Newsticker

Coronavirus: Mehr als 120.000 Infizierte in den USA - über 10.000 Tote in Italien
  1. Startseite
  2. Lokales (Günzburg)
  3. Welche Bedeutung Wasser für Günzburg hat

Günzburg

20.07.2019

Welche Bedeutung Wasser für Günzburg hat

Günzburgs Wassergeschichte ist interessant und vielfältig, wie Stadtrat Manfred Proksch bei einem Vortrag in Wort und Bild erläuterte.
Bild: Kaiser

Wie wichtig die Nutzung der Wasserkraft in Günzburg über viele Jahrhunderte war, beleuchtet Manfred Proksch. Ihm geht es dabei aber auch um die Zukunft. Zum Weltkulturerbe wird es dabei nicht ganz reichen.

Die Augsburger Wasserwege sind kürzlich zum Weltkulturerbe ernannt worden ( Augsburger Wassermanagement-System nun Welterbe) . Ganz so weit dürfte es Günzburg nicht bringen. Trotzdem: Unsere Urahnen wussten, warum sie sich am Zusammenfluss von Donau, Günz und Nau niedergelassen hatten. Wie wichtig die Nutzung der Wasserkraft über die Jahrhunderte für die Entwicklung Günzburgs war, beleuchtete Stadtrat Manfred Proksch in Wort und Bild bei einem eineinhalbstündigen Vortrag am Donnerstagabend im voll besetzten Rokokosaal des Heimatmuseums. Der Referent beließ es nicht bei einem Rückblick. Vielmehr formulierte er einige Vorschläge, wie Günzburgs Wassergeschichte noch stärker ins Bewusstsein der Bevölkerung gerückt werden könnte.

Die Kraft des Wassers nutzten schon die Römer

Schon die Römer wussten die Kraft des Wassers im einstigen Gontia zu nutzen. Beleg ist ein von Müllern gestifteter Opferaltar, geweiht dem Wassergott Neptun. Er war in der Günz gefunden worden, zu sehen ist er im Heimatmuseum. Über das Mittelalter bis gegen Ende des vorigen Jahrhunderts sei die Nutzung der Wasserkraft für Günzburg „von zentraler Bedeutung“ gewesen, betonte Stefan Baisch, der Vorsitzende des Historischen Vereins, bei der Begrüßung der zahlreichen Zuhörer. Der Verein und Museumsleiter Raphael Gerhardt hatten den Vortrag organisiert.

In akribischer, teils detektivischer Arbeit hat Manfred Proksch die - buchstäblich - Quellen der Günzburger Wassergeschichte zusammengetragen und in seinem Vortrag mit einer Fülle von alten Karten, Zeichnungen und Fotos illustriert. Über die Jahrhunderte standen vor allem entlang von Günz und Butzengünz sowie deren Kanälen zahlreiche und unterschiedlichste Mühlen. Mahl-, Öl-, Papier-, Säge-, Schmiede- oder Weberei- und Wollfilzmühlen sind nachweisbar. Einige von ihnen gab es auch in Wasserburg und Denzingen. Ohne die Wasserkraft der Günz wäre es auch kaum möglich gewesen, in Günzburg die Maria-Theresia-Taler zu prägen, führte Proksch aus. Säße Günzburg auf dem Trockenen, die Stadtgeschichte wäre anders verlaufen, mancher wirtschaftliche Aufschwung wäre zumindest so nicht möglich gewesen.

Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.
Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.

Der Niedergang der Baumwollindustrie begann in den 1970er Jahren

Einen letzten Höhepunkt erlebte die Nutzung der Wasserkraft mit der 1882 in Günzburg angesiedelten Süddeutschen Baumwollindustrie (SBI). Bis zu 800 Menschen waren in dem Großbetrieb an der Günz entlang der Ichenhauser Straße beschäftigt, mehr als 500 Webstühle standen zuletzt in den Hallen. Der Niedergang begann in den 1970er Jahren, 1983 schlug das letzte Stündlein der zwischenzeitlich in Esbi umbenannten Firma. Das einstige Betriebsgelände ist inzwischen mit Wohnhäusern bebaut, auch Amtsgericht und Arbeitsagentur fanden dort ihren neuen Platz.

Im Wasserkraftwerk der SBI hatte ein großer Generator für Strom gesorgt. Er ist das einzige Überbleibsel des Unternehmens, derzeit deponiert im städtischen Bauhof. Gegen den Abbruch des Wasserkraftwerks 1999 hatten sich zahlreiche Bürgerinnen und Bürger gestemmt - rückblickend und in Zeiten der Energiewende wäre es schlau gewesen, das Kraftwerk zu belassen und in städtischer Hand zu behalten. „Aber es ging damals um viel Geld“, erklärte Proksch.

Seit einigen Jahren gibt es einen Wasserrundweg in der Unterstadt. An sieben Stationen können Interessierte Günzburgs Wassergeschichte erkunden. Teil des Rundgangs sollte nach den Vorstellungen von Manfred Proksch der einstige SBI-Generator werden. Dabei sei nicht nur der Stadtrat gefordert. Um Förder- und Spendengelder beizutreiben, müsste wohl ein Freundeskreis gegründet werden. Dem Schlussbeifall nach zu schließen, könnte der Wunsch von Manfred Proksch auf fruchtbaren Boden fallen.

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren