Judentum vermittelt

In der Synagoge und im früheren Rabbinatshaus werden den Grundschülern jüdische Feste und Feiern erläutert, vermittelt werden die Bedeutung von Synagoge, Mikwe (das rituelle Tauchbad) und die Heiligen Schriften oder die Lebensgeschichte der Ichenhauser und anderer Juden. Bei Exkursionen auf den jüdischen Friedhof wird erklärt, wie Juden ihre Toten begraben und ehren.

Das alles sei mehr als Unterricht, betonte Pfarrer Berlin. „Es ist eine Herzenssache.“ Eine, die auf fruchtbaren Boden falle. „Wir erzählen Geschichte und Geschichten.“ Nicht zuletzt vom Leben der Juden in Ichenhausen, die vor der Nazi-Herrschaft als anerkannte Bürger die Stadtgesellschaft maßgeblich mitgeprägt hatten.

Vermittlung von Toleranz steht im Mittelpunkt

Auch die Gymnasiasten schilderten, mit welcher Begeisterung alle Beteiligten bei der Sache sind. „Und alle haben auch Spaß.“ Einer der Schüler fasste zusammen, was für ihn neben der Vermittlung von Wissen über das Judentum der zentrale Punkt des Projekts ist: Die Vermittlung von Toleranz im Umgang mit den Mitmenschen, einzutreten gegen Intoleranz in jeglicher Form.

Dass es gelinge, so viele Kinder und Jugendliche anzusprechen, mache Mut und Hoffnung, betonte der KAB-Kreisverbandsvorsitzende Reinhold Reibl. Ähnliche Lobesworte fand dafür auch Margaretha Hackermeier. Namens der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit überreichte sie Pfarrer Berlin eine Spende – als Beitrag für einen von den Mitgliedern des Lernzirkels noch zu feiernden schönen Abend.

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