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Günzburg

26.03.2020

Selbstversuch: Als Ballphobikerin beim Tennisclub Günzburg

Alina Heindl hatte noch nie einen Tennisschläger in der Hand. Beim Tennisclub Günzburg will sie ihre Ballphobie bekämpfen.

Plus Bevor das sportliche Leben zum Erliegen kam, war unsere Mitarbeiterin bei einem Tennis-Schnupperkurs des TC Günzburg dabei. Und das als Ballphobikerin.

Vorab gesagt: Ich habe sicher einige Stärken, aber der Umgang mit Bällen jeglicher Art gehört nicht dazu. Man könnte fast sagen, sie machen mir etwas Angst. Deshalb bin ich relativ nervös, als ich die Halle des Tenniclubs Günzburg betrete. Die freundliche Begrüßung von Trainerin Birgit Ponicki beruhigt mich zum Glück ein bisschen. Sie trainiert normalerweise die Jugend, unter anderem die ganz kleinen Kinder. Das erleichtert mich noch mehr, denn ungeschickter als eine Vierjährige kann ja selbst ich mich nicht anstellen. Oder doch?

Nachdem ich umgezogen bin, gehe ich mit den vier anderen Schnupperkurs-Teilnehmern, alle männlich, in die Halle und Ponicki fragt uns nach unseren bisherigen Erfahrungen im Tennis. In meinem Fall: keine. Sie hat trotzdem genug Vertrauen in mich, um mir direkt einen Tennisschläger in die Hand zu drücken.

Der Schläger ist leichter, als ich dachte und mit einem kleinen Emoji markiert. Dieser macht einen Gesichtsausdruck, den man auf gut Schwäbisch wahrscheinlich als deppad bezeichnen würde. Ob das ein Omen für mein späteres Spielgeschick ist? „Wir spielen heute nur mit Kinderbällen“, sagt Birgit Ponicki. Die seien leichter und weicher. Gut, denke ich mir, Verletzungsgefahr erst mal gebannt.

Selbstversuch: Als Ballphobikerin beim Tennisclub Günzburg
Was der Smiley auf dem Schläger wohl bedeutet?
Bild: Bernhard Weizenegger

Beim Aufwärmen werden die Bälle nur geworfen

Diese Kinderbälle werfen wir zum Aufwärmen nur. Schön von unten, weil das der Bewegung der späteren Schlägerführung entspricht. Dann spielen wir ein Spiel, bei dem wir alle im Kleinfeld, dem gekennzeichneten Bereich nahe am Netz, stehen und den Ball so rüber werfen sollen, dass die andere Mannschaft ihn nicht fangen kann. Dabei kommen bei mir bereits die ersten traumatischen Erinnerungen an das Werfen im Schulsport hoch und die Kommentare, dass ich werfe wie ein Mädchen.

Abgelenkt werde ich allerdings von meinem Teamkameraden rechts neben mir, der mit vollem Einsatz beim Versuch, den Ball zu fangen, stürzt und mit der Stirn auf den roten Sandboden knallt. So viel zur gebannten Verletzungsgefahr.

Anschließend geht es an die Schläger. Wir legen sie auf den Boden, und so, wie wir sie aufheben, sei die richtige Handhaltung, erklärt Ponicki. Sie gibt uns Bälle an, lässt sie vor uns auf dem Boden aufkommen und wir sollen sie dann mit der Vorhand übers Netz spielen. Vorhand heißt, dass man den Ball auf der Seite der starken Hand spielt. Ich reihe mich an vierter Stelle ein. Die drei Männer vor mir schlagen die Bälle mit einer Kraft und Eleganz übers Netz, bei deren Anblick mir mein Herz fast in die Trainingshose rutscht. Ich dachte, es sei ein Anfängerkurs, die spielen aber im Vergleich zu mir bereits wie Roger Federer.

Die Kraft in den Armen lässt zu wünschen übrig

Als dann ich dran bin, treffe ich den Ball zwar, schleudere ihn aber ziemlich lahm gegen das Netz. Ich verfluche mich innerlich dafür, im Fitnessstudio immer das Armtraining ausgelassen zu haben. Nach einigen Anweisungen durch Ponicki, rechtzeitig und ausgiebig Schwung zu holen und den Schläger bis zur gegenüberliegenden Schulter durchzuziehen, schaffe ich es dann aber auch, den Ball übers Netz zu manövrieren. Die Trainerin lobt mich sogar. Wie sie mir später erklärt, muss ich mich auch nicht schlecht fühlen, da Männer im Tennis viel durch Kraft ausgleichen, was viele Frauen nur durch die richtige Technik bewerkstelligen können.

Trainerin Birgit Ponicki zeigt, wie es richtig geht.
Bild: Bernhard Weizenegger

Danach üben wir die Rückhand. So schlägt man einen Ball, den man auf der Seite der nicht führenden Hand annimmt. Die könne man sowohl mit einer, als auch mit zwei Händen am Schläger spielen, erklärt Ponicki. Dann schaut sie mich prüfend an und sagt: „Dir würde ich zwei Hände empfehlen.“ Nach meiner bisherigen, im wahrsten Sinne des Wortes, schwachen Leistung verständlich. Ich hätte auch die Vorhand am liebsten schon mit beiden Händen gespielt.

Tipps von der Trainerin helfen

Bei dieser Übung ist es wieder wichtig, ordentlich Schwung zu holen, den Ball immer im Blick zu behalten und für einen besseren Winkel in die Knie zu gehen. Genau wie bei der Vorhand bin ich zwar die Schwächste in der Runde, verbessere mich aber dank Trainerin Birgit Ponickis Tipps und Anweisungen im Laufe der Übung und schaffe schließlich einige ganz ordentliche Schläge.

Alina Heindl mit einer starken Rückhand!
Bild: Bernhard Weizenegger

Als Nächstes spielt die Trainerin uns Bälle zu und wir müssen sie zurückspielen, zweimal Vorhand und zweimal Rückhand. Ich kriege den Ball sogar meistens übers Netz, schaffe ein paar gute Bälle und werde gelobt. Endlich ein Erfolgserlebnis! Dann der Schreckensmoment: Ich spiele den Ball zurück und er fliegt zielgenau und in rasender Geschwindigkeit auf das Fenster zum Vorraum zu. Ich bete zu allen möglichen Göttern, dass die Scheibe bruchsicher oder unsere Zeitung gut versichert ist. Aber der TC Günzburg ist, wie es scheint, auf Spieler wie mich vorbereitet und die Scheibe bleibt ganz.

Volleys werden zur Herausforderung

Gerade als ich mir angewöhnt habe, richtig Schwung zu holen, fangen wir eine Übung an, bei der man genau das nicht machen soll: sogenannte Volleys. Dabei pariert man die Bälle nahe am Netz und muss den Schläger immer oben halten, damit man den Ball, falls er auf das Gesicht zurast, noch abwehren kann.

Das Abziehen des Sandplatzes gehört zur letzten Handlung, bevor der Platz nach der Trainingsstunde verlassen wird.
Bild: Bernhard Weizenegger

Die Technik brauche man zum Beispiel beim Doppel. Hab ich verstanden, denke ich. „Nein, den Schläger direkt vor dein Gesicht halten“, verbessert mich Ponicki, als ich selbstbewusst mit seitlich erhobenem Schläger ans Netz trete. Ich habs wohl doch nicht verstanden und bin jetzt etwas beunruhigt. Im Gesicht getroffen werde ich dann zwar nicht, bekomme aber beim Bälleholen das ein oder andere Mal die Schüsse meiner Mitspieler ab. Zum Glück spielen wir mit Kinderbällen.

Platz bahnen? Keine Ahnung, wie das geht

Nach den Volleys ist die Stunde schon aus. Ponicki weist an, dass drei Leute die Bälle holen gehen und die anderen zwei den Platz bahnen, damit der Sand wieder ebenmäßig und von Fußabdrücken befreit ist. Ich laufe schnell zu den Bällen, weil ich keine Ahnung habe, wie man so einen Platz bahnt.

Birgit Ponicki verabschiedet uns und ich verlasse die Halle weitestgehend unbeschadet. Das Einzige, was etwas gelitten hat, ist mein Ego. Vielleicht hatte ich insgeheim doch gehofft, dass tief in mir eine Serena Williams schlummert. Spaß hat es mir trotzdem gemacht. Und was nicht ist, kann ja noch werden.

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