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Illertissen

08.10.2013

Die hohe Kunst des langen Atems

Markus Becker am Flügel und Albrecht Mayer mit dem Englischhorn, dem Alt-Instrument aus der Familie der Oboen, begeistern das Publikum vom Freundeskreis „Kultur im Schloss“ mit Kammermusik in der Festhalle des Kollegs.
Bild: Regina Langhans

Oboist Albrecht Mayer bringt Publikum zum Träumen. Ein Weckruf, wenn Markus Becker über die Tasten fegt

Dem Solo-Oboisten, ehemals bei den Bamberger Symphonikern und Berliner Philharmonikern, fiel es nicht schwer, mit virtuoser Tonkunst das Publikum zu verzaubern. Er bringt sein Holzblasinstrument zum Singen, Jubeln und Klagen, lässt den Klang im Raum stehen oder sterben, bis zur letzten, kaum wahrnehmbaren Schwingung. Gerade die anspruchsvollen, häufiger auf der Geige gespielten Romanzen mit vielen gebundenen Noten spielte Mayer, ohne abzusetzen oder erkennbar Luft zu holen. Fast schien da vor Spannung auch dem Publikum der Atem zu stocken. Mayer blies die Töne so gleichmäßig und dicht, wie sie ein Geigenspieler mit dem Bogen nicht enger hätte binden können. Lang anhaltender Beifall war der Dank.

An Mayers Seite Markus Becker, der ihn am Flügel gefällig begleitete, dem Kammermusikabend im Solospiel aber auch selbst markante Akzente zu geben wusste. Das glänzend eingespielte Duo in der nicht alltäglichen Kombination von Oboe und Klavier kennt sich aus dem Studium in Hannover seit fast 30 Jahren und wusste bestens zu amüsieren: Mayer als umschwärmter Oboenvirtuose und Moderator fränkischer Färbung, und Becker, der anpassungsfähige Begleiter, seines Zeichens Professor an der Musikhochschule Hannover, mit Jazzerfahrung und Temperament.

Zur Eröffnung des Abends stellten sie sich und das Harmonieren ihrer Instrumente anhand zweier Fantasiestücke von Carl Nielsen (1865- 1931) vor. Die erste Programmhälfte war namhaften Komponisten der Moderne gewidmet. Zu hören gab es den „Liebesruf eines Faun“ von Hans Steinmetz (1901-1975) für Englischhorn – dem Alt-Instrument der Oboe – und Klavier. Die barocken Elemente im zeitgenössischen Werk waren schön dargestellt. Sodann eine Sonate für Oboe und Klavier von Francis Poulenc (1899- 1963) mit ausdrucksstarker Tonmalerei und wuchtigen Klangfeldern.

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Bei „Estampes“ von Claude Debussy konnte sich Becker als Solist ausleben. Dabei griff er so kraftvoll in die Tasten wie er beim Scherzo in Es-Moll von Johannes Brahms in gezügelter Leidenschaft darüber fegte. Mal wollte er sich vergraben im Schaffen von Klangfülle, mal lockte er Töne spielerisch hervor.

Spontane Autogrammstunde mit Versprechen auf ein Wiedersehen

„Nach dem Pflichtprogramm die Kür“, kündete Albrecht Mayer zum lockeren Ausklang das Concertino in C-Dur für Englischhorn und Klavier (Gaetano Donizetti) an, ein Wunschtitel von Gastgeber Fritz Unglert. Längst hatte sich das Duo in die Herzen des Publikums gespielt, mit der Oboe zum Träumen gebracht und wuchtigen Klavierakkorden wieder aufgeweckt. Dem Wunsch nach Zugabe wurde zweifach entsprochen, mit dem grandios gespielten „Spain“ von Chick Corea und einem schmeichelnden Abendlied. Spontan schloss sich eine Autogrammstunde an und das Versprechen: „Wir kommen gerne wieder.“

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